In der Neustadt von Bremen gibt es derzeit turbulente Entwicklungen rund um das sanierungsbedürftige Haus an der Kornstraße 155. Der Eigentümer sieht sich unter Druck der Stadt Bremen, das Gebäude entweder zu sanieren oder zu verkaufen. Ein Notartermin für den Verkauf ist bereits für den 13. Mai vereinbart. Sollte der Eigentümer dieser Pflicht nicht nachkommen, drohen ihm Zwangsmaßnahmen, ein Umstand, der die Situation zusätzlich verkompliziert.
Die Initiative „Korner gestalten“ hat Interesse am Erwerb des Hauses angemeldet, ist jedoch nicht die potenzielle Käuferin. Die Stadt hat dem Eigentümer eine Frist bis Ende April 2025 gesetzt, um nachzuweisen, dass das Haus verkauft wurde, um so Zwangsmaßnahmen zu vermeiden. Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus und Grund Bremen, vertritt die Interessen des Eigentümers in dieser heiklen Angelegenheit. Die Besetzung des Hauses durch Aktivisten der Gruppierung „Leerstand gestalten“ hat die Situation weiter angeheizt. Diese Besetzung dauerte etwa zwei Wochen und endete offiziell durch den Eingriff der Polizei.
Warten auf den Käufer
Der Verkauf des Hauses könnte bis zu drei Monate nach dem Notartermin in Anspruch nehmen, abhängig von der Bearbeitungszeit des Grundbuchamts. In der Zwischenzeit bleibt abzuwarten, wie die Stadt Bremen und der Eigentümer die Situation meistern werden. Ein diskreter Käufer wird angestrebt, um die Angelegenheit möglichst reibungslos abzuwickeln.
Doch das Problem des Leerstands ist nicht nur in Bremen akut. In Ostdeutschland stehen rund 530.000 Wohnungen leer, was 7,6 Prozent der Gesamtwohnungen entspricht. Auch in Westdeutschland sind durchschnittlich 4 Prozent der 1,35 Millionen Wohnungen unbewohnt. Trotz des Flüchtlingsstroms in den Jahren 2015/16 konnte der Leerstand nicht signifikant verringert werden. Die Bundesbauministerin Klara Geywitz stellte kürzlich eine Handlungsstrategie gegen Leerstand vor, die diverse Förderprogramme zur Sanierung und zum Neubau von Wohngebäuden umfasst.
Strategien gegen den Leerstand
Besondere Aufmerksamkeit gilt den ländlichen Regionen, wo der Erhalt des Bestandes und die Innenentwicklung gefördert werden sollen. Ein innovatives Förderprogramm mit dem Titel „Jung kauft Alt“ unterstützt Familien beim Erwerb und der energetischen Sanierung von Wohngebäuden. Bis Ende 2024 gab es bereits 223 Förderzusagen für dieses Programm und 4.853 für die Wohneigentumsförderung. Zudem zielt das Sofortprogramm Leerstandsabbau darauf ab, bis Ende 2026 insgesamt 5.000 Wohnungen wieder bewohnbar zu machen.
In Bremen und darüber hinaus gibt es also zahlreiche Ansätze und Strategien, um dem Leerstand entgegenzuwirken. Die Entwicklungen rund um das Haus an der Kornstraße 155 könnten somit nicht nur für die Neustadt, sondern für die gesamte Stadt Bremen wegweisend sein. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Eigentümer den Druck der Stadt Bremen auf kreative Weise umschiffen kann oder ob Zwangsmaßnahmen tatsächlich notwendig werden.