In der Neustadt von Bremen brodelt es – und das nicht nur wegen der frischen Brise vom Deich. Der historische Deichschart, der seit Generationen als Übergang dient, soll laut Machbarkeitsstudie für eine Deichsanierung abgerissen werden. An seiner Stelle plant man, einen durchgezogenen Gründeich zu errichten. Während die Stadtverwaltung von einer sicheren und kostengünstigen Lösung spricht, sieht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) das Ganze ganz anders und schlägt Alarm.

ADFC-Geschäftsführer Sven Eckert äußert sich besorgt über die bevorstehenden Veränderungen. Radfahrer, Fußgänger und Menschen mit Behinderungen könnten durch die Schließung des Deichscharts in ihrer Mobilität stark benachteiligt werden. Die geplanten Alternativen, wie die Auffahrtssteigung von neun Prozent, seien schlichtweg unzumutbar – und eine barrierefreie Lösung sieht anders aus. Die Zufahrt über den Rosenpfad wird als kein gleichwertiger Ersatz angesehen. Wer also auf einen rollstuhlgerechten Zugang angewiesen ist, wird wohl auf eine unliebsame Hürde stoßen.

Konflikte am Deich?

Die Debatte um den Deichschart hat bereits jetzt zu Spannungen geführt. Der ADFC kritisiert, dass die Schließung als alternativlos dargestellt wird, obwohl in Woltmershausen neue Fluttore gebaut wurden. Das lässt die Frage aufkommen: Warum nicht auch hier? Und dann ist da noch die große Treppe gegenüber dem Rewe-Markt, die dringend in eine barrierefreie Rampe umgewandelt werden müsste. Doch selbst hier, so befürchtet man, könnten Konflikte zwischen Radfahrern, Rollstuhlfahrern und Fußgängern entstehen – eine heikle Lage.

Aber nicht nur die Neustadt steht vor Herausforderungen. Die Notwendigkeit zur Ertüchtigung von Hochwasserschutzanlagen ist ein deutschlandweites Thema. Im Jahr 1995 betrug die Gesamtlänge der Hochwasserdeiche und -schutzmauern in Deutschland etwa 7.500 Kilometer. Heute, nach zahlreichen Hochwasserereignissen und umfassenden Untersuchungen, ist diese Zahl deutlich gestiegen. Individuelle Konzepte, die auf Standort und Gefahrenpotenzial abgestimmt sind, sind dabei unerlässlich. So wird nicht nur auf den Schutz der Menschen geachtet, sondern auch auf ökologische und ökonomische Optimierung.

Die Machbarkeitsstudie zum neuen Gründeich am Neustädter Ufer zeigt, dass die Stadt Bremen auf den Hochwasserschutz setzt. Die Erneuerung ist notwendig, um der drohenden Gefahr aus dem Wasser zu begegnen. Doch wie so oft, bringt der Fortschritt auch Unannehmlichkeiten mit sich. Klar ist, der Dialog zwischen Stadtverwaltung und Bürgern muss intensiver werden, um eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist.

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