In der ruhigen Ecke der Bürgermeister-Deichmann-Straße 12 in Utbremen, wo die Zeit scheinbar etwas langsamer vergeht, leben acht Parteien, die mehr als nur Nachbarn sind. Hier hat sich eine ganz besondere Gemeinschaft gebildet, die sich selbst als „Wahlfamilie“ bezeichnet. Vor allem alleinstehende Damen, die durch die Höhen und Tiefen des Lebens gegangen sind, haben sich zusammengefunden und teilen ihren Alltag. Es ist, als ob jeder von ihnen ein Stück des anderen Lebens in ihrem Herzen trägt. Man sieht sie oft im Flur, nach dem Rechten schauend, sich über die kleinen Dinge des Lebens austauschend, und das ganz ohne viel Aufhebens.

Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein. Die Sorgen sind spürbar – die Angst vor neuen, fremden Mietern schwingt in der Luft. Die Bewohnerinnen erinnern sich an negative Erfahrungen aus der Umgebung und fragen sich, was Veränderungen für ihre vertraute Gemeinschaft bedeuten könnten. In einem Viertel, das nach dem Zweiten Weltkrieg neu gestaltet wurde und mit seinen drei- und vierstöckigen Wohnblocks der Gewoba eine gewisse Ruhe ausstrahlt, gibt es auch eine spannende soziale Mischung. Hier findet man keinen sozialen Brennpunkt, sondern ein Quartier, das versucht, in Harmonie zu leben.

Das Leben in Utbremen

Die Altersstruktur ist vielfältig. Anja Koch ist mit ihren 57 Jahren die Jüngste, während die älteste Bewohnerin, Renate Brosowsky, mit stolzen 85 Jahren und einem Wohnsitz seit 1970 ein echtes Urgestein ist. Viele der Damen leben allein, die Kinder sind ausgeflogen, langjährige Lebenspartner haben sie verloren. Es ist eine Lebenssituation, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig den Zusammenhalt untereinander stärkt. Man hilft sich, wo man kann. Ein lockeres Grußverhältnis zu den Nachbarn in anderen Hausnummern sorgt dafür, dass man dennoch nicht ganz allein ist. Es ist ein Geben und Nehmen, das nicht nur die Herzen, sondern auch die Türen weit öffnet.

Die Wohnungen sind gut geschnitten – knapp 65 Quadratmeter, zentral gelegen und mit einer hervorragenden Anbindung an die Innenstadt. Es ist kein Wunder, dass hier viele Menschen mit ausländischen Wurzeln leben, was das Viertel zusätzlich bereichert und ihm eine bunte Vielfalt verleiht. Die bereits 1954 von der Gewoba errichteten Wohnblöcke wurden mehrfach modernisiert, um den Bedürfnissen der Bewohner gerecht zu werden. Und während das Hochhaus an der Schifferstraße, das erste Nachkriegs-Hochhaus in Bremen, mit seinen 14 Stockwerken in den Himmel ragt, bleibt der Rest des Viertels geerdet und freundlich.

Tag der Nachbarschaft und Stadtentwicklung

Ein Grund, warum wir uns heute mit dieser besonderen Gemeinschaft beschäftigen, ist der „Tag der Nachbarschaft“, der vom WESER-KURIER ins Leben gerufen wurde. Eine hervorragende Gelegenheit, um den Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu feiern. Es zeigt sich, wie wichtig Nachbarschaftsbeziehungen sind, besonders in Zeiten des Wandels. Die nationale Stadtentwicklungspolitik des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen zielt darauf ab, solche lebenswerten und erfolgreichen Strukturen zu fördern. Es ist ein Austausch über stadtgesellschaftliche Trends und Lösungen, der auch hier in Utbremen spürbar wird.

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Das Leben in Walle ist ein ständiges Auf und Ab, eine Mischung aus alltäglichem Leben und den Herausforderungen, die der städtische Raum mit sich bringt. Es bleibt spannend, wie sich die Gemeinschaft in der Bürgermeister-Deichmann-Straße entwickeln wird, und ob die „Wahlfamilie“ auch in Zukunft zusammenhält, wenn neue Mieter in die Nachbarschaft ziehen. In jedem Fall bleibt diese kleine Oase in Bremen ein Ort des Zusammenhalts, der trotz aller Herausforderungen ein Gefühl von Heimat vermittelt. Weitere Informationen über diese spannende Nachbarschaft finden Sie auch hier.