In Bremen ist die Realität für viele Menschen alles andere als rosig. Über 27 Prozent der Bremer Bevölkerung lebt in Armut – das sind mehr als jeder vierte Mensch hier im schönen Norden. Im Jahr 2022 lag die Armutsquote bei 27,5 Prozent, und im Vergleich dazu ist die bundesweite Quote mit 16,1 Prozent geradezu erfreulich niedrig. Und auch Niedersachsen steht mit 17,4 Prozent nicht gerade glänzend da. Ein trauriger Anstieg, denn im Vorjahr lag die Bremer Quote noch bei 25,9 Prozent. Der Trend zur zunehmenden Armut in Deutschland ist nicht zu übersehen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Viele Menschen haben Schwierigkeiten, angemessen am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, alleinlebende Menschen, junge Erwachsene und Senioren. Und komischerweise findet man unter den Betroffenen deutlich mehr Frauen als Männer. Das wirft Fragen auf, die dringend beantwortet werden müssen. Wie kann es sein, dass gerade in einer Stadt mit so viel Lebensqualität, wie Bremen, so viele Menschen in Armut leben?

Die Situation im Jahr 2024

Ein Blick in die Zukunft – oder besser gesagt ins Jahr 2024 – zeigt, dass sich die Lage nicht verbessert hat. Die Armutsquote in Bremen stieg auf 25,9 Prozent, ein deutlicher Anstieg von 21,5 Prozent im Jahr 2023. Dabei sind es fast 13 Millionen Menschen in Deutschland, die von Armut betroffen sind. Das entspricht 15,5 Prozent der Bevölkerung. Ein Anstieg um 1,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Besonders einkommensarme Menschen leiden darunter, denn ihr mittleres Einkommen ist gesunken.

Dr. Joachim Schuster vom Paritätischen Bremen fordert eine verbesserte Armutspolitik auf Bundesebene. Handlungsbedarf gibt es vor allem bei der Bekämpfung von Wohn- und Familienarmut, der Stärkung der Rentenversicherung und dem Ausbau der Grundsicherung. Die betroffenen Gruppen sind dieselben wie zuvor: Alleinerziehende, junge Erwachsene und Rentner*innen. Besonders alarmierend ist die Altersarmut, die stark weiblich geprägt ist. Frauen haben eine Armutsquote von 16,2 Prozent, während Männer bei 14,7 Prozent liegen.

Ein Blick auf die Armutsgefährdung

Doch was bedeutet es eigentlich, von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht zu sein? Laut den Statistiken gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn ihr Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt. Diese Grenze liegt bei weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens. Wenn man sich die Zahlen anschaut, wird einem schnell klar, wie eng es für viele Menschen ist. Alleinlebende müssen mit weniger als 1.381 Euro im Monat auskommen, während eine vierköpfige Familie bei 2.900 Euro liegt.

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Die Realität für viele betroffene Haushalte ist hart. Grundlegende Dinge wie Mieten, eine warme Wohnung oder gar ein Urlaub sind für sie unerreichbar. In Deutschland leben insgesamt 5,2 Millionen Menschen in erheblicher materieller Entbehrung, darunter auch 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche. Die Frage bleibt: Wie lange können wir diese Entwicklung noch ignorieren?

Es gibt zwar positive Entwicklungen, wie den leichten Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen in Armut, bedingt durch Mindestlohnerhöhungen und Wohngeldreformen. Doch die Herausforderungen bleiben groß. Die soziale Ungleichheit in Bremen und ganz Deutschland zeigt deutlich, dass der Sozialstaat zunehmend schlechter vor Armut schützt. Wie lange kann das gutgehen? Die Antworten darauf müssen wir alle gemeinsam finden.