Heute ist der 9.06.2026 und in Osterholz, da gibt es etwas ganz Besonderes: Der Veteranentag steht vor der Tür! Am 14. Juni können wir uns von 11 bis 14 Uhr im Rathaus auf spannende Festansprachen und musikalische Umrahmung freuen. An diesem Tag wird es nicht nur um Feierlichkeiten gehen, sondern auch um den persönlichen Austausch – eine perfekte Gelegenheit, um den Geschichten unserer Soldaten Gehör zu schenken.
Eine dieser Geschichten gehört Olaf Hesse, einem Marineinfanteristen, der an vier Auslandseinsätzen der Bundeswehr teilnahm, unter anderem im Libanon und Afghanistan. Seine Erlebnisse sind geprägt von harten Einsätzen, die ihn bis heute verfolgen. Hesse leidet an einer anerkannten Einsatzschädigung, genauer gesagt an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die auf traumatische Erlebnisse zurückzuführen ist. Die Explosion einer Autobombe und der Tod eines Kindes, das er in den Armen hielt – das sind schmerzhafte Erinnerungen, die sich in sein Gedächtnis eingebrannt haben.
Ein Aufruf zur Wertschätzung
Olaf Hesse kritisiert, dass die seelischen Folgen der Einsätze von Anfang an nicht ausreichend beachtet wurden. Rückkehrende Soldaten mussten oft selbst ihren Weg finden, um mit ihren Erlebnissen klarzukommen. „Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für Soldaten in der Bevölkerung“, sagt er. Hesse wird zum 30. April 2026 nach 33 Dienstjahren im Rang eines Stabsbootsmanns in den Ruhestand versetzt. Aber das ist nicht alles – er hat sich auch für den Motorradklub „Soldiers Eyes“ engagiert und beteiligt sich am Veteranentalk, um offen über Einsätze und Erkrankungen zu sprechen.
Die Resonanz auf seine Erfahrungen ist durchwachsen. Hesse äußert seinen Schmerz über negative Reaktionen von Passanten, die ihm oft mit Beschimpfungen oder sogar Spuckattacken begegnen. Wie kann es sein, dass jemand, der für das Wohl seines Landes gekämpft hat, so behandelt wird? Das lässt einen wirklich nachdenken. Diese Fragen sind auch eng verbunden mit den Herausforderungen, die viele Veteranen erleben. Hunderte von ihnen, wie Robert Müller, ein Fallschirmjäger, kämpfen um die Anerkennung ihrer Einsatzschädigung. Müller erlebte im Kosovo und in Afghanistan traumatische Ereignisse, die bei ihm ebenfalls eine PTBS auslösten. Seine lange Odyssee bis zur finanziellen Unterstützung zeigt, wie kompliziert und langwierig der Prozess oft ist.
Ein System im Wandel
Ähnlich wie bei Hesse und Müller ergeht es vielen Veteranen. Der PTBS-Beauftragte der Bundeswehr, Peter Zimmermann, erkennt diese Lücken im Versorgungssystem, verteidigt jedoch die Fürsorglichkeit der Institution. Dennoch müssen 30% aller Anträge auf Anerkennung wegen psychischer Erkrankungen abgelehnt werden. Schätzungen zufolge haben seit 2011 fast 2.800 Soldaten PTBS entwickelt, doch nur ein Bruchteil erhält die notwendige Behandlung.
Die Bürokratie ist ein weiteres großes Thema. Verfahren zur Anerkennung psychischer Erkrankungen dauern im Durchschnitt 22 Monate und können sich über viele Jahre hinziehen, oft begleitet von Widersprüchen und Prozessen. Annika Schröder, eine Sanitäterin, beschreibt, wie sie erst nach 15 Jahren die Anerkennung ihrer PTBS als einsatzbedingt erhielt. Solche Geschichten sind kein Einzelfall, sie sind Teil eines größeren Problems, das die Bundeswehr seit Jahren beschäftigt.
Aber zurück zu Olaf Hesse. Trotz all dieser Herausforderungen sieht er den Veteranentag in Osterholz-Scharmbeck als wertvollen Anlass für Dialog und Wertschätzung. Auch wenn er aus privaten Gründen an einer anderen Veranstaltung teilnehmen wird, freut er sich über die Möglichkeit, dass andere die Gelegenheit nutzen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Vielleicht schaffen wir es ja, die Wertschätzung für unsere Soldaten in der Bevölkerung zu stärken – es wäre längst an der Zeit.
