Heute, am 8. Mai 2026, werfen wir einen Blick auf die Nordlicht-Straßenbahnen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Fast sechs Jahre sind vergangen, seit die ersten dieser modernen Bahnen in Bremen eingefahren sind. Sie ersetzen nach und nach das alte Fahrzeugmodell GT8N-1, das seit fast 30 Jahren auf den Gleisen unterwegs war. Mit aktuell 84 Nordlicht-Straßenbahnen im täglichen Einsatz und nur noch 42 GT8N-1-Bahnen, wird die Umstellung bis Ende der 2030er-Jahre abgeschlossen sein.
Doch die Einführung der neuen Bahnen ist nicht ganz ohne Herausforderungen. Die BSAG berichtet von „technischen Herausforderungen“, die bei der Inbetriebnahme aufgetreten sind. Probleme mit den Sitzen, Rädern, Hubliften und Fensterscheiben sorgen für ordentlich Gesprächsstoff unter den Fahrgästen und Anwohnern. Besonders die Lautstärke und Gleisvibrationen, verursacht durch das höhere Gewicht der Nordlichter – ganze 47,9 Tonnen bringen die neuen Bahnen auf die Waage – sind nicht unbemerkt geblieben. Ein ganz schön ordentliches Kaliber, das da durch Bremen fährt!
Einblicke in die Herausforderungen
Die BSAG hat festgestellt, dass die Doppelsitze ein wenig zu hoch sind, die Holzsitzschalen rutschig und die Halteschlaufen schwer erreichbar. Das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine entspannte Fahrt. Auch die Hublifte haben wiederholt für Ärger gesorgt. Defekte Lichtschranken führten zu mindestens 40 Garantiefällen, die zum Großteil innerhalb eines Jahres bearbeitet wurden. Störungen traten in der Regel acht bis 20 Mal pro Woche auf, konnten aber rasch behoben werden – ein kleiner Trost für die Nutzer.
Ein weiteres Problem betrifft die Fensterrahmen: Konstruktionsfehler bei den Fensterdichtungen führen zu Korrosionsschäden, und der Austausch aller 2100 Fensterrahmen ist bis voraussichtlich Mai 2027 geplant. Wer die Kosten trägt? Natürlich der Hersteller, Siemens. Das ist aber auch ein ganz schöner Batzen Arbeit, den die BSAG da stemmen muss.
Die modernen Vorteile der Nordlicht-Straßenbahnen
Doch trotz der Herausforderungen gibt es auch viel Positives zu berichten! Die neuen Nordlichter, die seit dem 31. März 2020 in Bremen unterwegs sind, bieten einen deutlich größeren Innenraum. Mit einer Breite von 2,65 Metern sind sie nicht nur komfortabler, sondern auch praktischer. Sie verfügen über großzügige Freiflächen für Kinderwagen, Rollatoren, Gepäck und Fahrräder. Das Ein- und Aussteigen wird durch sieben breite Türen erleichtert, und zwei Stellplätze sind für Rollstuhlfahrende reserviert. Das ist doch mal ein Fortschritt!
Moderne Assistenzsysteme im Fahrstand und große Doppel-Monitore, die die nächsten Haltestellen anzeigen, runden das Nutzererlebnis ab. Außerdem sind die Nordlichter ab der Nummer 3401 auch für Einsätze auf Eisenbahnstrecken geeignet, was die Flexibilität im öffentlichen Verkehr erhöht. Ein Zeichen für die Zukunft des ÖPNV in Bremen – und nicht nur hier, auch deutschlandweit.
Ein Blick auf die Verkehrswende
Die Herausforderungen der BSAG spiegeln sich wider in der größeren Thematik der Verkehrswende in Deutschland. Diese Transformation ist entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft des Landes und geht weit über die Straßenbahnen hinaus. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag 2021–2025 das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft (DZM) ins Leben gerufen, um Kompetenzen zu bündeln und innovative Lösungen zu schaffen. Der Fokus liegt dabei auf der Modernisierung der Infrastruktur, dem Ausbau von Nahverkehrsnetzen und der Integration digitaler Lösungen.
In der Region Bremen und darüber hinaus ist es essenziell, individuelle Verkehrslösungen zu entwickeln, die den unterschiedlichen Bedürfnissen von ländlichen und städtischen Räumen gerecht werden. Der Weg zur Mobilität der Zukunft ist noch lang, aber mit den Nordlicht-Straßenbahnen wird ein wichtiges Kapitel aufgeschlagen. Man darf gespannt sein, was die nächsten Jahre bringen – sowohl in Bremen als auch in ganz Deutschland!