Inmitten der beschaulichen Straßen von Vegesack wird die Stimme von Katja Sobotta, einer Psychotherapeutin aus Bremen-Nord, immer lauter. Sie warnt eindringlich vor den negativen Folgen der Gesundheitsreform, die die psychotherapeutische Versorgung gefährden könnte. Es ist ein Thema, das nicht nur sie, sondern auch viele ihrer Kollegen betrifft. „Wir erleben einen Anstieg an Anfragen – etwa 20 pro Woche“, erzählt sie. Aber die Realität sieht düster aus: Wartelisten, die sich wie Kaugummi ziehen, sind für viele nicht mehr praktikabel. Viele Patienten müssen bis zu einem Jahr auf einen Therapieplatz warten, und das ist einfach nicht hinnehmbar.

Die geplanten Einsparungen – Budgetierung, Wegfall von Zuschlägen und die Reduzierung der Weiterbildungsfinanzierung – könnten die Anzahl der Therapieplätze für gesetzlich Versicherte weiter verringern. Die Bundespsychotherapeutenkammer und die Psychotherapeutenkammer Bremen haben kürzlich kritisiert, dass die Honorarkürzungen durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz eine ernsthafte Bedrohung für die Versorgung darstellen. „Es könnte gravierende Folgen für die psychische Gesundheit der Menschen haben“, warnt Sobotta und spricht damit die erhöhte Suizidrate und die Folgekosten durch unbehandelte psychische Störungen an.

Die dramatischen Auswirkungen der Reform

Ab April 2023 wurde die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent gesenkt, was in der Praxis einer realen Honorarsenkung von etwa 2,8 Prozent entspricht. Diese Entscheidung könnte fatale Auswirkungen haben, und die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) sieht bereits Druck auf die Therapie-Kapazitäten. „Wenn die Vergütung weiter sinkt, könnten Praxen gezwungen sein, ihre Kapazitäten auf privat Versicherte zu verlagern“, erklärt ein Sprecher der DPtV. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern auch ein ethisches, denn die Menschen, die auf Therapie angewiesen sind, könnten durch diese Maßnahmen noch länger auf Hilfe warten müssen.

Interessanterweise zeigt eine Studie, dass jeder Euro, der in die ambulante Psychotherapie investiert wird, einen Nutzen von zwei bis vier Euro erzeugt. Doch trotz dieser Erkenntnisse plant die Bundesregierung Einschnitte, die ab 2027 spürbare Auswirkungen haben sollen. Der Bundesrat hat bereits vor den negativen Effekten gewarnt, doch die Bundesregierung bleibt skeptisch und weist Forderungen zurück, da es angeblich keine ausreichenden Nachweise für negative Versorgungseffekte gibt. Die DPtV, die über 40.000 Mitglieder vertritt, lehnt die geplanten Änderungen vehement ab und fordert eine bessere Vergütung für psychotherapeutische Leistungen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Probleme in der psychotherapeutischen Versorgung sind nicht neu, und die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft. Der Bedarf – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – wächst stetig. Es gibt Berichte über steigende Inanspruchnahme von Psychotherapie, was in Anbetracht der aktuellen Lage umso alarmierender ist. Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen hat in den letzten Jahren ebenfalls zugenommen. Wer auf einen Therapieplatz wartet, muss im Durchschnitt 142 Tage, also rund 20 Wochen, Geduld aufbringen. Und das ist noch optimistisch betrachtet!

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Die strukturellen Probleme in der Versorgung sind vielschichtig. Hilfesuchende und verfügbare Plätze scheinen oft nicht zusammenzufinden. Während Erwachsene in städtischen Gebieten relativ gut versorgt sind, sieht es bei Kindern und Jugendlichen anders aus. Die Wartezeiten variieren stark je nach Art der psychischen Erkrankung und Region. Vorschläge zur Verbesserung der Situation sind vorhanden: gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, koordinierte Vergabe von Therapieplätzen und mehr Gruppentherapie-Angebote. Doch ob diese Ideen in die Tat umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.