In Bremen setzen sich Schüler aktiv gegen die Gefahren des Internets ein. Im Rahmen des Netcoaches-Projekts werden junge Menschen zu Experten ausgebildet, um ihre Mitschüler über Themen wie Cybermobbing, Cybergrooming und Datenschutz aufzuklären. Seit 2011 arbeitet der medienpädagogische Dienstleister Crea Clic mit Grund- und weiterführenden Schulen zusammen, um das Bewusstsein für diese Probleme zu schärfen. Begleitet werden die Schüler von engagierten Schulsozialarbeiterinnen, die das Projekt unterstützen.
Besonders an der Wilhelm-Focke-Oberschule in Horn-Lehe wird dieses Engagement deutlich. Hier werden Schüler der siebten Jahrgangsstufe in Workshops ausgebildet, um ihr Wissen an jüngere Schüler (Jahrgänge fünf bis sieben) weiterzugeben. Jährlich werden zehn bis zwölf Schüler in einem fünf-tägigen Intensivkurs zu Internet-Experten geschult. Bis zum Ende des neunten Jahrgangs halten die Netcoaches ein- bis zweimal pro Halbjahr Workshops ab. Diese Workshops sind nicht nur informativ, sondern werden auch spielerisch gestaltet, um die Schüler zur Diskussion zu animieren.
Cybermobbing im Fokus
Ein häufiges Thema in den Klassenchats ist Cybermobbing, ein Problem, das laut Schulsozialarbeiterin Friederike Friedrich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Eine aktuelle Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing zeigt, dass 2024 bereits 18,5 Prozent der Schüler angaben, schon einmal betroffen gewesen zu sein – ein Anstieg im Vergleich zu 16,7 Prozent im Jahr 2022. Bei solchen Vorfällen werden oft peinliche Bilder als Sticker in Chats verbreitet, was die betroffenen Schüler emotional stark belasten kann.
Die Netcoaches klären in ihren Workshops über die Folgen von Cybermobbing auf und diskutieren, wie sich die Betroffenen fühlen könnten. Es ist wichtig, dass Schüler verstehen, welche Auswirkungen ihr Verhalten im Netz haben kann. Denn Cybermobbing ist nicht nur ein schreckliches Erlebnis für die Opfer, sondern kann auch zu langfristigen psychischen Schäden führen.
Die Rolle der sozialen Medien
Soziale Medien, Messenger-Dienste und Apps tragen dazu bei, dass Cybermobbing und Cyberstalking einfacher und verbreiteter werden. Diese Plattformen machen private Informationen oft öffentlich zugänglich und erleichtern damit die Anonymität der Täter. Das BSI weist darauf hin, dass besonders junge Menschen betroffen sind, die häufig nicht die strafrechtlichen Konsequenzen ihrer Handlungen erkennen. Cybermobbing umfasst nicht nur Diffamierungen und Belästigungen, sondern auch das Verbreiten kompromittierender Fotos oder Videos.
Darüber hinaus kann Cybermobbing mit schwerwiegenden Problemen wie Identitätsdiebstahl einhergehen, wenn Täter Zugangsdaten des Opfers erlangen. Ein besonders perfides Phänomen ist Doxing, bei dem persönliche Daten systematisch gesammelt und veröffentlicht werden. Auch Cyberstalking, das Nachstellen und Überwachen einer Person mit digitalen Mitteln, kann verheerende Folgen für die Betroffenen haben.
Es ist erfreulich zu sehen, dass in Bremen proaktiv gegen diese Gefahren vorgegangen wird. Die Netcoaches leisten einen wertvollen Beitrag, indem sie ihre Mitschüler aufklären und sensibilisieren. In einer Zeit, in der digitale Kommunikation allgegenwärtig ist, ist es wichtiger denn je, die Gefahren zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.