Die geheime Welt der Biotonnen: Einblicke von Bremens Müllprofis
In Bremen, wo die Luft nach Nordsee und frischem Gras riecht, sind Olaf Graefe und Peter Müller schon seit 31 Jahren ein eingespieltes Team bei der Bremer Stadtreinigung. Morgens um 6 Uhr starten sie in Findorff mit ihrem Wagen, um die Biotonnen der Stadt zu leeren. Der Alltag der beiden ist alles andere als langweilig, denn seit März 2023 dreht sich bei ihrem Job alles um die Kontrolle von Fremdstoffen in den Biotonnen. „Wir haben schon so manche Überraschung erlebt“, erzählt Müller schmunzelnd, während er eine Tonne anhebt. „Manchmal weiß man gar nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man sieht, was die Leute alles reinwerfen.“
Stichprobenartig werden die Biotonnen kontrolliert, und bei Fehlbefüllungen gibt es eine gelbe Karte als Warnung. In Blumenthal, Vegesack und Burglesum wurden zwischen dem 2. März und dem 8. Mai 2023 insgesamt 1900 gelbe Karten verteilt. In anderen Stadtteilen waren es sogar 8100! Aber das ist erst der Anfang – im zweiten Halbjahr 2023 wird es ernst. Dann wird nicht mehr geleert, wenn die Tonne falsch befüllt ist. „Das ist eine klare Ansage an die Eigentümer“, sagt Graefe. „Die müssen dann selber nachsortieren oder eine Nachleerung als Restmüll beauftragen.“ Die beiden Männer sind überzeugt, dass die Kontrolle wirkt – laut Müller sind die Falschbefüllungen zurückgegangen.
Ein bisschen Technik muss sein
Die Bremer Stadtreinigung setzt bei der Kontrolle auf spezielle Technik, doch oft genug erkennen Graefe und Müller die Falschbefüllungen bereits am Gewicht der Tonne oder an anderen Indizien. „Manchmal ist es einfach offensichtlich, wenn da Restmüll in Plastiktüten drin ist“, meint Graefe. Diese Plastiktüten sind ein echtes Problem, denn sie verrotten nicht und landen am Ende in der Kompostierung als schädliche Plastikpartikel. Das wird sicher niemanden freuen. Wusstet ihr, dass selbst die sogenannten „kompostierbaren“ Tüten nicht so harmlos sind? Die verrotten erst nach der Kompostierung der normalen Bioabfälle – was die Sache nicht einfacher macht.
Der Bioabfall wird in Bremen nicht einfach irgendwohin gekippt. Er wird in der Kompostierung Nord am Fahrwiesendamm umgeschlagen und landet danach in einer Biogasanlage in Bohmte, Niedersachsen. Dort wird Energie gewonnen und Dünger hergestellt. Das klingt gut, oder? Aber damit das alles funktioniert, muss der Bioabfall wirklich rein sein – und das bedeutet: keine Kunststoffe, keine Fremdstoffe. Die Bioabfallverordnung regelt das seit 1998. Grenzwerte für Schwermetallgehalte und Hygieneanforderungen sorgen dafür, dass die Qualität der Komposte verbessert wird.
Gemeinsam für ein besseres Bremen
Graefe und Müller sind sich einig: Es ist wichtig, dass die Menschen in Bremen verstehen, was in die Biotonne gehört und was nicht. Die häufigsten Fehlwürfe sind Plastiktüten, die ganz klar nicht hingehören. Um Fremdmüll zu vermeiden, empfehlen die Fachleute, die Mülltonnen erst am Morgen des Abfuhrtermins an die Straße zu stellen. „Das ist ein kleiner, aber feiner Trick“, sagt Müller. „So haben wir die besten Chancen, dass die Tonne wirklich nur das enthält, was auch rein gehört.“
Die beiden Männer sind stolz auf ihre Arbeit. Sie leeren täglich etwa 1000 Tonnen und sammeln dabei zwischen 11 und 12 Tonnen Bioabfall. Das ist eine Menge! Und auch wenn sie manchmal über die Falschbefüllungen schmunzeln müssen, wissen sie, dass jeder kleine Schritt zählt. Bremen wird immer ein bisschen grüner, ein bisschen sauberer – und das ist doch das Ziel, oder?
