Umkämpfte Gärten: Gröpelingen im Aufruhr nach Kündigungen der Kleingarten-Pachtverträge
In der Bremer Vorstadt Gröpelingen brodelt es gewaltig. Der Stadtteilbeirat hat jetzt die Umweltsenatorin Henrike Müller auf den Plan gerufen. Grund für die Aufregung: Die Stadt hat ohne große Vorankündigung Kleingarten-Pachtverträge im Goldrenettenweg gekündigt. Die betroffenen Kleingärtner sollen bis Ende November ihre Gärten räumen, damit neue Ausgleichsflächen geschaffen und Bäume gepflanzt werden können. Das kam für viele überraschend, und die Wogen laufen bereits hoch.
Die Kündigungen wurden den Gartenfreunden quasi über Nacht vorgelegt – eine Aufhebungsvereinbarung hier, eine Kündigung da. Das sorgt natürlich für Verwirrung und Unmut. Der Beirat fragt sich, wie das rechtlich zu bewerten ist und ob es nicht vielleicht doch Möglichkeiten gibt, die Gärten zu erhalten. Besonders pikant: In Gröpelingen wird den Pächtern mit gültigen Verträgen gekündigt, während in Walle Flächen illegal besetzt sind. Ein Widerspruch, der nicht nur zu Fragen, sondern auch zu einem gewissen Unverständnis führt.
Fragen über Fragen
Die Kleingärtner haben sich schon früh an das Ortsamt und die Presse gewandt, bevor der Beirat aktiv wurde. Sie sind sichtlich besorgt, und das nicht ohne Grund. Bei einer Informationsveranstaltung bekamen die Parzellistinnen Aufhebungsvereinbarungen zur Unterschrift vorgelegt, und eine Pächterin, die nicht unterzeichnen wollte, erhielt umgehend die Kündigung. Das wirft die Frage auf, ob es im Vorfeld wirklich keine Maßnahmen zur Zusammenarbeit mit den Betroffenen gab. Ein weiterer Punkt, der die Gemüter erhitzt: Der Beirat betont, dass die Stadt nicht einfach die kleingärtnerische Nutzung auf städtischen Grundstücken aufheben kann, ohne auf rechtliche Grundlagen zu achten.
Die Brachfläche in Walle, die seit 2018 von der „Ölhafen-Crew“ besetzt ist, steht dabei ebenfalls im Fokus. Hier gibt es bis heute keine rechtsverbindliche Vereinbarung zwischen der Initiative und der Stadt. Es erscheint fast absurd, dass die Stadt einerseits Kleingärten räumen lässt, während sie gleichzeitig mit illegalen Besetzungen in Walle nicht adäquat umgeht. Da ist es kein Wunder, dass sich die Gemüter erhitzen und die Fragen häufen.
Kleingärten in Deutschland
Doch nicht nur in Bremen sind Kleingärten ein heißes Thema. Deutschlandweit gibt es rund 905.000 Kleingärten, die von etwa 5 Millionen Menschen genutzt werden. Diese Gärten sind in rund 14.000 Vereinen organisiert. In Ballungszentren wie Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main sind Kleingärten besonders gefragt. Berlin hat stolze 66.400 Parzellen, während Hamburg mit 36.000 und Frankfurt am Main mit 15.000 nicht weit dahinterliegt. Wenn man sich die Zahlen so ansieht, wird deutlich, wie wichtig die Kleingärten für die Menschen sind – als Rückzugsort, als Ort der Begegnung und als Stück Natur mitten in der Stadt.
Das Bundeskleingartengesetz spielt hierbei eine zentrale Rolle. Es regelt alles von den Pachtverträgen bis hin zu den Rechten und Pflichten der Pächter. Für all jene, die in der Verwaltung tätig sind oder sich anderweitig mit Kleingartenangelegenheiten befassen, gibt es sogar Seminare, die sich mit den praktischen Aspekten des Kleingartenrechts beschäftigen. Themen wie Kündigung des Pachtvertrages, Pachterhöhungen und die ordnungsgemäße Nutzung der Parzelle stehen im Mittelpunkt. Also, es gibt genug Stoff zu diskutieren und zu klären, gerade jetzt, wo die Situation in Gröpelingen zeigt, wie kompliziert das Thema Kleingärten sein kann.
Da bleibt nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen in Bremen die Anliegen der Kleingärtner ernst nehmen und eine faire Lösung finden. Denn schließlich sind diese kleinen grünen Oasen nicht nur ein Stück Lebensqualität, sondern auch Teil des städtischen Erbes. Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten – die Zeit wird zeigen, ob die Stimmen der Betroffenen Gehör finden.
