In Bremen tut sich gerade einiges in der Notfallversorgung. Die Notfallreform, die im Laufe des kommenden Jahres umgesetzt werden soll, sieht die Einführung von integrierten Notfallzentren (INZ) in Kliniken vor. Diese sollen eine Art Schnittstelle zwischen den Notaufnahmen, den niedergelassenen Ärzten und den Notdienstpraxen schaffen. Klingt vielversprechend, oder? Die Idee ist, dass Patienten nach einer Ersteinschätzung schneller an die richtige Stelle weitergeleitet werden. Doch der Weg dorthin ist steinig. Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen äußert Bedenken und sieht bereits fünf bis sechs INZ als zu viel an, vor allem wegen des Fachkräftemangels und bestehender Bereitschaftsdienstorte. Eine echte Herausforderung!
Die Bremer Gesundheitsbehörde hat ihrerseits mehr Mitspracherecht bei der Standortbestimmung der INZ gefordert. Besonders, weil die Notaufnahmen in den Kliniken zunehmend von Patienten frequentiert werden, die eigentlich in einer Arztpraxis besser aufgehoben wären. Judith Borsch von der Bremer Krankenhausgesellschaft (HBKG) merkt an, dass die Anzahl der INZ noch im Entwurf ist und sich durchaus noch ändern könnte. Der Standort für die INZ wird vom erweiterten Landesausschuss festgelegt, wo die Kliniken, Krankenkassen und die KV sitzen – die Gesundheitsbehörde ist dort nur als Gast vertreten. Das bringt natürlich Konflikte mit sich, denn die Interessen von Kassen, Kliniken und KV sind nicht immer deckungsgleich.
Ein Blick über die Bremer Grenzen
Aber nicht nur in Bremen, auch auf Bundesebene wird an der Notfallversorgung geschraubt. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur Reform der medizinischen Notfallversorgung beschlossen, der Anfang 2027 in Kraft treten soll. Dabei wird die Vernetzung der Notaufnahmen in Kliniken und die Verzahnung der Rufnummern 116 117 und 112 vorangetrieben. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) spricht von einem dritten Anlauf zur Reform. Es stehen viele Maßnahmen auf der Agenda: Die INZ sollen rund um die Uhr erreichbar sein und verschiedene medizinische Dienste bündeln. Auch die Notdienstpraxen werden unterstützt, um den Druck auf die Notaufnahmen zu verringern.
Zusätzlich sollen in bestimmten Fällen Notfallmedikamente direkt von den INZ ausgegeben werden können. Die Idee, dass die 116 117 besser als erste Anlaufstelle für akute Hilfe fungieren soll – wie praktisch! Damit wird angestrebt, dass Hilfesuchende besser durch das Gesundheitssystem geleitet werden und nicht einfach in der Notaufnahme landen, wenn es vielleicht gar nicht nötig wäre. Alles klingt nach Fortschritt, aber wie so oft gibt es auch kritische Stimmen: Ärztliche Verbände warnen vor Einsparungen und der drohenden Überlastung der Notaufnahmen. Die Finanzierung ist ein heikles Thema. Schließlich fließen 225 Millionen Euro aus einem Sondervermögen des Bundes in die Digitalisierung der Notfallrettung. Hoffen wir, dass das auch wirklich den gewünschten Effekt hat!
Die Herausforderungen der Zukunft
Zurück nach Bremen: Jährlich werden über 200.000 Patienten in den Notaufnahmen der Stadt behandelt, mehr als 60 Prozent davon ambulant. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Versorgungsstruktur effizient zu gestalten. Doch wie soll das in Zeiten des Fachkräftemangels gelingen? Die KV Bremen sieht in der geplanten zusätzlichen Versorgung durch INZ ohne eine wirksame Steuerung des Patientenzugangs einen Widerspruch. Das hat Hand und Fuß, denn wenn es nicht genug Ärzte gibt, um die neuen Strukturen zu unterstützen, könnte das Ganze nach hinten losgehen. Die Nachfrage nach INZ übersteigt bereits jetzt die tatsächliche Verfügbarkeit in Bremen – ein echtes Dilemma.
Die Bundesregierung plant, mit der Reform ein Gesundheitsleitsystem zu etablieren, das Hilfesuchenden eine erste Einschätzung bietet und sie an die richtige Stelle verweist. Ersteinschätzungen sind der Schlüssel – klar, dass nicht jeder Anruf bei der 112 gleich einen Rettungswagen zur Folge haben sollte. Eine digitale Vernetzung wird angestrebt, um Fehlsteuerungen zu minimieren. Wer weiß, vielleicht wird die Notfallversorgung in ein paar Jahren wirklich so effizient sein, dass wir uns vor einem Besuch in der Notaufnahme nicht mehr fürchten müssen!
