In Bremen startet ein innovatives Pilotprojekt mit dem vielversprechenden Namen „Home“, das sich der psychischen Unterstützung von Geflüchteten widmet. Entwickelt wurde dieses Projekt vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Zusammenarbeit mit Refugio Bremen. Ziel ist es, den vielen Geflüchteten, die mit psychischen Belastungen kämpfen, einen besseren Zugang zu Hilfsangeboten zu ermöglichen. Denn nicht selten bringen diese Menschen ein schweres Gepäck aus Krisenregionen mit, das sie in Deutschland zusätzlich belastet.

Die Intervention basiert auf der WHO-Methode „Problem Management Plus“ (PM+), die in fünf Sitzungen von geschulten Gesundheitsmediatoren in der jeweiligen Muttersprache der Teilnehmer durchgeführt wird. Diese Ansätze sind besonders wichtig, da in Deutschland Therapieplätze rar sind und viele Geflüchtete aufgrund von Sprach- und Kulturbarrieren Schwierigkeiten haben, adäquate Hilfe zu finden. So ist es nicht verwunderlich, dass weltweit bis zu 80% der Menschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen keine angemessene Versorgung erhalten. Laut Schätzungen leiden etwa 30% der Geflüchteten an psychologischen Problemen, was bei rund 3 Millionen Geflüchteten über 900.000 Personen entspricht.

Ein wichtiger Schritt zur Integration

Das Projekt „Home“ hat das Ziel, die psychische Versorgung zu verbessern und die Integration von Geflüchteten zu unterstützen. Daniela Fuhr, die Projektleiterin, hebt hervor, wie wichtig präventive Maßnahmen sind. Viele Geflüchtete, die bereits in Deutschland leben, kämpfen mit zusätzlichen Belastungen wie Diskriminierung, unsicheren Zukunftsperspektiven und der Trennung von ihren Familien. Diese Faktoren können die Integration erheblich erschweren. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass bei Geflüchteten die Quote für Depressionen mindestens doppelt so hoch ist wie in der Gesamtbevölkerung.

Die erste Sitzung des Projekts dient dazu, die individuellen Belastungen der Teilnehmer zu verstehen, während sie in den folgenden Sitzungen Strategien zur Problemlösung entwickeln und Techniken zur Stressbewältigung erlernen. Ein zentrales Element ist der Fokus auf soziale Unterstützung und der Aufbau eines Netzwerks, welches für die Geflüchteten von enormer Bedeutung ist. Gesundheitsmediatoren, die die Muttersprache der Teilnehmer sprechen und deren kulturelle Hintergründe verstehen, spielen dabei eine Schlüsselrolle. Während des Projekts werden sie geschult und begleitet, um die Qualität der Unterstützung zu gewährleisten.

Herausforderungen im Gesundheitssystem

Trotz der vielversprechenden Ansätze gibt es erhebliche Herausforderungen. Auch wenn es in Deutschland 71 Psychosoziale Zentren für Flüchtlinge gibt, die kostenlose Angebote bereitstellen, ist der Zugang zu Therapieplätzen für viele Geflüchtete nach wie vor schwierig. Lange Wartezeiten und bürokratische Hürden bei der Finanzierung von Übersetzungen sind nur einige der Hürden, die es zu überwinden gilt. Selbst mit einer Krankenversicherung bleibt der Zugang zu Therapie oft versperrt, da in den ersten drei Jahren in Deutschland Asylsuchende nur im Notfall oder bei akuten Erkrankungen einen Arzt aufsuchen können.

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Zusätzlich zeigt eine nicht-repräsentative Studie aus 2024, dass lediglich 7% der geflüchteten Personen mit Behandlungsbedarf eine angemessene Psychotherapie erhalten. Die unzureichende Prävention bei psychischen Erkrankungen in Deutschland wird von Experten scharf kritisiert, da viele Erkrankungen nicht oder zu spät behandelt werden, was zu einer Chronifizierung führen kann.

Ausblick auf die Zukunft

In Anbetracht der Herausforderungen im Asylverfahren wird das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS), das am 12. Juni 2026 in Kraft treten soll, einen wichtigen Schritt darstellt. Ziel dieser Reform ist es, einheitliche und beschleunigte Regeln für Asylverfahren in allen EU-Mitgliedstaaten zu schaffen. Ein schnelles und faires Verfahren könnte dazu beitragen, die bestehenden Probleme zu minimieren und die humanitären Standards zu wahren.

Die Hoffnung ist, dass durch frühzeitige und niedrigschwellige Unterstützung, wie sie im Projekt „Home“ angeboten wird, intensivere Behandlungen in der Zukunft vermieden werden können. Denn die Integration der Geflüchteten in die Gesellschaft wird erheblich erleichtert, wenn die psychische Gesundheit gefördert wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse dieses Pilotprojekts in die bestehenden Systeme integriert werden und so die Lebensqualität vieler Menschen verbessert wird.