Heute ist der 7. Mai 2026 und in Bremerhaven brodelt die politische Landschaft. Die Stadt steht kurz vor einem Wechsel an der Spitze, denn Martin Günthner wird am 1. Juli 2026 Oberbürgermeister. Ein großer Schritt für den 50-Jährigen, der nicht nur gebürtiger Bremerhavener ist, sondern auch eine lange politische Laufbahn hinter sich hat. Er übernimmt die Amtsgeschäfte von Melf Grantz, der seit 2011 im Amt ist und aufgrund gesundheitlicher Probleme, konkret einer Krebserkrankung, zurücktritt. Grantz hat einen schweren Weg hinter sich, der von Chemotherapien und persönlichen Herausforderungen geprägt war. Ein Abschied, der nicht leichtfällt.
Günthner gilt als Favorit unter insgesamt 13 Kandidaten, die sich um die Position des Stadtoberhauptes bemühen. Die Wahl findet im Rahmen einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung statt, und es ist wichtig zu wissen, dass die Bürger in Bremerhaven nicht direkt wählen. Unterstützung erhält Günthner von der Regierungskoalition aus SPD, CDU und FDP, was ihm in der heißen Phase des Wahlkampfes einen klaren Vorteil verschafft. Im Januar 2026 wurde er trotz parteiinterner Kritiker als Kandidat der SPD Bremerhaven gekürt. Ein mutiger Schritt, der zeigt, dass er sich nicht von Widersprüchen abschrecken lässt.
Ein Blick auf die Karriere von Martin Günthner
Die politische Karriere von Martin Günthner begann in den 1990er Jahren – eine Zeit, in der er als Vorsitzender der Jusos in Bremerhaven auf sich aufmerksam machte. Mit 21 Jahren wurde er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und zwei Jahre später in die Bremische Bürgerschaft gewählt. Er hat sich nie gescheut, seine Meinung zu sagen, insbesondere wenn es um die CDU und deren Zusammenarbeit mit der DVU ging. Sein Weg führte ihn 2010 in die Rolle des Senators für Wirtschaft und Häfen sowie für Justiz und Verfassung, wo er bis 2019 blieb. Dabei war der Bau eines Schwerlasthafens für die Offshore-Windindustrie sein wichtigstes Projekt, das jedoch an bürokratischen Hürden scheiterte.
Nach seinem Rücktritt als Senator wurde Günthner stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft und übernahm 2024 das Amt des Sozialdezernenten in Bremerhaven. Ein bunter Werdegang, der ihn bis hierher geführt hat. Besonders spannend ist, dass er das Etikett „Berufspolitiker“ ablehnt, obwohl er sich seit rund 30 Jahren in dieser Rolle sieht. Unterstützerin Janina Strelow beschreibt ihn als den Kandidaten, den Bremerhaven jetzt braucht. Ob er die hohen Erwartungen erfüllen kann, wird sich zeigen.
Die Wahl – ein umstrittenes Verfahren
Die Wahl selbst hat einige Kontroversen mit sich gebracht. Kritiker bemängeln, dass die SPD das Vorschlagsrecht für das Oberbürgermeister-Amt hat, was dem offiziellen Ausschreibungsverfahren entgegensteht. Es gab auch Bedenken hinsichtlich der Rechtskonformität, da der zuständige Ausschuss zunächst nur zwei Kandidaten eingeladen hatte und rund die Hälfte der 28 Bewerber während des Verfahrens ihre Bewerbung zurückzog. Forderungen nach einer Direktwahl des Oberbürgermeisters werden lauter, unterstützt von den Grünen und der Initiative „Aufbruch oder weiter so?“.
Inmitten all dieser politischen Turbulenzen stehen die Bremerhavener vor einer spannenden Zeit. Martin Günthner wird aller Voraussicht nach die Geschicke der Stadt leiten und sein Profil auf Instagram bald auf „designierter Oberbürgermeister“ ändern können. Was das für die Stadt bedeutet? Das werden die kommenden Monate zeigen. Eines ist sicher: Bremerhaven wird weiterhin ein spannender Ort sein, an dem sich Politik und Gesellschaft immer wieder neu erfinden.