In Gröpelingen gibt es derzeit ein heiß diskutiertes Thema: Der Beirat hat beschlossen, das östliche Teilstück der Reitbrake in „An der Kriegsgräberstätte“ umzubenennen. Während das westliche Stück seinen alten Namen behält, ist diese Teilumbenennung ein Versuch, einen Kompromiss zu finden. Vor allem, um der Firma Nehlsen Industrieservice eine Adressänderung zu ersparen. Im Rahmen dieses Beschlusses wird auch eine konfliktfreie Umsetzung angestrebt. Das klingt ja erstmal nach einer vernünftigen Lösung, oder? Doch nicht alle sind begeistert.
Die Diskussion um die Umbenennung ist nicht neu. Schon seit mehreren Jahren gibt es den Wunsch, die Straße nach dem sogenannten „Russenfriedhof“ umzugestalten. Grabungen zwischen August 2021 und November 2022 haben in der Vergangenheit bereits einige Überreste von Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion und polnischen Zwangsarbeitern ans Licht gebracht. Der Kriegsgräberfriedhof wurde 1948 aufgelöst – 440 Verstorbene wurden umgebettet. Allerdings deuteten alte Dokumente darauf hin, dass diese Exhumierung nicht vollständig war. Bei den Grabungen wurden mindestens 65 weitere Überreste gefunden. Ein trauriges und sehr reales Kapitel der Geschichte, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.
Die Stimmen der Beiratsmitglieder
Beiratsmitglied Hanspeter Halle von den Grünen äußerte sich skeptisch und bezeichnete die Teilumbenennung als „absurd“. Martin Reinekehr von der SPD warnte sogar davor, dass dieser Namenswechsel einen Präzedenzfall schaffen könnte, der möglicherweise weitere Umbenennungen nach sich ziehen würde. Das klingt nach einer hitzigen Debatte, die noch lange nicht zu Ende ist. Die Beiratsvertreter betonen jedoch, wie wichtig es ist, die Geschichte für zukünftige Generationen zu bewahren.
Vielleicht wird im angrenzenden Klima-Wald-Park, der laut den Beiratsmitgliedern noch in diesem Spätsommer fertiggestellt werden soll, ein Gedenkort mit historischen Informationen entstehen. Das wäre eine schöne Geste, um den Opfern und ihrer Geschichte einen Platz zu geben. In der heutigen Zeit sind solche Orte von großer Bedeutung, um das Gedenken an die über 2,8 Millionen Kriegstoten, die in den über 830 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten verzeichnet sind, wachzuhalten.
Ein Platz zum Gedenken
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat sich zum Ziel gesetzt, den Opfern der Gewaltherrschaft ein würdiges Gedenken zu schaffen. Dazu gehört auch die Pflege von Kriegsgräberstätten und das Bemühen, viele kleine Grablagen, insbesondere aus dem Zweiten Weltkrieg, aufzulösen und in zentrale Gräberstätten umzubetten. Überall in Westeuropa findet man Grabkreuze oder Namentafeln, während in Polen und anderen ehemaligen Sowjetstaaten häufig Stele oder Namenbücher zur Namenskennzeichnung verwendet werden. Diese Unterschiede spiegeln die unterschiedlichen Geschichten und Kulturen wider, die mit den Opfern verbunden sind.
Das Gedenken an die Toten beider Weltkriege und die Opfer von Gewaltherrschaft ist auch für den Volksbund von zentraler Bedeutung. Es wird anerkannt, dass durch deutsche Politik und Kriegsführung während des Zweiten Weltkriegs unzählige Verbrechen begangen wurden. Dennoch verdient jeder Mensch, der im Krieg sein Leben verlor, Mitgefühl und Erinnerung. Ein jeder Tod im Krieg sollte als Mahnung zum Frieden dienen. Auch denjenigen, die Schuld auf sich geladen haben, steht das Anrecht auf ein Grab zu.
Wenn man darüber nachdenkt, wird einem bewusst, wie wichtig es ist, solche Themen auf die Tagesordnung zu setzen. Gedenken und Versöhnung sind nicht nur leere Worte – sie sind eine Verantwortung, die wir gegenüber den Opfern und unserer eigenen Geschichte tragen. Der Volksbund setzt sich für Verständigung und ein vereintes Europa ein, und das ist eine Botschaft, die auch in Gröpelingen gehört werden sollte.