Dilbar im Schwimmdock: Gefangen zwischen Politik und Prestige
Heute ist der 24.06.2026 und wir werfen einen Blick auf die Megayacht „Dilbar“, die seit über vier Jahren im Schwimmdock der Bremer Lürssen-Werft liegt. Sie hat einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen, nicht nur wegen ihrer beeindruckenden 160 Meter Länge, sondern auch wegen der politischen Turbulenzen, in denen sie sich befindet. Die EU-Sanktionen gegen russische Staatsbürger im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg haben dazu geführt, dass die Yacht als eingefrorene wirtschaftliche Ressource betrachtet wird.
Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat kürzlich entschieden, dass Lürssen nicht verpflichtet ist, die Yacht als solche zu behandeln. Ein kleiner Lichtblick für die Werft, die mit enormen Kosten von geschätzt 50.000 Euro pro Tag für Lagerung und Instandhaltung zu kämpfen hat. In vier Jahren summiert sich das auf etwa 75 Millionen Euro. Wer hätte gedacht, dass das Schwimmdock 10, eines der größten in Europa, für solch ein Dilemma genutzt wird? Statt für neue Projekte, bleibt es ein Gefängnis für die „Dilbar“.
Ein Urteil mit Ungewissheit
Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist jedoch noch nicht rechtskräftig – eine Berufung zum Hessischen Verwaltungsgerichtshof könnte folgen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das sich für zuständig erklärt hat, hat sich in anderen Belangen für unzuständig erklärt und auf einen Fragenkatalog nicht geantwortet. Wie so oft in solchen Fällen, bleibt die Situation unklar. Lürssen hat das Urteil zwar begrüßt, muss aber erst die Urteilsbegründung prüfen. Währenddessen äußert sich das Bundeswirtschaftsministerium nicht zu Einzelfällen, was die Unsicherheit nur verstärkt.
Die Eigentümerstruktur der „Dilbar“ bleibt ebenfalls ein Rätsel. Der ehemalige Besitzer, der russisch-usbekische Milliardär Alischer Usmanow, steht auf der Sanktionsliste, angeblich aufgrund seiner Nähe zu Wladimir Putin. Usmanow hat zwar erklärt, die Yacht gehöre seiner Schwester, die ebenfalls auf der Sanktionsliste steht, doch die Gerichte scheinen das nicht eindeutig klären zu können. Ein heikles Spiel, bei dem die Lürssen-Werft, die bereits Probleme mit einem ihrer besten Kunden hat, auf der Strecke bleibt.
Ein teures Vergnügen
Die „Dilbar“, die 2016 von Lürssen ausgeliefert wurde und Baukosten von fast 600 Millionen Euro verschlang, zählt zu den größten und teuersten Privatyachten der Welt. Diese Dimensionen bringen auch eine gewisse Verantwortung mit sich – vor allem, wenn der Besitzer auf der Sanktionsliste steht. Die Sanktionen haben die Geschäftsbeziehungen zwischen Lürssen und Usmanow erheblich belastet. Man fragt sich, wie es weitergeht. Könnte Lürssen möglicherweise sogar eine Klage auf Schadensersatz gegen den Staat in Erwägung ziehen? Experten halten das für denkbar.
So bleibt die „Dilbar“ im Schwimmdock, gefangen zwischen den politischen Strömungen und den finanziellen Zwängen. Ein faszinierendes, jedoch auch bedauerliches Kapitel in der Geschichte der maritimen Industrie in Bremen. Die Zukunft der Yacht – und der Werft – ist ungewiss, und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt.
