Das düstere Netzwerk der Attentäter-Fanszene in Bremen
In Bremen, einer Stadt, die für ihre maritimen Wurzeln und die herzliche Gemeinschaft bekannt ist, haben sich beunruhigende Entwicklungen im Schatten der sozialen Medien abgespielt. Im Januar 2025 wurde ein junger Bremer Rechtsextremist über soziale Netzwerke von einem Unbekannten kontaktiert. Ziel dieser Kommunikation: den jungen Mann zu einem Terroranschlag zu bewegen. Er antwortete, dass er sich bereits vorbereite und trainiere. Ein erschreckendes Beispiel für die sogenannte Attentäter-Fanszene, die im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Landes Bremen dokumentiert ist.
Diese lose, im Internet organisierte Gemeinschaft verherrlicht nicht nur Attentate, sondern regt auch zur Nachahmung an. Laut dem Verfassungsschutz handelt es sich hierbei um ein Geflecht aus verschiedenen Strömungen, die keine feste Struktur aufweisen. Eine dieser Strömungen ist der Akzelerationismus, der durch Terrorakte die Gesellschaft destabilisieren und einen Bürgerkrieg herbeiführen will. Eine weitere bedenkliche Strömung ist die Incel-Szene, die von Männern geprägt ist, die extremen Hass auf Frauen entwickeln. Zudem sind auch satanistisch-nihilistische Gruppen wie „764“ Teil der Szene, die besonders Kinder und Jugendliche über Plattformen wie Telegram und Roblox ansprechen.
Die Glorifizierung der Gewalt
Das Bild, das sich hier abzeichnet, ist düster. Diese Gruppen erpressen ihre Opfer, manipulieren sie zu Selbstverletzungen oder sogar Suizid. Und das alles geschieht in einer Welt, in der junge, sozial isolierte Männer – häufig unter 20 Jahren – nach Zugehörigkeit suchen. Die Einstiegshürde in diese Szene? Oft über TikTok. Dort werden extremere Inhalte verstärkt ausgespielt, die den Nährboden für solche gefährlichen Ideologien bereiten. Aber auch Imageboards wie 4chan oder Gaming-Plattformen wie Roblox dienen als Einfallstore. Auf Roblox etwa war es möglich, das Attentat von Halle 2019 nachzuspielen, was die Dimension des Problems nur noch verstärkt.
Ein erschreckendes Beispiel für die Verrohung ist der Bremer Fall, wo der Rekrutierer Druck auf den jungen Mann ausübte und ihm das Gefühl gab, Teil von etwas Größerem zu sein. Es ist beunruhigend, dass dieser junge Mann ein Pamphlet der Gruppierung „No Lives Matter“ fand, das Anleitungen zum Bau von Sprengvorrichtungen enthielt. Die Mitarbeiter des Bremer Verfassungsschutzes berichten von einer enormen Belastung durch die tägliche Beschäftigung mit dieser Szene. Einer von ihnen beschreibt die Konfrontation mit extremen Gewaltdarstellungen als belastend und prägend für sein Sicherheitsempfinden und Menschenbild.
Ein Blick über die Grenzen hinaus
Doch was treibt diese Menschen an? Ein Beispiel aus der Vergangenheit könnte Aufschluss geben. Am 15. März 2019 beging der australische Staatsbürger Brenton Tarrant ein rechtsextremistisch motiviertes Attentat auf zwei Moscheen in Christchurch, Neuseeland. Bei diesem schrecklichen Vorfall wurden 51 Menschen getötet und zahlreiche Anwesende verletzt. Tarrant bewegte sich im Vorfeld in rechtsextremistischen Online-Unterforen und veröffentlichte ein Manifest, das die ideologischen Begründungen für seine Tat enthielt. Sein Attentat wurde live über eine Helmkamera in sozialen Netzwerken übertragen und legte den Grundstein für die „Attentäter-Fanszene“.
Die Ideologie, die Tarrant propagierte, ist nicht einmalig. Andere Attentäter wie Stephan Balliet in Halle oder Payton Gendron in Buffalo haben sich ebenfalls von dieser gewaltbereiten Online-Subkultur inspirieren lassen. Die „SIEGE-Culture“, eine rechtsextremistische Online-Subkultur, hat einen Kultstatus in der rechtsextremistischen Community. Hier wird eine brutale, führerlose Form des Widerstands propagiert, die darauf abzielt, die demokratische Mehrheitsgesellschaft zu destabilisieren. Die Fans der Attentäter treten anonym in internationalen Kleingruppen auf, oft bestehend aus jungen, männlichen Personen, die keine Anbindung an klassische rechtsextremistische Strukturen haben.
Der Umgangston in diesen Gruppen ist durchdrungen von Rassismus, Antisemitismus und Gewaltbereitschaft. Es werden rechtsextremistische Propagandamaterialien verbreitet, Videoaufnahmen von Attentaten geteilt und die Täter als „Saints“ glorifiziert. Die Vorstellung, selbst ein Attentat zu begehen, wird in diesen Kreisen ebenfalls gefördert. Es ist erschreckend, wie weitreichend und verführerisch diese Ideologien sind und wie sie junge Menschen in ihren Bann ziehen.
