Im Landkreis Osterholz hat die Zerstörungswut in Form von Vandalismus an Bushaltestellen in den letzten Monaten für viel Aufregung gesorgt. Im Januar diesen Jahres wurden dort insgesamt 39 Haltestellen beschädigt, was die Anwohner und die Kommunen auf eine harte Probe stellt. Besonders schlimm hat es die Künstlerkolonie Worpswede getroffen, wo 15 Haltestellen den Gewalttaten zum Opfer fielen. Ritterhude folgte mit 12 Fällen, Hambergen kam auf 8 und Osterholz-Scharmbeck auf 4. Ein echter Albtraum für die Bürgerinnen und Bürger!
Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen eingestellt, da der oder die Täter nicht ermittelt werden konnten. Das lässt die Anwohner mit den Schäden allein – und die Reparaturkosten müssen die Gemeinden tragen. Worpswede allein könnte auf Kosten von rund 20.000 Euro sitzen bleiben, denn der Austausch einer Scheibe schlägt mit 800 bis 1.000 Euro zu Buche. Die Frage des Bürgermeisters von Worpswede, ob man alle kaputten Scheiben ersetzen sollte, ist da mehr als berechtigt.
Vandalismus als weit verbreitetes Problem
Das Problem des Vandalismus ist nicht auf Osterholz beschränkt. In Hessen, wo ähnliche Vorfälle dokumentiert wurden, verursachen Schäden an Bus- und Bahnhaltestellen jährlich immense Kosten. Allein in Frankfurt belaufen sich die Ausgaben durch Vandalismus auf mehr als eine Million Euro pro Jahr! Kassel hat auch seinen eigenen Anteil an der Zerstörungswut, mit rund 200.000 Euro jährlich und etwa 700 registrierten Fällen im vergangenen Jahr. Es ist schon erstaunlich, wie viel Geld da zusammenkommt – und das alles nur wegen ein paar unruhigen Gemütern, die offensichtlich nichts Besseres zu tun haben.
Die Schäden reichen von Graffiti über Aufkleber bis hin zu eingeschlagenen Scheiben. Häufig treten diese Taten nachts und an wenig belebten Orten auf. Ein Teufelskreis, denn die unansehnlichen Haltestellen beeinträchtigen das Sicherheitsempfinden und das Wohlfühlen der Fahrgäste. Wenn die Scheiben nicht schnell ersetzt werden, drohen weitere Beschädigungen. Das ist ein bisschen wie der berühmte Schneeballeffekt – einmal angefangen, wird’s nur schlimmer.
Initiativen gegen Vandalismus
Um dem entgegenzuwirken, planen die Verkehrsgesellschaften, wie etwa die VGF in Frankfurt, Anti-Vandalismus-Kampagnen. Diese Kampagnen sollen auf die hohen Sachschäden aufmerksam machen und gleichzeitig das Bewusstsein der Fahrgäste schärfen. Vor zwei Jahren gab es bereits eine Plakat-Kampagne, die mit vergleichenden Botschaften zu Alltagsdingen auf sich aufmerksam machte. Es bleibt abzuwarten, ob solche Initiativen die gewünschte Wirkung zeigen.
In Darmstadt sind Straßenbahnhaltestellen besonders betroffen, vor allem die Fahrscheinautomaten und digitalen Anzeiger. Hier hat die HEAG mobilo Plexiglas verwendet, um Glasschäden zu reduzieren, was zwar kostengünstiger ist, aber dennoch jährlich Schäden von 50.000 bis 80.000 Euro verursacht. Zudem sind wichtige Knotenpunkte mit Kameras ausgestattet – allerdings dienen diese nur der Verkehrsüberwachung und nicht der Prävention von Vandalismus.
Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht in der Zerstörungswut oft einen Ausdruck von Langeweile und Frustration, besonders bei jungen Leuten, die sich an abgelegenen Haltestellen austoben. Sie fordern langfristige Lösungen und Angebote für diese Zielgruppe, um Vandalismus einfach mal einen Riegel vorzuschieben. Ein kluger Ansatz, denn wenn man den Ursachen auf den Grund geht, könnte man vielleicht auch die Taten an den Haltestellen reduzieren.
Das Problem ist also vielschichtig. Die Zerstörung öffentlicher Einrichtungen hat nicht nur finanzielle, sondern auch soziale Auswirkungen. Die Bürger müssen sich fragen, wie wertvoll ihnen ihre Infrastruktur ist und was sie selbst tun können, um diese zu schützen. Die Möglichkeit, Schäden rund um die Uhr zu melden – sei es unter der Telefonnummer oder über das Fahrpersonal – ist ein Anfang. Aber die Frage bleibt: Wie kann man die Menschen dazu bringen, ihre Umgebung zu schätzen und zu respektieren?