In der bunten, dynamischen Welt der Energieversorgung brodelt es gewaltig. Vor wenigen Tagen hat Christoph Müller, der Vorstandschef des Netzbetreibers Amprion, auf einer Konferenz in Berlin eindringliche Warnungen ausgesprochen. Ohne eine Abkehr vom Kohleausstieg könnte Deutschland ab 2030 vor massiven Versorgungslücken stehen. Und das, während die letzten Kernkraftwerke im Jahr 2023 vom Netz genommen wurden. Wer hätte gedacht, dass wir eines Tages so auf die Kohle schielen würden? Müller geht sogar so weit zu sagen, dass der Strombedarf bis 2035 von derzeit 550 Terawattstunden auf satte 725 Terawattstunden ansteigen könnte. Um das mal in Perspektive zu setzen: Elektromobilität, Wärmepumpen und nicht zuletzt die stromhungrigen Rechenzentren treiben diese Entwicklung voran.

Doch die Realität sieht düster aus. In Phasen schwacher Wind- und Solareinspeisung droht eine Versorgungslücke von bis zu 24 Gigawatt. Das klingt nicht nur nach einem technischen Problem, es ist ein echtes Dilemma! Laut Amprions Systemanalyse können die Zuverlässigkeitsstandards ohne neue Gaskraftwerke ab 2030 nicht eingehalten werden. Was bleibt uns also übrig? Müller fordert, dass die Bundesnetzagentur sich intensiver mit der Erzeugungskapazität auseinandersetzt. Aktuell umfasst der Reservepark für Notfälle 8,8 Gigawatt – davon drei Viertel Steinkohle. Das ist, gelinde gesagt, nicht gerade eine zukunftssichere Strategie. Und die Bundesregierung? Sie hat einen Kapazitätsmarkt beschlossen, um Betreiber für die Bereitstellung von Leistung zu entlohnen.

Der Weg zur Energiewende

Im Zuge der Energiewende sollen binnen eines Jahres 11 Gigawatt steuerbare Kapazitäten ausgeschrieben werden. Die ersten Auktionen über 9 Gigawatt starten am 1. September und 8. Dezember. Diese Anlagen sollen bis 2031 ans Netz gehen, finanziert über eine Umlage auf die Stromrechnungen. Na, da wird der ein oder andere sicher schlucken müssen – externe Berechnungen sprechen von Mehrkosten von bis zu 178 Euro pro Jahr für Privathaushalte. Das Bundeskartellamt hat bereits kritisiert, dass Batteriespeicher von der Förderung ausgeschlossen sind. Ein echtes Trauerspiel!

Und währenddessen wird die Frage nach den geplanten Gaskraftwerken lauter – sie sollen „H2-ready“ sein und ab 2045 klimaneutral laufen. Aber, und das ist ein großes Aber: Energiestaatssekretär Frank Wetzel gibt zu, dass kaum wasserstofffähige Kraftwerke gebaut werden. Was bleibt uns da? Die Bundestagsabgeordneten müssen sich schütteln, denn die Klimaschäden eines 500-MW-Gaskraftwerks könnten bis zu 7 Milliarden Euro betragen! Da fragt man sich doch, wie viel Zeit wir noch haben, bis wir in die nächste Krise schlittern.

Die Zahlen sprechen für sich

Aktuell hat Deutschland die höchste installierte Kraftwerksleistung in Europa. Rund 252 Gigawatt an Erzeugungs- und Speicherkapazitäten stehen zur Verfügung. Und dennoch – im Jahr 2024 betrug der Bruttostromverbrauch rund 516 Terawattstunden. Die Bundesregierung plant, neue steuerbare Kapazitäten wie Kraftwerke auszuschreiben und hat bereits Optionen für ein zukünftiges Strommarktdesign veröffentlicht. Ein neuer Kapazitätsmarkt soll ab 2031 für flexible Stromkapazitäten sorgen. Man könnte fast meinen, die Verantwortlichen sind auf der Suche nach dem Heiligen Gral der Energieversorgung!

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die großen Übertragungsleitungen in Deutschland haben eine Gesamtlänge von etwa 37.000 Kilometern. Netzbetreiber müssen in den nächsten Jahren über 18.000 Kilometer im Übertragungsnetz optimieren, verstärken oder neu ausbauen. Die Entbürokratisierung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorangetrieben – ein Lichtblick in dieser verworrenen Thematik. Die Herausforderungen sind jedoch weiterhin groß, insbesondere wenn man bedenkt, dass Deutschland 2024 rund 80 TWh Strom importiert hat und damit Stromnettoimporteur war. Komischerweise importieren wir Strom, wenn er im Ausland günstiger ist.

Ein Gesetz mit weitreichenden Folgen

Die Bundesregierung hat nun einen Entwurf für ein „Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz“ beschlossen. Ziel ist es, eine stabile Stromversorgung auch mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien und dem Kohleausstieg bis 2038 zu gewährleisten. Doch die Frage bleibt: Wie gelingt uns dieser Balanceakt? Der Kapazitätsmarkt wird Anbieter für die Bereithaltung von Leistung entlohnen, nicht nur für abgenommenen Strom. Verpflichtungen für die Anbieter beinhalten den Nachweis der zugesicherten Leistung und die fristgerechte Errichtung von Neuanlagen. Ein Resilienzkriterium wird etabliert: Langzeitkapazitäten müssen überwiegend im Europäischen Wirtschaftsraum gefertigt werden.

Das Ziel ist ambitioniert: Erneuerbare Energien sollen bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Doch dafür braucht es zusätzliche Kapazitäten, um Dunkelflauten auszugleichen – Zeiten, in denen Wind und Sonne nicht liefern. Aktuell sorgen Kohlekraftwerke dafür, dass wir nicht im Dunkeln sitzen. Doch der Kohleausstieg rückt näher, und die Zeit drängt. Alle geförderten Kraftwerke müssen ab 2045 klimaneutral sein. Ein gewaltiger Schritt, aber wie schnell können wir das schaffen? Das bleibt die große Frage.