Ein Geheimnis unter dem Schulhof: Der vergessene Erdbunker von Bremen-Hastedt
Vor 30 Jahren, als alles irgendwie stiller war, wurde unter dem Schulhof der Kinderschule in Bremen-Hastedt ein geheimnisvoller Erdbunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Diese Geschichte beginnt mit Horst Massmann, dem damaligen Schulleiter, der 1996 einfach mal den Asphalt aufbrechen ließ, um ein paar Bäume zu pflanzen. Dabei stieß er auf die Überreste eines Luftschutzbunkers, der in den Wirren des Krieges errichtet worden war. Ein Glück, könnte man sagen, denn Massmann hatte sich zum Ziel gesetzt, diesen Erinnerungsort zu retten und mit dem angrenzenden Schulmuseum zu verbinden. Hastedt war während des Krieges stark betroffen – die Bombardierungen hatten die Industrie in der Umgebung hart getroffen.
Ein besonders prägnantes Beispiel dafür ist der Großangriff am 6. Oktober 1944, der die Produktionsanlagen von Focke-Wulf und andere Betriebe in Hastedt in Schutt und Asche legte. Der Schulhof, wo nun die Kinder spielen, blieb glücklicherweise weitgehend verschont. Als die ersten Kammern des Bunkers freigelegt wurden, kamen faszinierende Originalstücke aus den Jahren 1941 bis 1945 zum Vorschein – darunter ein Heizkörper, Helme und sogar ein großer Eimer, der als Toilette diente. An den Wänden leuchten Farbstreifen aus Phosphor im Dunkeln, was den Ort noch mysteriöser macht.
Ein einzigartiger Erinnerungsort
Die Entdeckung des Bunkers war ein Glücksfall, denn es gibt nur sehr wenige Fotos von Bremer Erdbunkern. Das macht die Dokumentation umso wertvoller. Der Bunker war ursprünglich für 100 Menschen ausgelegt und wurde von der Nachbarschaft genutzt, bis er 1943 nicht mehr beaufsichtigt wurde. Besonders die Zwangsarbeiter aus dem „Gemeinschaftslager Hohwisch“ suchten während der Luftangriffe Schutz in diesen kühlen, dunklen Wänden. Horst Massmann selbst erlebte den Krieg als Kind bei seinen Großeltern in Brockel, sein Elternhaus wurde 1942 bei einem Luftangriff zerstört. Deswegen hat dieser Ort für ihn eine immense Bedeutung – er möchte die Erfahrungen der vorherigen Generationen bewahren.
Aktuell finden immer wieder Führungen durch den Bunker statt. Gisela Zach, die Referentin des Schulmuseums, führt die Besucher durch ein historisches Klassenzimmer und erklärt die Geschichte des Raumes. Über 50 Erwachsene haben sich bei einer dieser Führungen versammelt und lauschen gebannt. Der Raum war früher einmal größer, als dort doppelt so viele Kinder Platz fanden. Nach dem Klassenzimmer geht es dann hinunter in den 73 Jahre alten Erdbunker, der bei den Erdarbeiten 1996 entdeckt und umfassend saniert wurde. Heute dient er als Gedenkort – ein Ort, an dem man innehalten und nachdenken kann.
Lebensraum in der Dunkelheit
Der Luftschutzbunker bot während des Krieges Platz für 200 Menschen. Bei der Führung wird es jedoch schnell eng – mit 50 Besuchern ist es schon recht voll. Rote Steine markieren die beeindruckenden, 40 cm dicken Innenmauern des Bunkers. Nur zwei von fünf Röhren sind beleuchtet, und die Dunkelheit hat etwas Gespenstisches. Gisela Zach erklärt, dass der Zweite Weltkrieg die Zivilbevölkerung stark einbezog. Ab 1933 gab es Bestimmungen für den Bau von „sicheren Kellern“, da man sich vor möglichen Gasangriffen fürchtete. Schüler wurden sogar als Luftschutzlotsen eingesetzt, um Ausrüstung in Kellern bereitzustellen.
Die Angst vor Bombenangriffen war allgegenwärtig. Menschen mussten oft über Tage im Bunker ausharren, bis die Sirenen Entwarnung gaben. In den engen Räumen wurden Pritschen für Bunkergepäck vorbereitet – Lebensmittelmarken, Papiere, Fotos, Essen und warme Kleidung fanden ihren Platz. Die massiven Drehverschlüsse der Luftklappen und die Gas-Schleuse erinnern daran, wie ernst die Lage damals war. Es ist erschütternd zu hören, dass der Zugang zu diesen Bunkern nur Menschen mit nachgewiesener „arischer Abstammung“ gewährt wurde. Ein dunkles Kapitel der Geschichte, das man nicht vergessen darf.
In Bremen wurden insgesamt 280 Erdbunker errichtet, und der, den die Besucher besichtigen, ist der 140. In der Östlichen Vorstadt gab es 23 Hochbunker, jeder für 300 Personen konzipiert. Diese Bunker waren oft mit meterdicken Wänden aus Stahlbeton ausgestattet. Nach dem Krieg fanden viele dieser Bunker andere Verwendungen oder stehen heute unter Denkmalschutz. Auch wenn die Zeit viele Wunden heilt, bleibt die Erinnerung an die Schrecken des Krieges lebendig. Der Erinnerungsort in Hastedt ist ein wertvoller Beitrag dazu, die Geschichte zu bewahren und sie den kommenden Generationen näherzubringen.
Wer mehr über diese bewegende Geschichte erfahren möchte, kann das Schulmuseum Bremen in der Auf der Hohwisch 61 – 63 besuchen. Die Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag und Freitag von 9 bis 14 Uhr, sowie Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 16 Uhr. Führungen und Aktionen sind nach Vereinbarung möglich. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall – nicht nur für Geschichtsinteressierte, sondern für alle, die ein Stück der Vergangenheit erleben möchten.
