Vaterschaft neu denken: Gemeinsam Verantwortung für die Erziehung tragen
Heute ist der 22.06.2026 und in Walle dreht sich alles um das Thema Vaterschaft. Fredo Behrens, ein Experte aus Bremen, hat die Wichtigkeit der aktiven Vaterschaft in den Mittelpunkt gerückt. Er fordert Väter auf, Verantwortung zu übernehmen und die Erziehungsarbeit gemeinsam mit den Müttern zu teilen. „Ein guter Vater“, so Behrens, „ist engagiert, verantwortungsbewusst, kooperativ und nahbar.“ Dies klingt einfach, doch die Realität sieht oft anders aus. Viele Väter konzentrieren sich vor allem auf die finanzielle Absicherung der Familie, was ihre Zeit für die Kinder erheblich einschränkt. Ungleichgewichte in der Kindererziehung sind gesellschaftlich verankert und werden durch berufliche Rahmenbedingungen verstärkt.
Behrens‘ Ansatz ist klar: Teilzeitarbeit und geteilte Erziehungszeiten können entscheidend dazu beitragen, das Ungleichgewicht zu verringern. Er selbst lädt am Mittwoch, den 24. Juni, zu einem Vortrag mit dem Titel „Yes we can – aktive Vaterschaft wagen“ in Brinkum ein. Hier wird er darüber sprechen, wie wichtig es ist, dass Eltern ihre Ansprüche reflektieren und Verantwortung gemeinsam tragen. Die Anmeldung erfolgt über die VHS Diepholz unter der Kursnummer 03105004.
Die Realität der Vaterschaft
Die Entwicklungen in der Vaterschaft sind ermutigend. Laut Statistischem Bundesamt verbringen Väter in Deutschland mittlerweile im Schnitt eine Stunde und 19 Minuten pro Tag mit der Kinderbetreuung – das sind 30 Minuten mehr als vor zehn Jahren! Dennoch bleibt der Abstand zu den Müttern erheblich. Mütter kümmern sich im Schnitt 2 Stunden und 18 Minuten täglich um die Kinder, also fast eine Stunde mehr als Väter. Das führt zu einer Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, die stark eingeschränkt wird. Milanie Kreutz, stellv. dbb Bundesvorsitzende, betont die Notwendigkeit einer gerechten Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern.
Diese Ungleichheit hat weitreichende Folgen. Frauen übernehmen oft große Teile der unbezahlten Sorgearbeit – und das sind nicht nur die Kinder. Pflege von Angehörigen, Hausarbeit – alles kommt hinzu. Und das führt oft dazu, dass Frauen in Teilzeit arbeiten und ihre Karrierechancen dadurch beeinträchtigt werden. Der Gender-Care-Gap ist nicht nur eine statistische Zahl, sondern hat echte wirtschaftliche Konsequenzen für Frauen in Bezug auf Entlohnung und Altersvorsorge.
Gemeinsam stark
Die Lösung? Väter sollten sich aktiver in die Erziehung einbringen. Behrens sieht positive Resonanz auf Männer, die sich um ihre Kinder kümmern, doch das ist noch nicht selbstverständlich. Der offene Väter-Kinder-Treff im Jugend- und Beratungszentrum Walle ist eine tolle Initiative, die Austausch und Beratung bietet. Hier werden häufig Themen wie Trennung und Scheidung besprochen. Solche Angebote sind wichtig, um die Gleichstellung in der Familie voranzutreiben.
Um die Aufteilung der Kinderbetreuung zu erleichtern, braucht es nicht nur das Engagement einzelner Familien. Politische Maßnahmen und betriebliche Initiativen sind notwendig. Flexible Arbeitszeitmodelle, steuerliche Anreize für Familien oder verbesserte Kinderbetreuungsangebote könnten dazu beitragen, dass beide Elternteile gleichmäßig an der Erziehung teilnehmen können. Es gibt bereits erste Ansätze: mobiles Arbeiten, Job-Sharing und Bildungsprogramme, die Geschlechterstereotype abbauen sollen. Ein Schritt in die richtige Richtung!
Was bleibt, ist die Hoffnung und der Wunsch, dass Väter und Mütter gemeinsam an einem Strang ziehen. Kinder profitieren von der aktiven Einbindung beider Elternteile, da sie unterschiedliche Bindungen und Erziehungsmodelle erleben können. Es geht nicht nur um die Verantwortung, sondern auch um die Freude, die gemeinsame Gestaltung der Erziehung kann ein wahres Abenteuer sein. Wer weiß, vielleicht wird es ja eines Tages ganz selbstverständlich, dass sich Väter genauso intensiv um die Kinder kümmern wie Mütter – das wäre doch ein schöner Fortschritt!
