Seit fünf Monaten gilt auf der Borgfelder Heerstraße das Tempolimit von 30 km/h. Eine Maßnahme, die vom Bremer Amt für Straßen und Verkehr (ASV) eingeführt wurde, um die Anwohner vor Lärm zu schützen. Doch die Meinungen gehen auseinander. Einige Anwohner berichten von ruhigeren Nächten, während andere keinen Unterschied bemerken. „Ich wohne hier seit 53 Jahren und der Lärmpegel ist unverändert“, sagt Hans Schlumbaum, ein langjähriger Borgfelder. Komisch, oder? Während die Polizei unterstreicht, dass sich die Mehrheit der Autofahrer an das neue Tempolimit hält, gibt es immer noch viele, die mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straße brausen.
Die Beschilderung, die das Tempolimit anzeigt, wird von einigen als verwirrend kritisiert. Mehrere Schilder, die sowohl tagsüber als auch nachts auf Tempo 30 hinweisen, scheinen nicht immer klar zu sein. Der ASV sieht jedoch keinen Grund für Änderungen. „Wir haben keine eigenen Messdaten zur Lärmminderung durch Tempo 30“, so eine Sprecherin. Das sorgt für Unmut unter den Anwohnern. Rudolf Buchholz und andere sind sich einig: Nachts ist es leiser geworden. Aber Ilse Detterbeck widerspricht: „Für uns hat sich nichts geändert.“ So oder so – die Diskussion über das Tempolimit bleibt lebhaft.
Ein Verkehrsthema, das polarisiert
Die Einführung von Tempo 30 betrifft nicht nur die Borgfelder Heerstraße. Bremen plant, die Höchstgeschwindigkeit auf weiteren Straßen, wie dem Osterdeich und dem Hastedter Osterdeich, aus Lärmschutzgründen zu reduzieren. Aktuell gibt es bereits mehr als 700 Abschnitte mit durchgehend oder zeitlich begrenztem Tempo 30 in der Stadt. Das klingt nach viel, ist aber nur ein kleiner Teil der insgesamt 4.877 Straßen in Bremen.
Und was bedeutet das für die Pendlerstrecke zwischen Niedersachsen und Bremen? Hier könnte sich die Verkehrssituation verändern. Fabian Uffelmann, Restaurantbesitzer in Borgfeld, bemerkt zwar keine große Veränderung in der Lautstärke, stellt aber fest, dass es weniger Stau gibt. Ein Pluspunkt, wenn auch nicht der Hauptgrund für die Regelung. Der Beirat Borgfeld hat zudem festgestellt, dass es seit der Einführung von Tempo 30 mehr Verkehr auf der Upper Borg Straße gibt. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Maßnahme nicht nur für Ruhe sorgt, sondern auch neue Herausforderungen mit sich bringt.
Die größeren Zusammenhänge
Tempo 30 soll nicht nur den Straßenverkehr entschleunigen, sondern auch Lärm, Luftverschmutzung und Verkehrsunfälle reduzieren. In Deutschland ist Tempo 30 innerorts jedoch noch nicht die Norm, obwohl viele Städte, wie Brüssel oder zahlreiche französische Städte, bereits ähnliche Regelungen umgesetzt haben. In diesen Städten sind die Zahlen beeindruckend: bis zu 70% weniger tödliche Verkehrsunfälle in Frankreich. Die Weltgesundheitsorganisation unterstützt Tempo 30 als Maßnahme zum Schutz von Menschenleben – ein Argument, das auch in Bremen immer mehr Gehör findet.
Die Novelle des Straßenverkehrsrechts im Jahr 2024 könnte weitere Änderungen bringen und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften festlegen. Die Zeichen stehen auf Veränderung, auch in Bremen. Die Stadt hat sich einer Initiative von über 1.000 Städten und Gemeinden angeschlossen, die eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerorts fordert. Vielleicht ist dies der erste Schritt in eine ruhigere und sicherere Zukunft für alle Borgfelder.