Heute ist der 28.06.2026 und ich sitze hier und denke an Nguyen Van Lam, den Asia-Mann vom Domshof, der seit über 30 Jahren seine köstlichen asiatischen Gerichte anbietet. Er und seine Familie haben eine bewegte Geschichte hinter sich, die in Vietnam begann, wo sie als „boat-people“ flohen. Der Vietnamkrieg, der am 30. April 1975 endete, führte zu massiven Repressionen. Schätzungen zufolge versuchten über 1,6 Millionen Vietnamesen, das Land zu verlassen. Lam war einer von ihnen. 1977, im zarten Alter von 15 Jahren, machte er sich mit einem Cousin auf die gefährliche Reise nach Malaysia, bevor es schließlich nach Deutschland ging.

In Bremen angekommen, war das Leben für die Familie Lam alles andere als einfach. Sie landeten in Bremervörde, wo der Vater schnell Arbeit fand. Lam selbst machte seinen Realschulabschluss und begann eine Lehre als Dreher. Aber die Liebe zur Gastronomie ließ ihn nicht los. Mit einem Campingwagen und einem Tapeziertisch vor einem Supermarkt begann die Familie, Frühlingsrollen zu verkaufen. Das war der Anfang einer Erfolgsgeschichte, die sie bis heute am Domshof führt. Seine Frau ist die Chefin, und gemeinsam haben sie eine kleine, aber feine Oase der asiatischen Küche erschaffen.

Ein Leben am Domshof

Jeden Tag pendelt Lam nach Delmenhorst, um am Domshof zu arbeiten. Dort beobachtet er die Menschen, meist auf Fahrrädern, die an seinem Imbiss vorbeiziehen. „Ich möchte am Ball bleiben“, sagt er, und das merkt man an seiner täglichen Arbeit. Trotz eines geschäftlichen Rückschlags, als sie einen Imbiss in Walle anmieteten, der nicht erfolgreich war, ist die Familie gut integriert und glücklich. Sie stehen zusammen in der Küche – seine Frau kocht, während Lam Gemüse schnippelt und die Speisen zubereitet. Ein harmonisches Bild, das die Liebe zur Gastronomie und zur Familie widerspiegelt.

Die Geschichte der Familie Lam ist eine von Flucht und Neuanfang – und sie erzählt viel über die vietnamesische Community in Deutschland. 1978 führten Bilder überfüllter Flüchtlingsschiffe zu einer Welle der Solidarität, und Deutschland nahm schließlich 1.000 Boatpeople auf. Lam und seine Familie sind Teil dieser Geschichte, die nicht nur von Schmerz, sondern auch von Hoffnung und der Suche nach einem besseren Leben geprägt ist. Es ist eine Migration, die sich über Jahrzehnte erstreckt hat und bis heute nachwirkt.

Ein breites Erbe

Aktuell leben etwa 185.000 Vietnamesen und Deutsche vietnamesischer Herkunft in Deutschland. Die Integration der Boat People wird oft als gelungen betrachtet, obwohl es wenig Forschung über ihren Alltag gibt. Lam ist einer von vielen, die sich durchgekämpft haben, und er möchte den Kontakt zu seinen alten Stammkunden aufrechterhalten. Die Generationen sind älter geworden, und auch er fragt sich, wie lange er noch weitermachen möchte. Doch die Leidenschaft für asiatische Küche und die Freude daran, Menschen zusammenzubringen, treibt ihn an.

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Sein Imbiss ist nicht einfach nur ein Ort zum Essen; es ist ein Stück Heimat, ein Stück Vietnam mitten in Bremen. Die Bratnudeln, Frühlingsrollen und das Thai-Curry sind mehr als nur Gerichte – sie sind ein kleiner Teil seiner Geschichte, seiner Identität. Die doch manchmal herausfordernde Migrationserfahrung der Vietnamesen in Deutschland zeigt, dass trotz aller Widrigkeiten Gemeinschaft und Zusammenhalt immer eine große Rolle spielen. Und genau das spürt man, wenn man bei Nguyen Van Lam am Domshof vorbeischaut.