Kiosk unter Beschuss: Wie Überfälle die Sicherheit in Bremen bedrohen
Ein schockierender Vorfall hat am Sonntagabend in Findorff die Gemüter erhitzt. Wahid Ghassemi, der Betreiber eines Kiosks am Utbremer Ring, wurde während seiner Abendschicht überfallen. Mit einer Pistole bedrohte der Täter ihn und forderte Geld. Ghassemi, mutig wie er war, weigerte sich – und das hatte fatale Folgen. Der Überfall dauerte nur wenige Minuten, doch die Gewalt des Täters, der ihn mit der Waffe schlug, wird Ghassemi und seine Frau noch lange verfolgen. Glücklicherweise blieb der finanzielle Schaden aus, doch die psychischen Narben sind nicht zu unterschätzen.
Ghassemi ist nicht allein. Auch seine Kioskinhaber-Kollegen, wie Jawad Alizadeh, berichten von einer tiefen Angst, die sich nach solchen Vorfällen in die Seele frisst. Kioske sind in Bremen häufige Ziele für Überfälle, nicht zuletzt weil sie oft lange geöffnet sind und Bargeld vorhalten. Die Polizei Bremen hat in den letzten Monaten eine besorgniserregende Zunahme von ähnlichen Überfällen registriert. Die Gesamtzahl der Raubdelikte ist zwar gesunken, aber die Kioskbetreiber fühlen sich immer unsicherer. Andreas Braut, ebenfalls Kioskbetreiber, schildert, wie häufig er in der Vergangenheit Überfälle erlebt hat. Die psychischen Folgen sind erdrückend.
Sicherheitsvorkehrungen und Empfehlungen
Umso wichtiger ist es, dass Kioskinhaber Sicherheitsvorkehrungen treffen. Braut hat bereits Kameras installiert und die Bargeldbestände minimiert. Die Polizei empfiehlt, dass Kioskbetreiber durchdachte Sicherheitskonzepte entwickeln. Technische Sicherungen, geschulte Mitarbeiter und das Kennenlernen von Notfallplänen sind unerlässlich, um das Risiko zu verringern. Im Ernstfall sollten Betroffene keine Gegenwehr leisten und den Anweisungen des Täters folgen. Einfach nur mit dem Kopf durch die Wand, das kann fatale Folgen haben.
Doch wie können Kioskbetreiber sich noch besser schützen? Betriebsinterne Maßnahmen sind ein Schlüssel zu mehr Sicherheit. Der Zugang zum Kiosk ist besonders kritischer Bereich; Eingänge sollten gut beleuchtet und, wenn möglich, in belebte Straßen gerichtet sein. Wer nachts arbeitet, sollte nicht alleine gehen. Technische Sicherheitseinrichtungen wie Türspione und Kameras helfen, ungebetene Gäste frühzeitig zu identifizieren. Zudem sollte man den nächsten Alarmknopf kennen – und zwar so, dass er im Notfall schnell erreichbar ist. Bargeld sollte ab einem festgelegten Höchstbetrag abgeschöpft werden, um das Risiko eines Überfalls zu minimieren. So bleibt der Kiosk nicht nur ein Ort des Verkaufs, sondern auch ein sicherer Rückzugsort.
Neue Vorschriften zur Überfallprävention
In diesem Kontext ist es wichtig, auf die neuen Unfallverhütungsvorschriften (UVV) hinzuweisen, die voraussichtlich am 1. September in Kraft treten. Diese Vorschriften ersetzen die bisherigen Regelungen und umfassen nun auch Verkaufsstellen, vom Kiosk bis hin zu Großhandelsmärkten. Die neue UVV gibt Unternehmen mehr Freiheit bei der Umsetzung ihrer Sicherheitskonzepte. Doch gleichzeitig verpflichtet sie zu regelmäßigen Unterweisungen zur Überfallprävention. Halbjährliche Schulungen sind nun Pflicht, was das Bewusstsein für Sicherheit am Arbeitsplatz erhöhen soll. Schließlich ist die Zahl der Raubüberfälle auf Verkaufsstellen höher als die auf Geldinstitute – ein alarmierender Trend, der nicht ignoriert werden kann.
Im Jahr 2020 wurden allein in der Kategorie „Sonstige Kassenräume und Geschäfte“ 2.177 Raubüberfälle registriert. Die Gesamtschäden durch diese Überfälle belaufen sich auf über fünf Millionen Euro. Kioskbetreiber sind also gut beraten, sich über die neuen Vorschriften zu informieren und ihre Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Schließlich sind sie es, die am Ende die Last tragen. Und wo Licht ist, da sollte auch Schatten sein – in diesem Fall in Form von Sicherheitsmaßnahmen, die das Risiko verringern und eine gewisse Sicherheit bieten. Es ist an der Zeit, dass die Gemeinschaft zusammensteht, um Kioskbetreiber zu unterstützen und ihnen den Rücken zu stärken.
