Heute ist der 14.06.2026 und die Wellen, die Daniel Frohn in Bremen schlägt, sind kaum zu übersehen. Der 43-jährige Mann hat eine Klage gegen den Wettanbieter Tipico eingereicht, und das aus gutem Grund. Über 100.000 Euro hat er durch Sportwetten verloren, getrieben von einer Spielsucht, die ihn in die Isolation trieb. Sein Fall ist nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern könnte auch weitreichende Konsequenzen für Tausende von Spielern haben, die in ähnlicher Lage sind.

Von 2012 bis 2020, so Frohn, habe Tipico Wetten ohne gültige deutsche Lizenz angeboten. Eine Bremer Kanzlei, Rightmart, unterstützt ihn und viele andere in ähnlichen Klagen. Es ist eine Situation, die nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch aufgeladen ist. Tipico hingegen wehrt sich: Sie hatten eine Lizenz aus Malta und behaupten, sich um eine deutsche Genehmigung bemüht zu haben, die ihnen jedoch verweigert wurde. Eine verworrene Geschichte, die seit Jahren die Gemüter erhitzt.

Die rechtlichen Grauzonen

Die rechtliche Lage ist nicht ganz einfach. Thomas Dünchheim, ein Jurist und Experte für Glücksspielrecht, hat die Situation genau unter die Lupe genommen. „Unerlaubt sind alle Glücksspiele ohne deutsche Erlaubnis“, sagt er und betont, dass Spieler darauf achten sollten, auf welcher Whitelist die Anbieter stehen. Denn eine Lizenz aus einem anderen EU-Land ist nicht automatisch ausreichend. Bis 2022 war es für Anbieter nahezu unmöglich, eine deutsche Glücksspiel-Lizenz zu erhalten. Und das, obwohl der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits 2016 das deutsche Lizenzverfahren kritisierte. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Froh selbst hat seine Spielsucht mit der Unterstützung seiner Familie überwunden und hofft nun, sein verlorenes Geld zurückzuerhalten. Er spricht von einem persönlichen Betreuer bei Tipico, der ihn als VIP-Spieler zum Spielen animierte. „Das ist ein ganz anderes Gefühl“, sagt er, „du bist Teil einer exklusiven Gruppe.“ Gleichzeitig kritisiert er, dass Tipico die im Glücksspielstaatsvertrag verankerten Einzahlungslimits nicht einhielt. Das klingt, als wäre er in ein Labyrinth aus Verlockungen und Täuschungen geraten.

Ein wegweisendes Urteil steht bevor

Ein Urteil des EuGH, das bald erwartet wird, könnte eine Zäsur darstellen. Sollte das Gericht den Spielern Recht geben, könnten alle Verträge zwischen Spielern und Wettanbietern aus den Jahren 2012 bis 2020 für nichtig erklärt werden. Rechtsanwalt Sascha Münch schätzt, dass es um Rückforderungen in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro gehen könnte. Das würde nicht nur Frohn, sondern auch vielen anderen Spielern eine Möglichkeit bieten, ihre Verluste zurückzufordern.

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Die Situation ist komplex. Klagen gegen unerlaubte Glücksspiele sind möglich, aber auch mit Risiken verbunden. Anbieter können unrealistische Versprechen machen, und die Frage bleibt, ob die Rückerstattung tatsächlich klappt. Doch eines ist klar: Die Unklarheiten in der rechtlichen Situation wurden vom Staat selbst verursacht. Der EuGH hatte in einem früheren Verfahren entschieden, dass selbst Anbieter, die gegen das Verbotsgesetz verstoßen haben, unter bestimmten Bedingungen nicht bestraft werden dürfen. Eine merkwürdige Konstellation, die für die Spieler mehr Fragen als Antworten aufwirft.

Die Signale, die aus den Gerichtssälen kommen, sind vielversprechend. Ein Beispiel aus Deutschland zeigt, dass Spieler, die zwischen Juni 2019 und Juli 2021 bei maltesischen Anbietern verloren haben, rechtliche Schritte einleiten können. Ihre Klagen könnten, so die Hoffnung, von den Gerichten anerkannt werden, da die Spiele an ihrem Wohnsitz verboten waren. Die Erfolgsaussichten sind vielversprechend, und das könnte vielen anderen Spielern den Anstoß geben, ebenfalls aktiv zu werden.

In einer Welt, in der das Glücksspiel boomt, bleibt die Frage: Wie viel Freiheit hat der Einzelne wirklich? Froh und viele andere Spieler stehen an der Schnittstelle zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen Recht und Unrecht. Es ist ein Kampf, der nicht nur um Geld, sondern auch um Gerechtigkeit geht.