In Bremen-Gröpelingen brodelt es gewaltig. Die Pläne für eine neue Bahnwerkstatt an der Reitbrake haben die Gemüter der Anwohner und der Bürgerinitiative Oslebshausen ordentlich erhitzt. Hier, wo einst sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter beerdigt wurden, stehen nicht nur die Gleise auf dem Spiel, sondern auch das Gedenken an die Vergangenheit. Alstom, der Zughersteller, hat den Zuschlag für den Bau bis 2024 erhalten und sieht sich nun mit einem Sturm der Entrüstung konfrontiert.

Die Anwohner sind aufgebracht. Sie haben gegen die Lärmbelästigung geklagt und betrachten die Entscheidung des Bremer Oberverwaltungsgerichts als Teilsieg. Immerhin hat Alstom sich verpflichtet, eine zusätzliche Lärmschutzwand von etwa 300 Metern zu errichten. Doch das beruhigt die Gemüter nicht vollständig, denn die Sorgen um den Zwangsarbeiterfriedhof bleiben. Hier soll ein geschützter Ort des Gedenkens entstehen, und Alstom hat zugesagt, 20.000 Euro bereitzustellen, wenn die Stadt ein entsprechendes Konzept vorlegt.

Ein Schatten der Vergangenheit

Die Diskussion um die Bahnwerkstatt wird von der Geschichte des Standortes überschattet. Professor Konrad Elmshäuser vom Staatsarchiv Bremen berichtet, dass die Gräber 1946 inspiziert und später mit Sand überspült wurden. Eine geplante Einrichtung eines Ehrenfriedhofs im Jahr 1947 wurde nie umgesetzt. Viele der Toten konnten nicht exhumiert werden, was die Bürgerinitiative und das Bremer Friedensforum zu der Forderung bringt, die Geschichte des Gräberfelds umfassend aufzuarbeiten. „Dieser Ort ist eine Kriegsgräberstätte nach internationalen Abkommen“, so die Argumentation der Initiatoren. Ein würdiger Platz zur Erinnerung ist dringend notwendig.

Die politische Meinung ist gespalten. Während die Linken und der Gröpelinger SPD-Beirat sich gegen den Standort Oslebshausen aussprechen, gibt es auch Stimmen, die für den Bau der Werkstatt plädieren. Die Hafenbetriebe haben sich mit der Freien Hansestadt Bremen darauf geeinigt, die Klage zurückzuziehen, sofern Bremen die Schienenanbindung sichert. Ein Vergleich soll bis zum 1. September wirksam werden, ansonsten wird das Oberverwaltungsgericht entscheiden. Ein gewisses Hin und Her, das die Anwohner nicht einfach hinnehmen möchten.

Schutz vor Lärm und eine bessere Lebensqualität

Die Stadt Bremen steht vor der Herausforderung, sowohl den Lärmschutz als auch das Gedenken zu vereinen. Lärmaktionspläne, wie sie vom Umweltbundesamt ausgearbeitet werden, sollen helfen, die Lebensqualität in lärmbelasteten Gebieten zu verbessern und die Menschen zu schützen. Doch die Wirksamkeit solcher Maßnahmen variiert und ist nicht immer einfach umzusetzen. Die Anwohner in Oslebshausen haben ein Recht auf eine ruhige Umgebung, und hier ist die Stadt gefordert, aktiv zu werden.

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Ob die geplante Bahnwerkstatt an der Reitbrake der richtige Schritt ist, bleibt fraglich. Die Bürgerinitiative schlägt vor, die Werkstatt an einem alternativen Standort, etwa der Oldenburger Kurve, zu errichten. So könnte man sowohl der Geschichte gerecht werden als auch den Bedürfnissen der Anwohner. Die Diskussion ist eröffnet, und die nächsten Schritte müssen wohlüberlegt sein. Ein Kompromiss, der alle Beteiligten zufriedenstellt, scheint dringend notwendig zu sein – denn zu viel steht auf dem Spiel.