Ein großer Verlust für die plattdeutsche Sprachgemeinschaft: Uwe Bokelmann, ein leidenschaftlicher Verfechter der plattdeutschen Sprache, ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Die Nachricht von seinem Tod hat viele in der Region Osterholz erschüttert. Geboren 1944, kam er im zarten Alter von zwei Jahren mit seiner Familie nach Hambergen-Heißenbüttel. Von seinem Großvater lernte er Plattdeutsch und sprach diese wunderbare Sprache von klein auf. In einer Zeit, in der Plattdeutsch oft als veraltet galt und von Lehrern abgelehnt wurde, kämpfte Bokelmann unermüdlich für den Erhalt seiner geliebten Mundart.
Sein Lebenswerk ist beeindruckend: Er schrieb vier Bücher mit plattdeutschen Geschichten und Versen, darunter „Kinners-Lüüd – Dat Dorp un umto“ und „Dwars dör’t Land“, beide erschienen im Jahr 2010. Auch die Neuerscheinung „Fief no twölf“ aus dem Jahr 2022 und sein posthum veröffentlichtes Werk „Besinnen und Smuustern“ aus dem Jahr 2024 zeugen von seiner Hingabe zur plattdeutschen Literatur. Bokelmann hielt Lesungen und organisierte Veranstaltungen, um die plattdeutsche Sprache zu fördern und lebendig zu halten.
Ein Leben für die Sprache
Die Region Wallhöfen und Vollersode kannte ihn nicht nur als Autor, sondern auch als Zahlmeister bei der Sparkasse in Wallhöfen, wo er von April 1967 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2002 tätig war. Seine Vielseitigkeit und sein Engagement machten ihn zu einer wichtigen Persönlichkeit im kulturellen Leben der Gegend. Immer wieder stellte er unter Beweis, wie wichtig ihm die plattdeutsche Sprache war. Es ist kaum zu fassen, wie viel Leidenschaft in seinen Projekten steckte.
Doch Bokelmann war nicht allein in seinem Bestreben. Plattdeutsch, die umgangssprachliche Bezeichnung für das Niederdeutsche, hat in Norddeutschland eine lange Geschichte. Viele „Plattsnacker“ leben in Niedersachsen, und eine Umfrage hat kürzlich gezeigt, dass über 58% der Befragten gut bis sehr gut Plattdeutsch sprechen können. Es gibt sogar sechs unterschiedliche Plattdüütsch-Dialekte. Historisch gesehen war Plattdeutsch zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert eine angesehene Schriftsprache, ehe sie mit dem Niedergang der Hanse an Bedeutung verlor. Trotzdem ist Plattdeutsch heute eine anerkannte Regionalsprache.
Die Zukunft der plattdeutschen Sprache
Das Bremer Institut für Niederdeutsche Sprache (INS) hat in einer Studie 2016 eine „existenzielle Bedrohung“ für die Regionalsprache festgestellt. Die Förderung und das Interesse junger Menschen sind entscheidend für den Erhalt dieser wertvollen Kultur. Projekte wie „Platt is cool“ und der Wettbewerb „Plattsounds“ tragen dazu bei, die Sprache bei der Jugend populär zu machen. Es gibt auch Schulen, die für ihren Einsatz für Niederdeutsch und Saterfriesisch ausgezeichnet werden. Doch wird es ausreichen? Die Zeit wird es zeigen.
Eine neue Stimme in der plattdeutschen Literatur ist Susanne Bliemel, die mit ihrem Werk „Dat wier de Nachtigall un nich de Uhl“ nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch Perspektivwechsel und menschliche Lebenssituationen thematisiert. Ihre Charaktere sind so lebendig wie das Plattdeutsch selbst; da steht Ricky stumm am Grill, während Heike heimlich verliebt ist. Diese Mischung aus Nachdenklichem, Anrührendem und Unterhaltsamem trifft genau den Nerv der Zeit.
Der Verlust von Uwe Bokelmann ist ein schmerzlicher Rückschlag, aber sein Erbe wird weiterleben. In den Geschichten und Versen, die er hinterlassen hat, spiegelt sich die Seele der plattdeutschen Sprache wider. Und genau das sollten wir alle bewahren und weitertragen, mit einem Schmunzeln und einem herzlichen „Moin!“.