In Bremen-Nord machte sich in den letzten Jahren eine besorgniserregende Entwicklung bemerkbar: Acht Apotheken schlossen seit 2010 ihre Türen, was einen Rückgang von 27 Prozent bedeutet. Das ist nicht nur eine Zahl, sondern auch ein deutlich spürbarer Verlust für die örtliche Bevölkerung. Die verbliebenen 21 Apotheken in der Region sind nicht nur für die Bremer, sondern auch für Menschen aus dem Umland von großer Bedeutung. Frithjof Wehrmann, Inhaber der traditionsreichen „Alten Apotheke“ in Blumenthal, die seit 1855 besteht, berichtet, dass seine Kundschaft gewachsen ist. Grund dafür ist die Notwendigkeit, die sich aus dem Mangel an Alternativen ergibt.
Die Schließungen, so Wehrmann, schränken die wohnortnahe Arzneimittelversorgung erheblich ein. Die Apotheken in Bremen-Nord haben erweiterte Öffnungszeiten, stehen aber gleichzeitig unter dem Druck des Kontrahierungszwangs und der Notdienstpflicht. Die steigenden Zahlen bei den Onlineapotheken sind ein weiterer Faktor, der die lokale Apothekenlandschaft verändert. Im vergangenen Jahr bearbeiteten diese über 76 Millionen Bestellungen – das ist schon eine Hausnummer!
Wirtschaftlicher Druck und Fachkräftemangel
Das Bundesgesundheitsministerium hat zwar eine Verordnung zur Anhebung des Apothekenhonorars verabschiedet, doch viele in der Branche bezweifeln, dass dies die Situation nachhaltig verbessern wird. Die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken bleibt angespannt, und das trotz steigender Umsätze. Gründe dafür sind der demografische Wandel, der Fachkräftemangel und die steigenden Betriebskosten. In der Tat ist es für Apotheken mittlerweile schwierig, qualifiziertes Personal zu finden, da viele in Industrie und Verwaltung abwandern.
Wehrmann kritisiert auch den fehlenden politischen Willen, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, insbesondere im Hinblick auf ausländische Versandapotheken. Während in elf EU-Ländern der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten verboten ist, ist er in Deutschland nach wie vor erlaubt. Das sorgt für eine ungleiche Ausgangslage. Die Forderungen, die in der Branche laut werden, sind klar: Bürokratieabbau, faire Wettbewerbsregeln und ein Honorarsystem, das die tatsächliche Leistung abbildet.
Der Mythos vom Apothekensterben
Interessanterweise zeigt eine Analyse der Apothekenschließungen zwischen Juli 2023 und Juli 2025, dass diese vor allem in Regionen mit hoher Apothekendichte stattfanden. Das bedeutet, dass die meisten Menschen in Deutschland, genau genommen 97,5 %, zwischen 2018 und 2023 unveränderte oder sogar verkürzte Wege zur nächsten Apotheke hatten. Nach einer Schließung beträgt der durchschnittliche Abstand zur nächsten Apotheke nur 390 Meter. Die Arzneimittelversorgung in Deutschland bleibt also gesichert, trotz des Rückgangs der Apothekenzahl.
Walter Hess von der European Association of E-Pharmacies bezeichnet den Rückgang als marktübliche Konsolidierung und nicht als Versorgungskrise. In der Tat, die Zahl der in Apotheken beschäftigten Fachkräfte erreichte 2024 einen historischen Höchststand von über 162.000. Das zeigt, dass die Branche trotz aller Herausforderungen nicht am Boden liegt. Online-Apotheken sind nicht die Ursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Vor-Ort-Apotheken, sondern Teil einer sich verändernden Versorgungsrealität.
Olaf Heinrich, ebenfalls Co-Präsident der EAEP, hebt hervor, dass der digitale Arzneimittelbezug zunehmend zur Versorgungsrealität wird. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass Apotheken sich anpassen und neue Wege finden müssen, um relevant zu bleiben. Die Politik ist gefordert, echte Strukturreformen zu initiieren und datenbasierte, empirisch gestützte Maßnahmen zu ergreifen, um gleichwertige Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Ob in zehn Jahren noch die Hälfte der heutigen Apotheken in Bremen-Nord bestehen wird, bleibt abzuwarten. Die Herausforderungen sind groß, aber die verbleibenden Apotheken leisten nach wie vor einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsversorgung und Prävention. Es bleibt zu hoffen, dass die Branche die nötige Unterstützung erhält, um nicht nur zu überleben, sondern auch zu gedeihen.
