Heute ist der 25. Mai 2026, und in Bremen – speziell hier in Gröpelingen – stehen die Zeichen auf Veränderung. Wer schon einmal in einer Notaufnahme gewartet hat, kennt das Gefühl: Die Zeit zieht sich, die Nerven liegen blank und das Warten kann schon mal zur Geduldsprobe werden. Das Diako-Krankenhaus hat nun ein neues System zur Ersteinschätzung eingeführt, um dem Überfüllungsproblem der Notaufnahme besser Herr zu werden. Es hört auf den Namen „Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren“ oder kurz SmED. Klingt komplex, ist es aber nicht – zumindest nicht im Grunde. Es geht darum, dringende Fälle besser zu filtern und die Patientenströme zu steuern. Ein kleiner Lichtblick!
Die Überlastung der Notaufnahme ist in Bremen an der Tagesordnung. Mit einem jährlichen Zuwachs von 10 % an Patienten rechnet das Diako-Krankenhaus für 2026, was bedeutet, dass etwa 40.000 Menschen die Notaufnahme aufsuchen werden – ein Anstieg im Vergleich zu 35.000 im Vorjahr. Laut einer Erhebung aus 2024 könnten zwei Drittel dieser Patienten auch in einer Arztpraxis behandelt werden. Doch hier kommt die Crux: In einigen Stadtteilen, wie zum Beispiel im Bremer Westen oder in Gröpelingen, ist die hausärztliche Versorgung nicht gerade üppig. Viele wissen oft gar nicht, wie das deutsche Hausarztsystem funktioniert. Das führt dazu, dass sie sich in der Notaufnahme einfinden, wo sie vielleicht gar nicht hingehören.
Ein neues Verfahren für schnelle Hilfe
Mit dem SmED-System beginnt die Ersteinschätzung der Patienten mit einer Abfrage sogenannter „Red Flags“ – das sind Hinweise auf lebensbedrohliche Zustände. Der Lkw-Fahrer mit den Bauchschmerzen, der sofortige Hilfe benötigt, wird in diesem Verfahren schnell identifiziert und entsprechend behandelt. Patienten, die in einer Praxis besser aufgehoben sind, werden ins Medizinische Versorgungszentrum des Diako weitergeleitet. Es ist ein Schritt, der nicht nur die Notaufnahme entlasten soll, sondern auch dazu beiträgt, dass Patienten schneller die richtige Hilfe erhalten.
Das System, das seit Anfang April 2026 im Testbetrieb läuft, hat bereits positive Erfahrungen am Bremer St. Joseph-Stift gesammelt. Doch wie bei jeder Neuerung gibt es auch hier eine gewisse Unsicherheit: Kann SmED das Problem der Überfüllung tatsächlich vollständig lösen? Die Einführung eines Ersteinschätzungsverfahrens ist nicht nur eine Entscheidung des Diako, sondern auch eine Vorgabe des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der bereits 2023 die Notwendigkeit eines standardisierten Verfahrens festgelegt hat. Der G-BA-Beschluss sieht vor, dass Krankenhäuser Übergangsfristen erhalten, um ihr Personal weiterzubilden und digitale Systeme zu implementieren.
Die Dringlichkeitsgruppen im Überblick
Ein zentraler Bestandteil des neuen Verfahrens ist die Unterscheidung zwischen zwei Dringlichkeitsgruppen. Dringlichkeitsgruppe 1 erfordert eine Behandlung innerhalb von 24 Stunden, sei es ambulant im Krankenhaus oder in einer Notdienstpraxis. Die zweite Gruppe hingegen braucht keine sofortige Behandlung – für diese Patienten gibt es einen Vermittlungscode zur Buchung eines Termins in der vertragsärztlichen Versorgung. Das klingt einleuchtend und könnte in der Theorie dazu beitragen, dass die Notaufnahme nicht mehr der einzige Anlaufpunkt für alle gesundheitlichen Belange wird.
Die Herausforderung für die Krankenhäuser ist es, diese neuen Vorgaben in die Praxis umzusetzen. Der G-BA-Vorsitzende, Prof. Josef Hecken, hat die Bedeutung der bundeseinheitlichen Vorgaben für die Notfallversorgung betont. Die Idee ist, eine schnellere und verlässlichere Beurteilung des Behandlungsbedarfs zu ermöglichen. Und das ist in Anbetracht der aktuellen Situation mehr als nötig. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür sind im § 120 Absatz 3b SGB V verankert und wurden durch das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz geändert.
Es bleibt abzuwarten, wie sich das neue System in der Praxis bewähren wird. Eines ist jedoch sicher: Die Notaufnahmen in Bremen stehen vor einem Umbruch, der möglicherweise weitreichende Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt haben könnte. Die Hoffnung ist, dass durch SmED nicht nur die Patienten schneller die Hilfe bekommen, die sie brauchen, sondern auch die überlasteten Notaufnahmen endlich ein wenig Luft zum Atmen erhalten.