In Unterbreizbach, einem kleinen Ort im Wartburgkreis, steht eine spannende Veränderung bevor. Die Genossenschaft „Tante Enso“ hat Pläne geschmiedet, die Tegut-Filiale vor Ort zu übernehmen. Dabei könnte die Übernahme durch das Bremer Unternehmen myEnso ein echter Glücksgriff sein. Bereits jetzt zeigt sich, dass der lokale Bedarf an frischen Lebensmitteln und alltäglichen Waren enorm ist. Die Genossenschaft hat das Konzept den Gemeinderäten vorgestellt und plant, die über 3.000 Einwohner mit Flyern im Sommer zu erreichen, um für das Projekt zu werben.
Für die Umsetzung des Vorhabens müssen rund 700 Anwohner einen Genossenschaftsanteil von 100 Euro erwerben. Was sich zunächst nach einer kleinen Hürde anhört, könnte sich als ein großer Gewinn für die Gemeinschaft herausstellen. Mitglieder der Genossenschaft erhalten nicht nur Mitbestimmungsrechte – etwa bei der Auswahl des Sortiments – sondern tragen auch aktiv zur Stärkung der Lebensmittelversorgung im ländlichen Raum bei. Die „Tante Enso“-Läden, die bereits in Zella in der Rhön und ein geplanter Markt in Gumpelstadt existieren, haben sich als verlässliche Anlaufstellen erwiesen.
Die Hintergründe der Übernahme
Die Notwendigkeit dieser Übernahme ergibt sich auch aus den jüngsten Entwicklungen bei Tegut. Der Eigentümer Migros aus der Schweiz plant, die Supermarktkette zu verkaufen, was viele Filialen in Thüringen unter Druck setzt. Edeka zeigt bereits Interesse an der Übernahme vieler Tegut-Filialen, und das könnte für die Verbraucher vor Ort eine echte Herausforderung werden.
In einem ganz anderen Bereich gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Die Arbeitslosenquote in Mittel- und Westthüringen ist im Mai leicht gesunken. Laut der Arbeitsagentur waren insgesamt 27.648 Menschen ohne Job – das sind 504 weniger als im April. Besonders in Erfurt und Weimar gab es einen Rückgang von 0,4 Prozent. Das sind positive Signale, die hoffentlich auch in Unterbreizbach ankommen.
Ein Blick auf die Natur
Und während in der Gemeinde Überlegungen zur Lebensmittelversorgung angestellt werden, gibt es in Bad Salzungen erfreuliche Nachrichten aus der Natur. Dort wurden drei Jungstörche am Bohrturm des Gradierwerks beringt – eine Aktion, die vom Storchenbeauftragten des Naturschutzbundes Nabu, Klaus Schmidt, durchgeführt wurde. Mit einer Drehleiter der Feuerwehr wurde er zum Nest gebracht, während die Altstörche aus der Luft alles beobachteten. Nach der Beringung wurde das Nest auch gleich von Unrat befreit. Wer möchte, kann das Leben der Bad Salzunger Storchenfamilie sogar live im Internet verfolgen!
Genossenschaften als Motor im ländlichen Raum
Der Trend zu Genossenschaften ist kein Zufall. Der Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung, der am 03.07.2024 veröffentlicht wird, wird die Rolle der Genossenschaften im ländlichen Raum erneut beleuchten. DRV-Hauptgeschäftsführer Jörg Migende hebt die Bedeutung dieser Organisationen hervor – sie sind nicht nur Lebensmittelproduzenten, sondern auch Arbeitgeber und Ausbilder. Genossenschaften sind unverzichtbar für die Wertschöpfung im ländlichen Raum und zeigen, dass man auch ohne große Ketten eine nachhaltige Infrastruktur aufbauen kann.
Der ländliche Raum wird also nicht als Wirtschaftsraum zweiter Klasse angesehen, und mit weniger Bürokratie könnte die Zukunft für viele Regionen rosig aussehen. Politische Unterstützung kann dazu beitragen, dass Genossenschaften weiterhin die Attraktivität unserer Dörfer und Kleinstädte erhöhen. Die Abwanderung aus strukturschwachen Regionen ist ein ernstes Problem, und es sind vor allem die Genossenschaften, die als Motor für Veränderungen fungieren können.
