In Blumenthal, einem Stadtteil von Bremen, hat Ulli Vey eine bemerkenswerte Strategie zur Bekämpfung des heimtückischen Jakobskreuzkrauts entwickelt, das auf seiner Weide für Angus-Rinder wuchert. Vor vier Jahren begann er mit einer unkonventionellen Methode: Er setzte die Raupen des Blutbären ein, eines rot-schwarzen Schmetterlings, der sich als wahrer Verbündeter im Kampf gegen diese giftige Pflanze entpuppte. Jakobskreuzkraut ist nicht nur für die Rinder gefährlich, sondern kann auch bis zu 150.000 Samen produzieren. Eine echte Plage, wenn man bedenkt, dass die Bitterstoffe beim Verarbeiten zu Heu und Silage erhalten bleiben und die Tiere gefährden.

„Ich war einfach frustriert“, gesteht Vey, als er an die ersten Tage des Kampfes zurückdenkt. Das Kraut hatte seine Weide fest im Griff, und herkömmliche Methoden schienen einfach nicht zu fruchten. Dann erhielten die Raupen von einem Freund Einzug in seine Strategie. Die Raupen fressen das Jakobskreuzkraut und machen sich damit ungenießbar für Vögel – ein cleverer Schutzmechanismus der Natur. Nach vier Jahren harter Arbeit ist das Jakobskreuzkraut auf seiner Wiese vollständig verschwunden. „Es braucht Geduld“, sagt er, „man muss die Raupen einfach ihre Arbeit machen lassen.“

Die Geduld der Natur

Die Bekämpfung des Jakobskreuzkrauts erfordert nicht nur Geschick, sondern auch Geduld. Vey warnt eindringlich, dass die Pflanzen nicht zu früh entfernt werden sollten, sonst gefährdet man die Raupen. Auch der Gedanke, die Pflanzenreste nun endlich zu entsorgen, steht ihm im Kopf. Es ist wichtig, eine Wiederansiedlung des Jakobskreuzkrauts zu verhindern. Diese invasiven Pflanzen breiten sich besonders unter den aktuellen klimatischen Bedingungen rasant aus.

In einem anderen Teil Norddeutschlands hat Landwirt Andreas Frahm eine ähnliche Herausforderung angenommen. Im Jahr 2008 pachtete er mehrere Hektar in Neuengörs, Schleswig-Holstein, wo die Grünflächen stark mit Jakobskreuzkraut bewachsen waren. „Man kann nicht alles mit den Händen rausreißen“, erklärt er und beschreibt seine ersten Versuche mit Mulchen und Mähtechniken, die allesamt erfolglos blieben. Erst als er die Raupen des Blutbären entdeckte, begann sich die Lage zu ändern. Nach acht Jahren Forschung hat er ein Konzept entwickelt, das es ermöglicht, Flächen innerhalb von vier Jahren nahezu frei von Jakobskreuzkraut zu bekommen.

Ein Angebot für alle

Frahm hat sein Wissen sogar patentrechtlich schützen lassen, gibt es aber bereitwillig weiter. Im Jahr 2021 beriet er Klein- und Großbetriebe mit einer Gesamtfläche von über 100.000 Hektar. „Wir müssen das Jakobskreuzkraut so weit zurückdrängen, dass es keine Gefahr mehr darstellt“, beschreibt er sein Ziel. Im Sommer bietet er Workshops auf seinem Hof an, während er im Frühjahr und Herbst Konzepte für Betriebe und Gemeinden entwickelt. „Der Schmetterling ist oft schon vor Ort, man muss nur wissen, wie man ihn nutzt“, sagt er mit einem Lächeln.

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Beide Landwirte – Vey und Frahm – sind lebende Beweise dafür, dass die Natur oft die besten Lösungen bereithält, wenn man bereit ist, zuzuhören und zu lernen. Es ist spannend, wie diese Methoden immer mehr Anhänger finden und die Gefahren des Jakobskreuzkrauts in den Hintergrund drängen. So ist der Kampf gegen diese heimtückische Pflanze nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance, innovative Wege in der Landwirtschaft zu erkunden.