In der beschaulichen Begegnungsstätte Farge, mitten im Bremer Norden, hat Britta Wöhlert eine Oase der Hoffnung geschaffen. Seit Anfang Mai kommen Menschen zusammen, die unter Migräne leiden – eine Gruppe, die nicht nur die Herausforderungen des Alltags bespricht, sondern auch wertvolle Tipps und emotionale Strategien austauscht. Die ersten Treffen sind schon in vollem Gange, und das Interesse ist groß. Wer denkt, Migräne sei ein individuelles Schicksal, irrt sich gewaltig. Hier wird klar: Gemeinsam geht vieles leichter.
Britta, selbst seit über 15 Jahren von Migräne betroffen, weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend die wiederkehrenden Schmerzen sein können. Ihr persönlicher Weg führte sie sogar dazu, ihren Beruf als Lehrerin aufzugeben – eine Entscheidung, die nicht leicht fiel. Im Gespräch mit Anja Kiss, die seit ihrem sechsten Lebensjahr leidet, wird schnell deutlich, wie wichtig der Austausch in der Gruppe ist. Man erfährt, dass Migräne nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch Lichtempfindlichkeit und Übelkeit mit sich bringt. Die Lebensqualität leidet enorm, und oft fühlen sich Betroffene unverstanden. An diesem Punkt setzt die Selbsthilfegruppe an.
Praktische Tipps und Unterstützung
Die Gruppe ist für alle ab Jugendalter geöffnet, auch Angehörige von Kindern mit Migräne sind herzlich willkommen. Ein zentrales Anliegen der Treffen ist der Austausch über praktische Alltagstipps. Britta führt mittlerweile einen Migränekalender, um ihre Schmerztage und Aktivitäten besser im Blick zu behalten. Dabei sind es oft kleine Dinge, die eine große Wirkung haben können. Hier einige ihrer Vorbeugungstipps:
- Tagesablauf planen und nicht länger als 90 Minuten am Stück arbeiten.
- Überforderung vermeiden und „Runter vom Gas“.
- Lernen, Nein zu sagen.
- Gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus.
- Vorboten erkennen, wie etwa Heißhungerattacken.
Zusätzlich sind Entspannungsübungen ein wichtiges Thema. Wer schon einmal mit Migräne gekämpft hat, weiß, wie wichtig es ist, sich kleine Ruheinseln im hektischen Alltag zu schaffen. Und genau hier möchte Britta ansetzen. Fachleute sollen als Referenten eingeladen werden, um den Teilnehmern noch mehr Wissen zu vermitteln. Das nächste Treffen steht bereits fest: Am Freitag, den 12. Juni, von 17 bis 18.30 Uhr, sind alle Interessierten herzlich eingeladen, sich per E-Mail anzumelden unter migraeneshghbn@outlook.de.
Gemeinschaft und Verständnis
Die Bedeutung von Selbsthilfegruppen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie bieten eine Plattform, um sich über die individuellen Erfahrungen auszutauschen und gegenseitige Unterstützung zu erfahren. Laut einer Befragung gab es 2023 über 36.000 Selbsthilfegruppen in Deutschland. Das zeigt, wie viele Menschen ähnliche Kämpfe durchleben und wie wichtig es ist, nicht alleine zu sein. Oft ist es die Angst vor der nächsten Attacke, die den Alltag belastet. In der Gruppe entsteht eine Art „Erzählgemeinschaft“, in der Vertraulichkeit und gegenseitiges Verständnis herrschen.
Die Mitglieder gewinnen nicht nur neue Handlungskompetenz, sondern auch Sicherheit durch den Wissensaustausch über Therapien und Bewältigungsstrategien. Es ist berührend zu sehen, wie Empathie und Anteilnahme innerhalb der Gemeinschaft helfen, die Isolation zu überwinden. Wenn Betroffene merken, dass sie nicht die einzigen sind, die mit diesen Schmerzen zu kämpfen haben, kann das einen entscheidenden Unterschied machen.
Ob es darum geht, Tipps zu teilen oder einfach nur zuzuhören – die Migräne-Selbsthilfegruppe in Farge bietet Raum für all das und mehr. Ein Lichtblick für viele, die glauben, im Dunkeln zu tappen. Und wer weiß, vielleicht findet der eine oder andere hier sogar neue Freunde, die den gemeinsamen Kampf gegen die Migräne unterstützen. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Lebensqualität zu steigern und die eigene Situation besser zu akzeptieren. Wer Interesse hat, sollte sich nicht scheuen, vorbeizuschauen – es könnte der Anfang einer neuen, hoffnungsvollen Reise sein.
