In Bremen gibt es eine ganz besondere Initiative, die sich mit einem Thema beschäftigt, das viele Eltern und Lehrer beschäftigt: die Schulverweigerung. Die Familienklasse in Bremen hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Herausforderungen präventiv zu begegnen. Dabei steht die Zusammenarbeit mit Eltern oder anderen erziehungsrelevanten Personen im Mittelpunkt. Ein Projekt, das von Nina Krankenberg geleitet wird, einer erfahrenen Sozialpädagogin des Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrums (Rebuz) Süd. Seit 2015 hat sich die Familienklasse als echte Erfolgsstory etabliert, mit einer beeindruckenden Erfolgsquote von 90 Prozent bei der Bekämpfung von Schulmeidung.

Aktuell gibt es sieben solcher Familienklassen in Bremen, die von Multifamilientrainern des Rebuz geleitet werden. Eine davon befindet sich in der Grundschule Oderstraße, wo interessierte Familien wöchentliche Übungen zur Kommunikation und Interaktion durchführen. Das Besondere an diesem Ansatz: Die Kinder nehmen gemeinsam mit einem Elternteil oder einer anderen erziehungsrelevanten Person teil. Viele Schüler haben ganz unterschiedliche Gründe für ihre Schulunlust – seien es Ängste, aggressives Verhalten oder einfach die Weigerung, zur Schule zu gehen. Hier wird nicht nur präventiv gearbeitet, sondern auch der Austausch zwischen Lehrern und Eltern verbessert.

Ein Blick hinter die Kulissen der Familienklasse

Die Struktur der Familienklasse ist gut durchdacht. In der Regel läuft das Projekt über zwölf Wochen, wobei es bei Bedarf auch verlängert werden kann. Wöchentliche Ziele für die Kinder werden in Schülermappen festgehalten, die dann mit Belohnungen wie Glitzerpunkten oder Sternen für erreichte Ziele aufgewertet werden. Das klingt nicht nur motivierend, es sorgt auch für positive Rückmeldungen von den Teilnehmern, die von bemerkenswerten Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder berichten.

Die Familienklasse ist ein Modell der Multifamilientherapie, das vor fast 40 Jahren in England entwickelt wurde. Es ist ein innovativer Ansatz, der mehrere Familien gleichzeitig in Gruppen zusammenbringt – eine echte Chance, die Isolation und Stigmatisierung zu überwinden. In Bremen wird dieses Konzept seit 2015 in Grundschulen umgesetzt. Hierbei ist es wichtig, die Eltern mit sozial-emotionalem Förderbedarf ins „Schulboot“ zu holen. „Helfen Sie uns, ihrem Kind zu helfen“ – dieser Satz fördert die Teilnahme und das Engagement der Eltern.

Die Abläufe und Erfolge der Familienklasse

Ein typischer Tag in der Familienklasse ist abwechslungsreich und lehrreich. Nach Begrüßungs- und Namensspielen findet eine Wochenbilanz statt, in der die Kinder für ihre Zielerreichung belohnt werden. Es gibt Themenarbeit, Bewegungsspiele und auch Unterrichtseinheiten in Deutsch oder Mathematik. Gemeinsame Frühstücke bieten Raum für informelle Gespräche und fördern den Austausch unter den Familien. Im Abschlusskreis wird reflektiert – und hier sind die positiven Rückmeldungen der Eltern nicht zu überhören. Bei etwa 150 Familien, die seit Februar 2015 teilgenommen haben, sind Veränderungen im Verhalten der Schüler*innen deutlich spürbar. Viele Familien nehmen auch an weiteren Unterstützungsangeboten teil.

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Das Projekt zeigt, wie wichtig die Akzeptanz in der Schule und die spezifische Qualifikation in der Multifamilientherapie sind. Wenn Lehrer und Eltern gemeinsam an einem Strang ziehen, können sie eine wahrhaft positive Veränderung bewirken. Das Ziel ist klar: Familienklassen an jeder Grundschule zu etablieren, um noch mehr Kindern zu helfen.