Freizi in Gefahr: Kinder und Jugendliche kämpfen um ihre Zukunft
Am 11. Juni versammelten sich rund 20 engagierte Menschen mit bunten Transparenten vor dem Bremer Jugendausschuss, um auf die drängenden Probleme der offenen Kinder- und Jugendarbeit aufmerksam zu machen. Diese Einrichtungen, die unter dem liebevollen Kürzel „Freizi“ bekannt sind, bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, kostenlos und ohne Anmeldung einen Ort der Begegnung und Freizeitgestaltung zu finden. Doch die aktuelle Situation ist alles andere als rosig. Während die Kinder und Jugendlichen draußen warten, dürfen sie aufgrund von Brandschutzbestimmungen nicht ins Gebäude. Einige setzen sich auf den Boden, die Transparente in den Händen, um für den Erhalt des „Freizi Neustadt“ zu werben.
Ein leidenschaftlicher Aufruf zur Diskussion über die Neuaufstellung der offenen Kinder- und Jugendarbeit steht auf der Tagesordnung, doch es gibt ein Problem: Diese Punkte lassen sich nicht vorziehen. Die Stimmen der Kinder, die vor der Tür stehen, hallen ungehört wider. Janna Voss, eine Hauptamtliche eines Freizis, hebt hervor, dass Bremen nicht genug in die Qualität der offenen Kinder- und Jugendarbeit investiert, um die Standards flächendeckend zu gewährleisten. Immer mehr Einrichtungen fallen aus der institutionellen Förderung und werden stattdessen über Projektmittel finanziert, was die Schließungen befürchten lässt. In diesem Zusammenhang fordert die AG Offene Kinder- und Jugendarbeit Bremen mindestens acht Millionen Euro mehr – eine Summe, die den Unterschied zwischen Fortbestand und Schließung ausmachen könnte.
Die Stimmen der Betroffenen
Claudia Schilling, Bremer Senatorin für die SPD, hat die Wichtigkeit dieses Themas erkannt und kündigte an, dass es ab 2027 zusätzliche 1,5 Millionen Euro geben wird. Doch das reicht vielen nicht. Ein Vater fordert mutigere politische Entscheidungen und eine Umverteilung der Gelder. „Wir brauchen mehr als nur Versprechungen!“, ruft er in die Runde. Der Prozess zur Neuaufstellung der Kinder- und Jugendarbeit, der vor zwei Jahren begann, scheint noch immer in der Schwebe zu hängen. Dariush Hassanpour von der Linksjugend kritisiert die geringe Ausgabenquote für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Bremen und verweist auf die besorgniserregenden Rückgänge der Mittel, die seit 2020 um etwa zehn Millionen Euro gesenkt wurden.
Das UPS-Haus in Marßel, eine der am stärksten benachteiligten Gegenden Bremens, wird ebenfalls erwähnt. Täglich kommen hier etwa 30 Kinder und Jugendliche zusammen. Sie kochen gemeinsam, übernehmen Verantwortung und erleben soziale Interaktionen, die in vielen Fällen nicht daheim stattfinden können. Doch auch hier droht das Aus: Das UPS kostet jährlich 105.000 Euro und wird Ende des Jahres aus der institutionellen Förderung herausfallen. Das ist eine realistische Bedrohung für die Gemeinschaft, die sich dort gebildet hat.
Neue Herausforderungen ab 2027
Ein neues Finanzierungsmodell wird ab 2027 eingeführt. Das Budget wird von 11,5 Millionen Euro auf 13,9 Millionen Euro erhöht, doch viele Einrichtungen befürchten, dass sie dadurch nicht gerettet werden. Die Zuschüsse werden künftig anhand der Anzahl der Jugendlichen und eines Sozialindex berechnet, was bedeutet, dass die Verteilung der Mittel über die sechs Bremer Sozialzentren erfolgt und nicht mehr direkt nach Angeboten oder Stadtteilen. Es gibt neue Mindeststandards: Mindestens zwei Mitarbeiter müssen während der Öffnungszeiten anwesend sein, was die Frage aufwirft, ob die Mittel dafür ausreichen werden. Träger der Einrichtungen äußern Bedenken, dass das Budget nicht für die steigenden Kosten ausreicht und dass die Unsicherheit über zukünftige Finanzierungsentscheidungen zu Angebotskürzungen oder gar Schließungen führen könnte.
„Das ist einfach nicht genug!“, sagt Lilli Kubon, eine Nutzerin des Freizis in der Vahr, und kritisiert die Planungskonferenzen als „Alibikonferenzen“, bei denen die Jugendlichen nicht ernsthaft beteiligt wurden. Die Konferenzen fanden oft zu Zeiten statt, als viele in der Schule waren und die Teilnehmer*innen waren mehrheitlich weiß. Hier ist ein klarer Bedarf für eine verständlichere Sprache und mehr Einbindung der Betroffenen. Schließlich geht es um ihre Zukunft.
Petition für eine bessere Zukunft
Parallel zu diesen Entwicklungen hat eine Petition an den Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft an Bedeutung gewonnen. Ihr Ziel ist es, die bestehenden Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit ohne Schließungen oder Kürzungen zu erhalten. Die Forderungen richten sich klar an den Senat und die Bürgerschaft: langfristige und verlässliche Finanzierung, bedarfsgerechte Mittelverteilung und die aktive Einbindung der Kinder und Jugendlichen in Entscheidungsprozesse. Viele Einrichtungen berichten bereits von eingeschränkten Angeboten und Personalengpässen. Die Zukunft ist ungewiss und es gibt große Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.
Die breite Unterstützung für die Petition, die von verschiedenen Berufsgruppen und Bürgern kommt, zeigt, dass das Thema viele bewegt. Proteste und Engagement haben bis jetzt das drohende Aus von Angeboten abgewendet, doch die Finanzierungslücken für 2026 konnten zwar geschlossen werden, aber was passiert 2027? Eine zweite Petition wurde eingereicht, um die langfristige Finanzierung parlamentarisch zu begleiten. In Bremen ist es an der Zeit, die Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen und für eine faire und nachhaltige Finanzierung der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu kämpfen.
