Heute ist der 24. Mai 2026, und in Bremen geht es um viel mehr als nur das Wetter. Ein Prozess, der die Stadt in Atem hält, steht vor dem Ende. Das Urteil gegen die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette wird am kommenden Mittwoch erwartet. Die Vorwürfe sind schwer: versuchter Mord und acht bewaffnete Raubüberfälle. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft, während die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Ein Drama, das an die Wurzeln der Rote Armee Fraktion (RAF) erinnert, deren Schatten bis in die heutige Zeit reicht.
Die Nachbarn von Klette, Andrea Berger und Thomas Kröger, geben einen Einblick in ihr Leben mit der mysteriösen Frau. Berger erinnert sich an die erste Begegnung vor etwa zehn Jahren, als sie Putzgeld einsammelte. Klette stellte sich als Sarah Lopez vor und sprach beiläufig von einem früheren Namen. „Damals hatte ich keinen Verdacht“, sagt Berger, heute sieht sie die Dinge anders. Klette wirkte freundlich, aber auch misstrauisch, und war körperlich fit. Kröger, der Vermieter, beschreibt sie als „freundlich, offen und ausgeglichen“. Er hatte keine Ahnung von ihrer wahren Identität und fand sie stets ordentlich und unkompliziert. Komisch, nicht wahr? Wie sich das Bild einer Person mit der Zeit verändert.
Ein Schatten aus der Vergangenheit
Die Ermittler haben Kröger Jahre später kontaktiert, was ihn völlig überrascht hat. Berger erinnert sich an einen männlichen Begleiter von Klette, der auffällige Zähne hatte. Klette sprach häufig von männlichen Besuchern in ihrer Wohnung, was Berger heute zum Nachdenken bringt. Sie vermutet, dass Klette und ihre Komplizen, darunter auch Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, möglicherweise einen Überfall auf einen Geldtransporter von der Wohnung aus geplant haben. Unglaublich, wie sich ein normales Leben mit solch dunklen Plänen vermischen kann.
Der Prozess ist kein gewöhnlicher. Die Verteidigung von Klette kritisiert die Bedingungen, unter denen das Verfahren stattfindet. Sie bezeichnen es sogar als „faktisch ein Terrorismusverfahren“. Hohe Sicherheitsvorkehrungen, ein Sondergerichtssaal und Transport in gepanzerten Polizeifahrzeugen sind die Norm. Der Vorsitzende Richter wurde speziell für diesen Fall ausgewählt, was alles andere als üblich ist. Ein Verfahren, das mit einer künstlichen Intelligenz zur Datenauswertung arbeitet, wirft Fragen auf. Nur belastende Daten wurden für die Ermittler herausgefiltert. Das wirft einen Schatten auf die Glaubwürdigkeit der Beweise.
Die Geschichte der Rote Armee Fraktion
Um den Kontext besser zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte der RAF zu werfen. Gegründet 1970 von Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin, setzte die Gruppe auf Gewalt, um gegen das Establishment zu kämpfen. Sie führten zahlreiche Banküberfälle durch, um ihre finanzielle Basis zu sichern. Die ersten Überfälle fanden in den späten 60ern und frühen 70ern statt, als die Gruppe auch in die internationale Schlagzeilen geriet. Nach der Auflösung im Jahr 1998 gab es immer wieder Berichte über mögliche Rückkehrer zur RAF. Und hier, Jahre später, steht Klette im Mittelpunkt eines Verfahrens, das an alte Zeiten erinnert.
Die Anklage lautet, dass Klette zwischen 1999 und 2016 maskiert und schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte überfallen haben soll. Die Überfälle begannen nach der Auflösung der RAF, und Klette nutzte ihre Bremer Wohnung bis Februar 2016, als bereits nach ihr gefahndet wurde. Seltsamerweise saß sie unbehelligt in einem Café im Bremer Viertel, während die Fahndung nach ihr lief. Ein Leben in der Dunkelheit, verborgen hinter einer Fassade, die niemand hinterfragen konnte.
Nun steht das Urteil bevor. Wie wird die Geschichte von Daniela Klette enden? Ein weiteres Kapitel in der dunklen Chronik der RAF oder der Beweis, dass man sich von der Vergangenheit distanzieren kann? Die Antwort auf diese Fragen wird bald bekannt sein.