In Bremen stehen die Notaufnahmen unter einem enormen Druck. Die Situation ist angespannt, und viele Patienten mit nicht-akuten Beschwerden strömen in die Einrichtungen, als wäre es ein Laufsteg. Ständige Klagen über überlastete Notaufnahmen sind inzwischen an der Tagesordnung. „Wir werden überrannt“, sagt die Bremer Krankenhausgesellschaft – ein Satz, der die Dringlichkeit der Lage auf den Punkt bringt. Es sind nicht nur die Notfälle, die hier behandelt werden, sondern auch viele Erkältungen und ähnliche Bagatellen, die eigentlich in die Hände von Haus- oder Kinderärzten gehören.

Doch genau diese Haus- und Kinderärzte sind ebenfalls überlastet. Die Schlangen vor den Praxen werden länger, die Wartezeiten steigen und die Versorgungslücken klaffen immer weiter auseinander. Ein Teufelskreis, der nicht nur die Notaufnahmen, sondern das gesamte Gesundheitssystem in Bremen betrifft. Besonders prekär ist die Lage in den Stadtteilen im Westen und Norden, wo der Mangel an Ärzten und medizinischem Fachpersonal besonders spürbar ist.

Die geplante Reform: Ein Hoffnungsschimmer?

Eine geplante Reform sieht die Einführung von Integrierten Notfallzentren (INZ) vor – eine Art Lichtblick in diesem Chaos. Diese INZ sollen dafür sorgen, dass „Irrläufer“ schneller in andere Arztpraxen oder den Notdienst geleitet werden können. Sabine Doll äußert jedoch, dass diese Regelung allein nicht ausreicht, um die Überlastung der Notaufnahmen zu beheben. Viele Patienten kommen ohne telefonische Voranmeldung, oft weil sie keinen Hausarzt haben oder einfach nicht wissen, wo sie hingehen sollen. Ein Problem, das durch fehlende Aufklärung und Beratung noch verschärft wird.

Der Anstieg der Patientenzahlen in den Notaufnahmen begann bereits vor der Corona-Pandemie, und die Situation hat sich seither nur verschärft. Chefarzt Martin Langenbeck betont, dass Notaufnahmen für lebensbedrohliche Situationen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle gedacht sind. Doch die Realität sieht anders aus: Fast die Hälfte der Patienten könnte anderswo behandelt werden. Ein alarmierendes Zahlenwerk, das zum Nachdenken anregt.

Die Herausforderung der ambulanten Versorgung

Einen weiteren Aspekt der Problematik beleuchtet der Mangel an Fachärzten und die unzureichende medizinische Ausstattung in den Praxen. Die Schließungen von Arztpraxen führen nicht nur zu neuen Versorgungslücken, sondern sorgen auch dafür, dass die bereits überlasteten Einrichtungen noch mehr gestresst werden. Gute Nachrichten gibt es immerhin: Das Rote Kreuz Krankenhaus hat ein ärztliches Versorgungszentrum für ambulante Behandlungen gegründet, das eine gewisse Entlastung für die Notaufnahme gebracht hat. Dennoch bleibt der Druck auf das gesamte System bestehen.

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Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Stephan Hofmeister, spricht sich für eine bessere Vernetzung der Notrufnummern 116117 und 112 aus. Eine einheitliche Ersteinschätzung für Notfälle könnte helfen, den Patientenstrom besser zu steuern. Aber auch hier gibt es kritische Stimmen. Ein 24/7-aufsuchender Notdienst sei personell nicht umsetzbar, und die Gefahr einer Überzahl der INZs könnte die Situation weiter verkomplizieren. Was bleibt, ist ein Gefühl der Unsicherheit – und der dringende Bedarf nach Lösungen.

Die Notfallreform allein wird nicht ausreichen, ohne eine Stärkung der ambulanten Versorgung. Es ist an der Zeit, dass die Politik handelt und die Weichen für eine nachhaltige Verbesserung stellt. Die Menschen in Bremen haben es verdient, dass sie nicht nur in Notzeiten, sondern auch in der regulären medizinischen Versorgung gut betreut werden. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die geplanten Maßnahmen die erhoffte Entlastung bringen.