Kleingartenstreit in Vegesack: Rassismusvorwürfe und kulturelle Missverständnisse entzweien die Nachbarschaft
In der beschaulichen Stadt Bremen, genauer gesagt im Stadtteil Vegesack, sorgt ein Streit um einen Kleingarten für Aufregung. Mohsen Zolypoor, der Sohn der ehemaligen Pächter, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kleingärtnerverein Rahland. Rassismus, so lautet seine Anklage. Der Verkauf der Parzelle seiner Eltern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bewirtschaftet werden konnte, gestaltete sich als zähes Unterfangen. Ganze zwei Jahre musste Zolypoor warten, bis endlich eine Nachfolgerfamilie, Kasachen, im Juni 2025 den Pachtvertrag unterschrieb. Zuvor kam es jedoch zu einigen unschönen Vorfällen.
Im Zusammenhang mit dem Verkaufsprozess tauchten diskriminierende Chatnachrichten auf. Zolypoor sieht diese als direkte Anfeindungen gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Maren Nitz, die Vorsitzende des Vereins, weist die Vorwürfe entschieden zurück. Sie betont die Multikulturalität ihres Vereins und bedauert ihre Wortwahl, insbesondere ihre Äußerung zur „Clusterbildung“, die offenbar missverstanden wurde. Dies macht die Situation nicht weniger heikel, denn im November 2024 stellte Zolypoor bei der Polizei eine Anzeige wegen „verhetzender Beleidigung“ – das Verfahren wurde jedoch im Januar 2025 eingestellt, da kein Straftatbestand vorlag.
Unstimmigkeiten und Missverständnisse
Die Schwierigkeiten im Verkauf der Parzelle scheinen tiefer zu liegen. Zolypoor hadert mit den Unstimmigkeiten, die zwischen den Vorstellungen der Pächter und dem Verein entstanden sind. Der erste Interessent sprang kurzerhand ab, während sich ein zweiter nicht an die Regeln des Vereins hielt. Es gab auch immer wieder Diskussionen über Gemeinschaftsarbeit und Gartenpflege, die offenbar nicht zur Zufriedenheit aller Beteiligten verliefen. Nitz hatte in den besagten Chatnachrichten angemerkt, dass im Verein Deutsch gesprochen werden solle, was Zolypoor als weiteren Ausdruck von Diskriminierung wahrnimmt. „Wir wollen eine Durchmischung der Parzellenpächter“, versichert Nitz, die stolz auf die elf unterschiedlichen kulturellen Hintergründe im Verein verweist.
Und so bleibt die Frage, wie es weitergeht. Der Kleingarten, der einst ein Ort der Begegnung und des Miteinanders war, steht nun im Zentrum eines Streits, der weit über die Grenzen von Vegesack hinaus für Gesprächsstoff sorgt. Die Gemüter sind erhitzt, aber das Ziel bleibt: ein harmonisches Miteinander in einem kulturell vielfältigen Umfeld. Wie die Beteiligten mit den aktuellen Herausforderungen umgehen werden, bleibt spannend zu beobachten.
