Im Theater Bremen findet demnächst ein ganz besonderer Liederabend statt: Nihan Devecioglu präsentiert ihr Programm „Anadolu – Ich singe nicht allein“. Hier wird die Bühne zum Ort der Entfaltung, an dem die Künstlerin ihre Entfremdung und die Wiederentdeckung ihrer vielfältigen Wurzeln thematisiert. Unterstützt wird sie dabei von Deniz Mahir Kartal, Emma Floßmann und Mathilda Maack, die nicht nur musikalisch, sondern auch darstellerisch zur Tiefe des Abends beitragen.

Das Publikum wird aktiv in das Geschehen einbezogen und so endet der Abend nicht nur mit einem gemeinsamen Gesang, sondern auch mit einem Gefühl der Gemeinschaft. Die nächsten Termine für diesen besonderen Abend sind der 7., 14. und 20. Mai, jeweils um 19.30 Uhr, und die Aufführung dauert 70 Minuten. So beginnt der Abend mit einem Lied aus der Schwarzmeerregion der Türkei, das von der Volksgruppe der Lasen stammt. Nihan fordert das Publikum auf, den Grundton während ihres Gesangs zu halten, und singt „He, he, heyamo“, ein Lied, das die Hilfe einer alten Frau bei der Gartenarbeit thematisiert.

Ein Abend voller Emotionen und Identität

Der Liederabend ist eine 70-minütige Reise, in der Nihan von ihren Wurzeln erzählt und ihre weibliche Identität erkundet. Ihre klare, helle und warme Stimme wird dabei von Beatbox-Elementen ergänzt, was dem Gesang eine moderne Note verleiht. Emma Floßmann und Mathilda Maack verkörpern Frauenfiguren, die Nihan in ihrer Entwicklung geprägt haben und bringen damit eine zusätzliche Dimension in die Aufführung.

Nihan thematisiert in ihren Liedern auch Einsamkeit und Sehnsucht. Besonders eindringlich geschieht dies im Lied „Dut ağacı“, in dem sie über ihre Großmutter und die Melancholie des Erinnerns reflektiert. Die Bandbreite ihrer musikalischen Darbietungen reicht von einem aserbaidschanisch-türkischen Volkslied bis hin zu einem armenischen Lied, und sie singt auch „Hija Mia“, ein Lied in Ladino, das Selbstbestimmung thematisiert. Ihre Erfahrungen am Mozarteum in Salzburg und die Herausforderungen beim Üben von Opernarien fließen ebenfalls in ihren Vortrag ein.

Ein minimalistisches Bühnenkonzept

Die minimalistische Bühne, die mit Projektionen gestaltet ist, schafft einen Raum, in dem das Publikum gebannt lauscht. Der Abend endet mit dem Abschiedslied „Aman Bre Deryalar“, bei dem das Publikum mit einstimmt. Der Refrain „He He Heyamo“ wird zum gemeinsamen Chor und lässt die Verbindung zwischen den Künstlern und dem Publikum aufblühen.

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Die Bedeutung von Musik als Ausdruck kultureller Identität kann in diesem Kontext nicht hoch genug eingeschätzt werden. Musik spiegelt nicht nur persönliche, sondern auch kulturelle Identität wider und schafft ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe, die gemeinsame Merkmale wie Sprache, Traditionen und Geschichte teilt. Im 19. Jahrhundert wurde die Musik zunehmend als Ausdruck nationaler Identität wichtig, und auch heute, in einer globalisierten Welt, fördern Migration und transkultureller Austausch neue kulturelle Identitäten. Die Wiederbelebung traditioneller Musikstile durch indigene Gemeinschaften stärkt das kulturelle Erbe und zeigt, dass kulturelle Identität nicht an geografische Grenzen gebunden ist.

Der Liederabend von Nihan Devecioglu ist nicht nur eine musikalische Darbietung, sondern auch eine poetische Reise zur Identität, die den Zuhörern die Möglichkeit gibt, in die Vielfalt und Tiefe ihrer eigenen Wurzeln einzutauchen.