Heute ist der 24. Mai 2026 und die Straßen Bremens sind, wie so oft, ein Ort lebhaften Treibens. Doch unter der Oberfläche brodelt ein ernstes Thema: die Verkehrssicherheit. In diesem Jahr sind bereits zwei Menschen bei tragischen Rechtsabbiegeunfällen mit Lkw ums Leben gekommen. Besonders schockierend war der Fall einer Frau, die Anfang Mai in Bremen-Walle starb. Solche Vorfälle werfen einen Schatten auf die Diskussionen in der Bürgerschaft, wo das Ziel „Vision Zero“ – also keine Verkehrstoten – immer prominenter wird.
Die Verkehrsunfallstatistik ist alarmierend: 2025 gab es in Bremen sieben Verkehrstote, 2024 waren es elf. Ein Lichtblick in dieser düsteren Bilanz sind die Abbiegeassistenten in Lkw, die darauf hinweisen, wenn sich jemand im toten Winkel befindet. Marcus Ballandis, ein Lkw-Fahrer aus Bremen, nutzt diese Technologie und berichtet von ihren Vorteilen. Für neue Busse und Lkw über 3,5 Tonnen sind Abbiegeassistenten seit 2024 sogar verpflichtend. Dennoch gibt es viele ältere Lkw, die diese technische Nachrüstung noch nicht erhalten haben.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) spricht sich klar für die Ausrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten aus. Carsten-Wilm Müller, ein ehemaliger Professor für Verkehrswesen, geht sogar noch weiter und fordert eine Nachrüstpflicht für alle Lkw. Nach der Einführung der Pflicht für neue Fahrzeuge ist die Zahl der Abbiegeunfälle tatsächlich zurückgegangen. Es ist also höchste Zeit, dass auch die älteren Modelle nachgerüstet werden, um die Sicherheit auf den Straßen weiter zu erhöhen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verkehrsführung in den Städten. Hier wird gefordert, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicht zwischen Radfahrern und Lkw-Fahrern zu verbessern. Auch Schulungen für Kinder sind geplant, um das Bewusstsein für Verkehrssicherheit zu schärfen. Der DSLV ist aktiv an Verkehrserziehungsprogrammen in Schulen und Kindergärten beteiligt, ein Schritt, der hoffentlich Früchte tragen wird.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Doch wie sieht es rechtlich aus? Die verpflichtende Ausrüstung von Abbiegeassistenten kann nicht einfach national geregelt werden, da hier das EU-Typgenehmigungsrecht gilt. Dieses schafft einen harmonisierten Rechtsrahmen für die Genehmigung neuer Fahrzeuge in der gesamten EU, um einen fairen Wettbewerb im Binnenmarkt zu gewährleisten. Im April 2017 wurde ein Vorschlag für verbindliche technische Anforderungen für Abbiegeassistenzsysteme bei der UNECE eingereicht und 2019 einstimmig angenommen. Die UN-Regelung Nummer 151 trat dann am 15. November 2019 völkerrechtlich in Kraft.
Deutschland hat sich bei der EU für eine Pflicht zur Ausrüstung mit Abbiegeassistenten stark gemacht. Diese Pflicht gilt seit dem 6. Juli 2022 für neue Fahrzeugtypen und ab dem 7. Juli 2024 für neue Fahrzeuge. Eine Herausforderung bleibt jedoch die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge. Hier hat Deutschland nationale Möglichkeiten genutzt, um die Verbreitung von Abbiegeassistenzsystemen zu fördern. Die „Aktion Abbiegeassistent“, die im Juli 2018 gestartet wurde, zielt darauf ab, die technische Verbreitung dieser Systeme zu beschleunigen.
Förderprogramme und technische Voraussetzungen
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat zudem ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das die freiwillige Aus- und Nachrüstung von Lkw und Bussen mit Abbiegeassistenzsystemen unterstützt. Anträge zur Förderung müssen beim Bundesamt für Logistik und Mobilität gestellt werden. Auf der Website des BMDV finden sich weitere Informationen zu diesem Programm.
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat bereits Allgemeine Betriebserlaubnisse (ABE) für zahlreiche Abbiegeassistenzsysteme erteilt. Diese Genehmigungen basieren auf technischen Anforderungen, die 2018 festgelegt wurden. Zu den genehmigten Systemen gehören unter anderem LUIS TURN DETECT, AAS-Wue und TurnCAM, um nur einige zu nennen. Es gibt auch Möglichkeiten, Abbiegeassistenzsysteme ohne ABE förderfähig zu machen, sofern ein Gutachten die Erfüllung der technischen Anforderungen bestätigt.
Es bleibt zu hoffen, dass all diese Maßnahmen und Diskussionen nicht nur Worte auf Papier sind, sondern tatsächlich zu mehr Sicherheit auf unseren Straßen führen. Die tragischen Unfälle der letzten Zeit sollten uns alle wachrütteln und zum Handeln anregen. Denn letztendlich geht es um Menschenleben – und die sollten uns allen am Herzen liegen.