Die Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) am SWB-Gelände an der Otavistraße in Bremen hat sich seit Ende März 2023 als echtes Sorgenkind entpuppt – und zwar im positiven Sinne! Keine Beschwerden über Gerüche mehr, das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Täglich rollen etwa 40 Lkw vor, um rund 600 Tonnen Klärschlamm aus verschiedenen norddeutschen Klärwerken abzuliefern. Von Seehausen bis Farge, alle bringen ihren Beitrag. Die Anlieferung geschieht von 6 bis 20 Uhr, ganz ordentlich hinter verschlossenen Türen in einer Schleuse. Da bleibt’s auch geruchlich im Rahmen – dank moderner Geruchsfilter- und Reinigungssysteme, die den Ammoniakgestank im Zaum halten. Ein Biofilter mit Rindenmulch sorgt zusätzlich dafür, dass die Abluft ordentlich abgebaut wird.
Die Anlage hat ein beeindruckendes Fassungsvermögen von 3000 Tonnen, was einen kontinuierlichen Betrieb ermöglicht. Dabei wird sie von drei Kraftwerkern im Schichtbetrieb überwacht – es wird also ordentlich aufgepasst! Ab Sommer 2023 soll der Regelbetrieb angemeldet werden, nachdem die Testphasen erfolgreich abgeschlossen sind. Kleiner Fun Fact: Die KVA erzeugt etwa 2,3 Megawatt elektrische Energie, von denen 85% für den eigenen Betrieb genutzt werden. Außerdem können bis zu 8 Megawatt thermische Energie ins SWB-Fernwärmenetz eingespeist werden, genug, um bis zu 4000 Haushalte zu versorgen. Ziemlich beeindruckend, oder?
Rückgewinnung von Phosphor – Ein neuer Ansatz
Ein wichtiger Punkt, der in der KVA bald ansteht, ist die Rückgewinnung von Phosphor aus der Asche. Ab 2029 wird dies für alle Kläranlagen verpflichtend sein. Bis dahin wird die Asche noch deponiert, was sich jedoch ändern sollte, um schädliche Substanzen aus der Natur fernzuhalten. Die Klärschlammverordnung (AbfKlärV) wurde 2017 neu gefasst und zielt darauf ab, die Ausbringung von phosphorhaltigem Klärschlamm als Dünger zu vermeiden, da dieser viele Schadstoffe enthält. Rückgewonnener Phosphor kann dann zur Düngemittelproduktion genutzt werden. Das klingt doch nach einer Win-Win-Situation für die Umwelt und die Landwirtschaft!
Allerdings gibt es einige Herausforderungen, wenn es um die Umsetzung der Phosphorrückgewinnung geht. Insbesondere die Unklarheiten über die Refinanzierung der Kosten durch Abwassergebühren stellen ein Hindernis dar. Das Umweltbundesamt hat bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die gebührenrechtlichen Festlegungen zur P-Rückgewinnung zu klären. Positiv ist, dass die generelle Gebührenfähigkeit der P-Rückgewinnung bejaht wurde. Das bedeutet, dass viele der anfallenden Kosten bis 2029 als ressourcenschonend und ökologisch eingestuft werden. Ein kleiner Lichtblick!
Ein Blick in die Zukunft
Insgesamt wird die KVA in Bremen nicht nur eine wichtige Rolle bei der Abfallverwertung spielen, sondern auch einen entscheidenden Beitrag zur Ressourcenschonung leisten. Die Rückgewinnung von Phosphor könnte die Abhängigkeit von neuem Phosphor durch den Abbau von Phosphatgestein reduzieren. Zukünftig könnten Haushalte nicht nur weniger Schadstoffe in der Umwelt haben, sondern auch von einem umweltfreundlicheren Düngemittel profitieren.
Man könnte sagen, dass die KVA ein kleines Beispiel für den Fortschritt in der Umwelttechnik ist. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln und ob die Herausforderungen gemeistert werden, um die Vorteile der Phosphorrückgewinnung voll auszuschöpfen. Hier in Bremen tut sich also einiges – und das ist gut so!
