Wolfszaun oder Wildschutz? Der Streit um Bremens Natur im Fokus
Heute ist der 29.06.2026 und die Debatte um den neuen Wolfszaun auf dem Bremer Stadtwerder nimmt kein Ende. Jäger Uwe Pundsack sieht die Sache alles andere als entspannt. Nach dem tragischen Tod eines Rehs am Zaun im Dezember 2025 erhebt er seine Stimme und fordert Veränderungen. Die Sorge um die Rehe, die in der Nähe des oberen Werdersees leben, ist groß. Der Zaun, der im Oktober 2025 errichtet wurde, sollte eigentlich den Rindern und der Artenvielfalt dienen. Doch während die Umweltbehörde überzeugt ist von seiner Notwendigkeit, gibt es ernsthafte Bedenken. Schließlich sind seit 2023 keine Wölfe mehr in Habenhausen gesichtet worden!
Der Zaun wurde im Rahmen des Projekts „Wilde Weiden“ installiert, das die extensive Beweidung mit etwa 30 Biorindern auf 35 Hektar Grünlandfläche fördern soll. Kostenpunkt: rund 126.000 Euro. Das klingt nach einer soliden Investition in die Natur, oder? Doch der Zaun zerschneidet den Lebensraum der Wildtiere, was Pundsack als gefährlichen Eingriff in die Natur betrachtet. Die Rehe, die sich bisher nicht an die neuen Gegebenheiten gewöhnt haben und nicht gelernt haben, die Zäune zu überqueren, stehen unter Druck. Es wird sogar gefordert, zwei Stromdrähte abzuschalten, um den Tieren eine Chance zu geben.
Wölfe und ihre Überwindungskünste
Die Umweltbehörde bleibt optimistisch. Sie beobachtet eine Zunahme von Wölfen in Nordwestdeutschland und sieht den Zaun als wolfsabweisenden Schutz. Ein Argument, das Pundsack nicht überzeugt. Er weist darauf hin, dass Wölfe in anderen Regionen durchaus lernen, Zäune zu überwinden. Wölfe können, je nach Situation, Stabilzäune überklettern, besonders in sozialen Konflikten oder während der Ranzzeit. Dies zeigt, wie wichtig es ist, die Stabilität und Spannung der Zäune im Auge zu behalten. Um das Risiko zu minimieren, empfehlen Experten, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie abweisende Matten und parallele Elektrozaundrähte zu installieren. Denn die Gefahr, dass ein Wolf einen Wildknotenzaun überwindet, ist real.
Für die Umweltbehörde ist das Projekt nicht nur eine Möglichkeit, Rinder zu schützen, sondern auch eine Chance, Lebensräume für Insekten zu schaffen und die Artenvielfalt zu fördern. Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Bremen sollen klären, wie sich die Beweidung auf die Flora und Fauna auswirkt. Jens Rehm, Jagdpächter in Bremen-Nord, berichtet von einem Rückgang des Wildbestands in Gebieten mit Wolfsschutzmaßnahmen. Die Sorgen der Jäger sind also nicht unbegründet.
Egal, wie man es dreht und wendet, die Situation am Weserbogen bleibt angespannt. Die Umweltbehörde hat viel zu tun und wird die Entwicklungen weiterhin genau beobachten. Während Pundsack und seine Kollegen um die Zukunft der Rehe bangen, hoffen die Naturschützer, dass das Konzept „Wilde Weiden“ auf lange Sicht erfolgreich sein wird. Ein Balanceakt zwischen Naturschutz und Jagd, der in Bremen wohl noch für einige Diskussionen sorgen wird.
