Neue Perspektiven für die alten Schulgebäude an der Borcherdingstraße
In Vegesack gibt es derzeit ein heiß diskutiertes Thema, das nicht nur die Anwohner, sondern auch viele Interessierte aus der Umgebung beschäftigt: Die historischen Schulgebäude an der Borcherdingstraße 10. Diese beiden alten Gemäuer, die einst für den Unterricht genutzt wurden, stehen seit 2021 leer und warten auf eine neue Bestimmung. Die Stadt Bremen hat das Areal nun erneut ausgeschrieben, nachdem der erste Versuch, einen Käufer zu finden, gescheitert ist. Diesmal gibt es keine Einschränkungen im Bieterkreis, was die Sache spannender macht.
Doch so einfach ist die Angelegenheit nicht. Die beiden Gebäude haben ordentlich gelitten. Wasserschäden, Schimmel und undichte Dächer sind nur einige der Probleme, die es zu bewältigen gilt. Ein Zwischennutzungsplan scheiterte aufgrund des maroden Zustands. Die Stadt verlangt einen Mindestpreis von 880.000 Euro für das Grundstück, das rund 3000 Quadratmeter groß ist. Die Nutzfläche der Gebäude beläuft sich auf 300 und 380 Quadratmeter – nicht gerade viel für das Geld.
Eine neue Vision für die Borcherdingstraße
Ein Fachgremium, bestehend aus Vertretern des Ressorts für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung sowie des Vegesacker Beirates, wird die Angebote prüfen. Das Ziel ist klar: die Auswahl einer Käuferin oder eines Käufers, der ein städtebauliches Konzept vorstellt, das den Anforderungen des Baugesetzbuchs entspricht. Das bedeutet, neue Gebäude müssen sich harmonisch in die Umgebung einfügen – ein Hochhaus ist also definitiv nicht vorgesehen.
Die Stadt plant, das Grundstück im Rahmen eines Erbbauvertrages an eine Baugemeinschaft zu vergeben. Diese Gemeinschaft hat sich dem Ziel verschrieben, gemeinsam zu bauen und zu wohnen – und das soll auch der Nachbarschaft zugutekommen. Räume im Erdgeschoss sollen der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, während die Nutzung der restlichen Flächen der Baugemeinschaft überlassen bleibt. Das klingt nach einer interessanten Idee, auch wenn Details zum Vergabeverfahren noch nicht bekannt sind.
Ein Stück Geschichte
Die historischen Schulgebäude selbst haben eine bewegte Geschichte. Eines der beiden Gebäude steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Das andere gilt als erhaltenswert, könnte jedoch abgerissen werden. Die Empfehlung lautet jedoch, es zu erhalten – schließlich tragen solche Bauwerke zur Identität eines Stadtteils bei. Immerhin wurde hier einst Unterricht für Kinder angeboten, bevor die Schule 1907 in eine neue Bildungseinrichtung (Schule Alt-Aumund) verlegt wurde.
Interessanterweise gibt es in Bremen eine lange Tradition des Denkmalschutzes, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Der Künstlerverein Bremen setzte sich bereits ab 1861 für den Schutz des architektonischen Erbes ein. Die Industrialisierung führte zu zahlreichen Neubauten, die das Erscheinungsbild der Stadt veränderten. Der Bremer Senat berief 1892 eine Kommission zur Erhaltung kunst- und kulturhistorischer Denkmale ins Leben. Heute umfasst die Denkmalliste der Stadt 1887 Kulturdenkmale – ein wichtiger Aspekt, um das kulturelle Erbe zu bewahren.
Der aktuelle Stand der Ausschreibung läuft bis zum 19. Juni. Ob es bis dahin zu einer Einigung kommt, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung auf eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung der Gebäude an der Borcherdingstraße ist groß. Werden wir bald Zeugen eines neuen Kapitels in der Geschichte dieser alten Schulgebäude? Es bleibt spannend!
