Heute ist der 30.04.2026. In Bremen wird die Diskussion um die Taubenpopulation immer intensiver. Anwohner und Taubengegner fordern strikte Fütterverbote, insbesondere in den Stadtteilen Walle, an der Sankt-Jürgen-Straße und am Berliner Platz. Diese Forderungen sind jedoch nicht unumstritten. Stadtteilpolitiker betonen die Notwendigkeit eines umfassenden Gesamtkonzepts, das auch betreute Taubenhäuser umfasst, um die Situation der Stadttauben nachhaltig zu verbessern.
Der Verein Bremer Taubenhaus und Stadttauben Bremen argumentiert, dass die Fütterung der Tauben nur bedingt Einfluss auf ihre Population hat. Tatsächlich brüten Tauben etwa sieben bis acht Mal im Jahr, und während die Fütterung keinen Einfluss auf die Brutrate hat, überleben mehr Küken, wenn die Tauben gefüttert werden. Experten warnen davor, dass das Verbot der Fütterung nicht die erhoffte Reduzierung der Taubenpopulation bringt, sondern eher zu einer Verelendung der Tiere führt. Diese Erkenntnisse werden durch ein Gutachten von Dr. iur. Christian Arleth und Dr. med. vet. Jens Hübel unterstützt, das besagt, dass Kommunen verpflichtet sind, sich um die Tiere zu kümmern und Fütterungsverbote nicht durchsetzen dürfen.
Ein Konzept für die Zukunft
Um den Tauben in Bremen ein besseres Leben zu ermöglichen, wurde ein Umgewöhnungskonzept entwickelt. Dieses sieht vor, Taubenhäuser einzurichten, in denen die Eier gegen Gipsattrappen getauscht werden. Geduld ist gefragt, denn die Tauben müssen langsam an diese neuen Gegebenheiten gewöhnt werden. Seit 2024 gibt es bereits ein erfolgreiches Taubenhaus auf dem Parkhaus Am Brill, und es sind drei weitere Taubenhäuser geplant – eines auf dem Parkhaus Am Brill und zwei am Katharinenklosterhof. Die Finanzierung erfolgt teilweise durch das Umweltressort, das einen halben Minijob pro Taubenhaus bereitstellt.
Ehrenamtliche Helfer unterstützen bereits bei der Betreuung der Taubenhäuser. Ein Fütterverbot kann nur dort durchgesetzt werden, wo es auch Taubenhäuser gibt. In der Innenstadt wurde ein kleines Fütterverbot in einem bestimmten Bereich implementiert, während bis Ende 2025 das Füttern per Ausnahmegenehmigung des Innenressorts überall erlaubt war. Die Situation ist komplex, denn die Stadttauben sind verwilderte Haustauben, die auf menschliche Versorgung angewiesen sind. Fütterung soll an ausgewiesenen Stellen erfolgen, damit sich die Tauben an die Taubenhäuser gewöhnen können.
Herausforderungen für das Wohl der Tauben
Tierschützer sind sich einig, dass es keine Option ist, die Tiere verhungern zu lassen. Die Schätzung des Tierschutzbeirats Niedersachsen besagt, dass die Lebenserwartung mangelernährter Stadttauben nur zwei bis drei Jahre beträgt, während unter gesunden Bedingungen bis zu 15 Jahre möglich sind. Die genetischen Unterschiede zwischen Stadttauben und beringten Haustauben sind nicht existent, was die Notwendigkeit für ein verantwortungsvolles Management der Taubenpopulation unterstreicht.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen und die tierethischen Überlegungen sind entscheidend für die zukünftige Handhabung der Tauben in Bremen. Die Stadt steht vor der Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Tiere und den Wünschen der Anwohner zu finden. Ein gutes Konzept könnte nicht nur die Lebensqualität der Stadttauben verbessern, sondern auch zu einem harmonischeren Miteinander in der Stadt beitragen.