In den letzten Wochen hat die A1 zwischen Stuhr und Brinkum bei vielen Verkehrsteilnehmern für ordentliches Chaos gesorgt. Nach einer besorgniserregenden Serie schwerer Unfälle haben die zuständigen Behörden nun beschlossen, neue Tempolimits einzuführen. So gilt ab sofort ein Tempolimit von 120 km/h in beiden Fahrtrichtungen zwischen dem Autobahndreieck Stuhr und der Anschlussstelle Brinkum. Und das ist noch nicht alles: Tagsüber, also zwischen 6 und 20 Uhr, müssen Autofahrer im Abschnitt von Wildeshausen-Nord bis Dreieck Stuhr sogar mit einem Tempolimit von 100 km/h rechnen. Vorher gab es dort keinerlei feste Geschwindigkeitsbeschränkung – ein Umstand, der wohl zur erhöhten Unfallgefahr beigetragen hat.
Die Polizei hat angekündigt, verstärkt Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Die Maßnahmen wurden nach einer außerplanmäßigen Sitzung der Verkehrsunfallkommission am 15. April beschlossen, an der mehrere Behörden und die Autobahn GmbH beteiligt waren. Das Ziel dieser neuen Regelungen ist klar: die Sicherheit auf diesem unfallträchtigen Abschnitt der A1 zu erhöhen. In diesem Jahr gab es bereits zwei Todesfälle und über ein Dutzend Verletzte auf der Strecke zwischen Groß Ippener, Stuhr und Brinkum. Hauptursache für die Unfälle ist die Baustelle an der A1-Weserbrücke zwischen Arsten und Hemelingen, die für erhebliche Rückstaus sorgt. Auch wenn Verkehrsbeeinflussungsanlagen und Stauwarnsysteme im Einsatz sind, kam es dennoch zu schweren Unfällen – offenbar wird oft einfach zu schnell gefahren.
Forderung nach mehr Sicherheit
Die Verkehrsunfallkommission hat angekündigt, die Entwicklung weiter zu beobachten und gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Es bleibt abzuwarten, ob diese neuen Tempolimits die erhoffte Wirkung zeigen. Schließlich ist jeder Unfall einer zu viel. Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2024 starben in Deutschland 2.770 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMV) verfolgt das ambitionierte Ziel der „Vision Zero“ – also keine Toten im Straßenverkehr. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das die Zusammenarbeit von Staat und Gesellschaft erfordert.
2021 wurde der „Pakt für Verkehrssicherheit“ ins Leben gerufen, um eine gemeinsame Strategie von Bund, Ländern, Gemeinden und anderen Partnern zu entwickeln. Es gibt bereits ein Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung für den Zeitraum von 2021 bis 2030, das den Beitrag des Bundes zu dieser Strategie beschreibt. Jährlich stellt das BMV etwa 15 Millionen Euro für Präventionsmaßnahmen zur Verfügung, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Hier könnte man vielleicht ansetzen und auch auf der A1 mit weiteren Maßnahmen für mehr Sicherheit sorgen – schließlich möchte niemand in einen Unfall verwickelt werden, der sich vielleicht durch ein wenig Geduld und Verantwortungsbewusstsein hätte vermeiden lassen.