In der kleinen Gemeinde Uplengen, im Landkreis Leer, wird ab dem kommenden Schuljahr Geschichte geschrieben – und zwar in Plattdeutsch! Ja, richtig gehört! Die Oberschule Uplengen hat die Genehmigung des Kultusministeriums erhalten, die niederdeutsche Sprache als reguläre zweite Fremdsprache anzubieten. Eine echte Premiere in Niedersachsen! Ab dem 1. August 2026 dürfen alle Schüler, die in die sechste Klasse eintreten, sich auf die bunte Vielfalt der Plattdeutsch-Kultur einlassen.
Bisher wurde Plattdeutsch lediglich im Rahmen von Wahlpflichtfächern oder Arbeitsgemeinschaften an anderen Schulen unterrichtet, aber jetzt wird es endlich ernst! Die Oberschule Uplengen geht gemeinsam mit der Universität Oldenburg neue Wege: Dort wird seit 2023 ein Studiengang für Niederdeutsch angeboten, um zukünftige Lehrkräfte bestens auf den Plattdeutschunterricht vorzubereiten. Wie aufregend! Und das ist noch nicht alles – ab 2028 sollen in Uplengen Ausbildungsplätze für Referendare bereitstehen!
Ein Schritt in die Zukunft der Regionalsprachen
Doch was bedeutet das für die Region? Der niedersächsische Landtag hat bereits 2017 die Weiterentwicklung des Plattdeutschunterrichts beschlossen. Damit wird Plattdeutsch, zusammen mit Saterfriesisch, ein fester Bestandteil der schulischen Landschaft. Diese Sprachen genießen einen besonderen rechtlichen Status gemäß der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, und Niedersachsen ist eines der Bundesländer, das sich zur Förderung verpflichtet hat.
Die pädagogische Sichtweise hat sich gewandelt – Regionalsprachen werden heute als wichtige Elemente der Mehrsprachigkeit angesehen. In Niedersachsen gibt es bereits 46 Schulen, die für ihr Engagement zur Förderung der niederdeutschen oder saterfriesischen Sprache ausgezeichnet wurden. Ein Beispiel dafür ist die Grundschule Emlichheim, die erst kürzlich als „Plattdeutsche Schule“ zertifiziert wurde. Ein feierlicher Anlass, bei dem Kultusministerin Julia Willie Hamburg im Museum Lüneburg die Ehrungen vornahm, begleitet von plattdeutschen Beiträgen der Schüler. Wie schön!
Ein neuer Wind weht durch die Klassenzimmer
Die Einführung von Plattdeutsch als reguläres Fach ist nur ein Teil eines größeren Trends in Niedersachsen. Immer mehr Schulen integrieren die Regionalsprachen in ihren Lehrplan und fördern den Spracherwerb durch verschiedene Angebote wie Fachunterricht, Wahlpflichtfächer, Arbeitsgemeinschaften und sogar Ganztagsangebote. Man könnte sagen, es weht ein frischer Wind durch die Klassenzimmer, der die Wurzeln der Region wieder stärker ins Bewusstsein ruft.
In einer Zeit, in der die Globalisierung und die Dominanz der Hochsprache oft die regionalen Dialekte in den Hintergrund drängen, ist es eine echte Bereicherung, dass Plattdeutsch nun einen Platz im Unterricht bekommt. Es stärkt nicht nur das Bewusstsein für die eigene Kultur, sondern fördert auch das Verständnis füreinander. Und seien wir ehrlich: Wie oft haben wir uns nicht schon gewünscht, die schönen plattdeutschen Sprüche und Lieder besser zu verstehen?
In einer Welt, die immer schneller und digitaler wird, kommt dieser Schritt genau zur richtigen Zeit. Uplengen zeigt, dass die Tradition lebendig bleiben kann und dass die Liebe zur Sprache ein wichtiges Gut ist, das es zu bewahren gilt. Wer weiß, vielleicht wird Plattdeutsch schon bald auch in anderen Regionen Niedersachsens als Schulfach Einzug halten. Ein Grund mehr, die Lehrpläne im Auge zu behalten.
