In der Bremer Rembertistraße steht ein Hochhaus, das seit fast sechs Jahren leer ist – ein Bild des Verfalls und der Ratlosigkeit. Ganze 68 Wohnungen warten darauf, bewohnt zu werden, aber das scheint in weiter Ferne zu liegen. Die Fondsgesellschaft Swiss Life, die als Eigentümer fungiert, erklärt den Leerstand mit umfangreichen Sanierungsarbeiten nach einem Brandschaden. Doch das Gebäude ist unbewohnbar, seit ein Schwelbrand im Keller wütete. Das ist nun schon eine ganze Weile her, und die Bewohner der Umgebung fragen sich, wann endlich etwas passiert. Es ist wie ein schwarzer Fleck in der Nachbarschaft, der nicht verschwinden will.

Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD) hat genug von den leeren Versprechungen und droht dem Eigentümer mit Zwangsgeld. Ein scharfes Schwert im Wohnraumschutzgesetz, das monatlich verhängt werden kann, wenn die Rückführungsanordnung nicht eingehalten wird. Die Frist dafür läuft bis Ende August 2023. Swiss Life hingegen behauptet, dass die Wohnungen aufgrund fehlender Heizungs- und Wasserinstallationen nicht vermietbar sind und dass eine umfassende Sanierung notwendig ist. Es sind nicht nur die Wasserleitungen, auch Fliesen und Bodenbeläge sollen ausgetauscht werden. Die geplanten Arbeiten sollen bis Ende 2023 weitgehend abgeschlossen sein. Laut Aussage des Unternehmens könnten die ersten Wohnungen bereits Anfang 2027 wieder bezogen werden. Ein Hoffnungsschimmer, aber die Geduld der Anwohner wird auf eine harte Probe gestellt.

Die Reaktion der Behörden

Die Bauaufsichtsbehörde hat bereits eine Brandschutzprüfung veranlasst. Überraschenderweise ist das Gebäude seit einem Jahr bauordnungsrechtlich wieder nutzbar. Das wirft Fragen auf. Warum reagiert der Eigentümer nicht auf die Kontaktversuche der Behörde? Es ist, als würde man gegen eine Wand reden. Die Frustration wächst nicht nur bei den Behörden, sondern auch im Kiez. Der Leerstand ist nicht nur ein Problem für die Anwohner, sondern ein Zeichen für die wachsende Wohnungsnot in Bremen.

Um dem entgegenzuwirken, muss man die Zahlen im Hinterkopf behalten: Laut einer Studie im Auftrag des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ fehlen bundesweit über 550.000 Wohnungen. Die hohe Zuwanderung und der Mangel an Neubauten verschärfen die Situation. In Großstädten wie Hamburg und Berlin steht jede dritte leerstehende Wohnung länger als ein Jahr leer. Und was machen die Mieten? Sie steigen, und zwar gewaltig! Zwischen 2010 und 2022 sind die durchschnittlichen Wiedervermietungsmieten um fast 70% gestiegen. Die Menschen in Deutschland, etwa 52%, leben zur Miete, im Vergleich zu anderen Ländern, wo diese Zahl deutlich niedriger ist.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die Bundesregierung hat sich zwar das ehrgeizige Ziel gesetzt, jährlich 400.000 Neubauten zu schaffen, doch die Realität sieht anders aus. 2023 wurden nur 294.400 Neubauten genehmigt. Die niedrigen Zahlen sind nicht einfach nur ein Zufall – gestiegene Zinsen, hohe Baukosten und komplexe Vorschriften machen es Bauträgern schwer. Es ist ein Teufelskreis, der nicht einfach durchbrochen werden kann. Und während die Zahl der Sozialwohnungen seit den 1990er Jahren kontinuierlich sinkt, bleibt der Wohnraummangel ein drängendes Problem, das sowohl die Politik als auch die Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt.

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Am Ende bleibt die Frage: Was passiert mit den 68 Wohnungen in der Rembertistraße? Werden sie jemals wieder zu einem Zuhause für Menschen, die dringend Wohnraum suchen? Die Zeit wird es zeigen, aber die Geduld der Bremer ist begrenzt – und die Uhren ticken.