In Findorff, einem charmanten Stadtteil von Bremen, blüht eine ganz besondere Leidenschaft: Hobby Horsing. Claudia Herbst, 46 Jahre alt und seit 2023 in diesem aufregenden Sport aktiv, hat kürzlich bei der Deutschen Meisterschaft im Stilspringen über 50 Zentimeter die Bronze-Medaille errungen. Ein bemerkenswerter Erfolg, der zeigt, dass in dieser Sportart, die ihren Ursprung in Finnland hat, auch in Deutschland ernsthaft um Medaillen gekämpft wird.

Die Atmosphäre beim Turnier war laut Herbst durchweg freundlich, und das ist in der heutigen Zeit, wo Hass und Vorurteile gegen den Sport, besonders gegenüber jungen Frauen und Mädchen, immer wieder aufkeimen, eine wahre Wohltat. Der Deutsche Hobby Horsing Verband hat mittlerweile über 10.500 Mitglieder, vor allem Mädchen und Frauen, die sich leidenschaftlich für diese Sportart einsetzen. Man könnte fast sagen, dass Hobby Horsing eine Art Gemeinschaftsgefühl erzeugt, das vielen Aktiven Halt gibt – trotz der teils negativen Reaktionen aus der Gesellschaft.

Eine neue Sportart erobert Deutschland

Hobby Horsing hat sich in den letzten Jahren in Deutschland etabliert. Über 9.500 aktive Reiter und rund 350 Vereine sind bereits in diesem bunten Sport organisiert. Dabei geht es nicht nur ums Stilspringen, sondern auch um Disziplinen wie Dressur, Wettreiten und sogar Hürdenspringen – wo der Weltrekord bei beeindruckenden 1,52 Metern liegt. Claudia Herbst hat sich auf 80 Zentimeter hochgekämpft und zeigt damit, dass jeder Schritt zählt.

Die Steckenpferde, die für diese Disziplinen verwendet werden, sind echte Unikate und kosten bis zu 200 Euro. Herbst hat mehr als ein Dutzend dieser besonderen „Reittiere“ in ihrer Sammlung. Sie trainiert regelmäßig im Jan-Reiners-Park, wo der Wind durch die Bäume weht und das Lachen und die Freude der Kinder zu hören sind, die mit ihren Steckenpferden durch die Gegend sausen.

Die Herausforderungen sind nicht nur sportlicher Natur. Die Aktiven müssen viel Körperspannung aufbringen und kontrollierte Bewegungen ausführen, um bei Wettkämpfen zu brillieren. Doch leider sind sie auch oft mit Hass und Häme konfrontiert. Die Pionierin Nele Nöhrbaß, die in der Szene sehr bekannt ist, hat über 50.000 Follower auf YouTube. Sie hat sich eine Strategie zurechtgelegt, um mit den negativen Kommentaren umzugehen. „Sollen die ihr Ding machen, ich mach‘ mein Ding. So einfach ist das“, sagt sie und zeigt damit eine bewundernswerte Stärke.

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Der Kampf gegen Vorurteile

Es ist nicht leicht, in einer Sportart, die vor allem von Frauen betrieben wird, gegen Vorurteile und negative Kommentare anzukämpfen. Psychotherapeut Andy Sharifatpour erklärt, dass dieser Hass oft auf die Weichheit und Weiblichkeit des Sports zurückzuführen ist. Viele Betroffene, wie auch die talentierte Ida Charlotte Tremp, müssen lernen, damit umzugehen. Sie ignoriert die Kommentare, während andere, wie Nöhrbaß, einen Ordner mit beleidigenden Screenshots führen – eine Art digitales Tagebuch der Hater.

Doch trotz all dieser Widrigkeiten blüht die Hobby Horsing Community. Sie bietet den Aktiven nicht nur einen Raum für sportliche Betätigung, sondern auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und Unterstützung. Und das ist wertvoller als jede Medaille. Die positiven Aspekte des Sports überwiegen, und die Begeisterung dafür wächst, mit über 150 Ausschreibungen für Turniere in Deutschland im Jahr 2024. Es ist eine kostengünstige und zugängliche Möglichkeit für Kinder, sich sportlich zu betätigen und kreativ zu sein.

Hobby Horsing, mit seinen Wurzeln in Finnland, ist mehr als nur ein Trend – es ist eine Bewegung, die Mädchen und Frauen dazu ermutigt, ihre Träume zu verwirklichen und sich gegen die Widrigkeiten zu behaupten. Und wenn wir an einem warmen Sommernachmittag im Jan-Reiners-Park vorbeischlendern, hören wir das fröhliche Lachen und die aufgeregten Rufe der jungen Reiterinnen, die mit ihren Steckenpferden durch die Gegend tollen. Ein Bild voller Lebensfreude, das zeigt, dass hier nicht nur ein Sport betrieben wird, sondern eine Gemeinschaft gelebt wird.