In Bremen sorgt das Schicksal der ikonischen Radfahrer-Figuren von Peter Mittler für Gesprächsstoff. Mitte März wurden die lebensgroßen Skulpturen abgebaut und eingelagert, da sie sich in einem desolaten Zustand befanden. Diese Entscheidung fiel nicht leicht, denn die Figuren, die erstmals 1978 eingeweiht wurden, thematisieren gesellschaftskritische Aspekte des Sports. Mit Titeln wie „Konkurrenz“ und „Treten und Stürzen für das Kapital“ regen sie zum Nachdenken an und sind ein fester Bestandteil des öffentlichen Raums der Universität Bremen.
Die Figuren, die bei ihrer Einweihung auf reges Interesse stießen und sogar in der Biennale des Jeunes im Centre Pompidou in Paris ausgestellt wurden, waren stark ramponiert. Beschädigungen durch Umwelteinflüsse und Vandalismus hatten ihren Tribut gefordert. Bereits 1992 wurden sie einmal gründlich restauriert, doch diesmal wird eine umfassendere Restaurierung notwendig sein. Die Uni-Sprecherin Christina Selzer hat bestätigt, dass das Kunstwerk für Restaurierungsstudiengänge zur Verfügung gestellt wird und dass die Rückkehr an den alten Standort von der erfolgreichen Restaurierung abhängt.
Die Kunst und ihr Schöpfer
Peter Mittler, der 2004 verstarb, war ein vielseitiger Künstler. Ursprünglich als Steinmetz tätig, wandte er sich in den 1970er Jahren sozialkritischen Themen zu und schuf die Radfahrergruppe im Rahmen einer bundesweiten Ausschreibung für „Kunst im öffentlichen Raum“. Diese fünfköpfige Skulptur, gefertigt aus Polyester und Stahl, war nicht nur ein künstlerisches Statement, sondern auch ein Spiegelbild gesellschaftlicher Strömungen seiner Zeit. Der Entstehungsprozess von der ersten Idee bis zur Einweihung war von Diskussionen und Anpassungen geprägt.
Die Figuren zeigen drei Radrennfahrer, die von ihren Trainern angefeuert werden. Obwohl die Radfahrergruppe mittlerweile stark beschädigt ist und Anzeichen von Verfall wie bemooste Oberflächen und entstellte Gesichtszüge zeigt, bleibt ihr Wert unbestritten. Der Abbau der Figuren wurde von vielen als Verlust empfunden, nicht zuletzt, weil sie auch überregional Aufsehen erregten und die Hochschulpolitik der damaligen Zeit hinterfragten. Bei der Einweihung protestierten Studenten gegen die Hochschulpolitik des damaligen Senators für Wissenschaft und Kunst.
Eine ungewisse Zukunft
Die Restaurierung von Kunststoff gilt als anspruchsvoll, und nur wenige Studiengänge in Deutschland beschäftigen sich mit dieser Materie. Es gibt Überlegungen, mögliche Partner für die Wiederherstellung zu finden, darunter Hochschulen in Köln, Hildesheim und Dresden. Die Rückkehr der Radfahrer-Figuren an ihren alten Standort bleibt jedoch ungewiss. Die Diskussion um ihren Verbleib und die künstlerische Bedeutung wird sicherlich anhalten, während die Stadt und ihre Bewohner auf die Rückkehr dieses besonderen Kunstwerks hoffen.
In der Zwischenzeit bleibt die Erinnerung an Peter Mittler und seine sozialkritischen Werke lebendig. Er hinterließ nicht nur die Radfahrergruppe in Bremen, sondern auch andere bedeutende Werke in der Region, wie den „Liegenden Stier“ in Mendig und das Basalttor in Mayen. Die Radfahrer-Figuren sind mehr als nur Skulpturen; sie sind Teil des kulturellen Erbes Bremens und eine ständige Aufforderung, die gesellschaftlichen Entwicklungen im Sport und darüber hinaus kritisch zu hinterfragen.