Am Freitag vergangener Woche hat die Handballwelt einen ihrer ganz Großen verloren. Rolf Harjes, ehemaliger Nationalspieler und Bundesliga-Torschützenkönig, ist im Alter von 77 Jahren verstorben. Ein Krebsleiden, das ihm in den letzten Jahren viel abverlangte, hat ihm schließlich das Leben genommen. Es ist ein schwerer Verlust für die ganze Handball-Community, die in ihm einen leidenschaftlichen Spieler und Trainer sowie einen wundervollen Menschen gesehen hat.
In den 1970er-Jahren hat Harjes als linker Rückraumspieler für den TV Grambke eine beeindruckende Karriere hingelegt. Der Verein stieg 1972 in die Handball-Bundesliga auf, und Harjes war maßgeblich daran beteiligt. Zusammen mit drei weiteren Talenten trug er zur Erstklassigkeit des TV Grambke bei. Berühmt wurde er nicht nur für seine starke Wurfkraft, die ihn den Spitznamen „Torkanone“ einbrachte, sondern auch für seine unerschütterliche Treffsicherheit bei Siebenmetern. In der Bundesliga-Spielzeit 1972/73 erzielte er in nur 14 Einsätzen beeindruckende 98 Tore und wurde damit Torschützenkönig der Liga Nord.
Ein Leben für den Handball
Rolf Harjes war nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch ein echter Familienmensch. 53 Jahre lang war er mit seiner Frau Heike verheiratet, und sie hatten eine Tochter. Aufgewachsen in Habenhausen, hat er immer enge Bindungen zu seiner Heimat gepflegt. Nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Handballsport treu und arbeitete als Trainer in verschiedenen Vereinen, darunter Buntentor, Achim-Baden, Delmenhorst und auch in seiner Heimat Habenhausen. Besonders hervorzuheben ist seine Tätigkeit bei der SG Bremen-Ost, wo er sowohl Männer- als auch Frauenteams betreute.
Selbst ein Schlaganfall im Jahr 2009 konnte ihn nicht von seiner Leidenschaft abbringen. Harjes war ein Kämpfer, der bis zu seinem Lebensende aktiv blieb. Er war ein tragendes Mitglied des TV Grambke und erlebte in den 1990er-Jahren einen zweiten „Grambker Frühling“, als der Verein 1996 in die 2. Bundesliga aufstieg und dort bis über die Jahrtausendwende blieb. Mit 52 Bundesliga-Spielen und 198 Toren stellte Harjes zwei Vereinsbestmarken auf, die bis heute Bestand haben.
Ein Platz in den Geschichtsbüchern
Die Spuren, die Rolf Harjes in der Handballgeschichte hinterlässt, sind nicht nur auf die Statistiken beschränkt. Er bestritt neun Länderspiele für die bundesdeutsche Nationalmannschaft und wurde zum Vorbild vieler junger Spieler. Sein Talent, Würfe mit einem kurzen Armzug schnell abzugeben, machte ihn zu einem gefürchteten Gegner auf dem Spielfeld. Es ist bemerkenswert, wie er trotz aller Widrigkeiten und Herausforderungen im Leben seine Liebe zum Sport bewahrte und immer ein Vorbild für die Jugend war.
Die Bundesliga hat sich seitdem weiterentwickelt. Spieler wie Hans Lindberg haben Rekorde aufgestellt, die Harjes‘ Erfolge in den Schatten stellen. Lindberg, der 2024 nach 500 Bundesligapartien mit einem Rekord von 3.115 Toren in den Ruhestand ging, überholte den vorherigen Rekord von Kyung-Shin Yoon. Doch die Errungenschaften von Rolf Harjes bleiben unvergessen, und er wird immer einen besonderen Platz in den Herzen der Bremer Handballfans haben.
Ein Abschied von Rolf Harjes ist nicht nur ein Verlust für den Handballsport, sondern auch für alle, die das Glück hatten, ihn kennenzulernen. Sein Erbe wird weiterleben – als Spieler, Trainer und als Mensch, der die Leidenschaft für den Handball mit so vielen geteilt hat.
