Die Situation rund um das Lungenkrebs-Screening in Bremen ist alles andere als einfach. Seit April 2023 ist dieses Screening offiziell eine Kassenleistung, und doch stehen viele Betroffene vor einem wahren Labyrinth, wenn sie versuchen, einen Termin zu bekommen. Die 65-jährige Ewa Rösner, eine starke Raucherin mit einer 30-jährigen Vergangenheit, hat dies am eigenen Leib erfahren. Ihre Geschichte ist ein Spiegelbild der Herausforderungen, mit denen viele konfrontiert sind.
Ewa wollte das Screening in Anspruch nehmen, nachdem bei einer Freundin ein Lungen-Tumor entdeckt wurde. Das ist ein Schicksal, das viele Menschen in Deutschland betrifft – jährlich erkranken rund 58.000 Menschen an Lungenkrebs, und die meisten dieser Fälle sind auf aktives Rauchen zurückzuführen. Umso mehr drängt es Ewa, eine Untersuchung durchführen zu lassen. Doch die Realität sieht anders aus. Sie kontaktiert mehrere Krankenhäuser in Bremen, und die Antwort ist immer dieselbe: Das Screening sei technisch möglich, aber nicht abrechenbar. Ein echtes Kuddelmuddel, wie es Andreas Sternberg, Facharzt für Radiologie, treffend beschreibt.
Ein steiniger Weg zur Untersuchung
Die Probleme mit der Abrechnung sind nicht das einzige Hindernis. In einem Radiologie-Zentrum erhält Ewa schließlich einen Termin, wird aber zunächst abgewiesen. Es ist frustrierend, vor allem, weil ihr Hausarzt bestätigt hat, dass sie alle Kriterien für das Screening erfüllt. Für die Untersuchung selbst müssen starke Raucherinnen und Raucher zwischen 50 und 75 Jahren die Mindestanforderungen erfüllen – mindestens 15 Packungsjahre und nicht mehr als zehn Jahre seit dem Rauchstopp. Ewa erfüllt all dies, doch die bürokratischen Hürden scheinen unüberwindbar.
Die Situation hat Ewa zum Nachdenken gebracht. Sie äußert Bedenken, dass die Organisation und Finanzierung des Screenings nicht ausreichend bedacht wurden. Tatsächlich ist das Screening für viele nicht so einfach zugänglich, wie es auf dem Papier aussieht. Die Niedrigdosis-CT, die zur Früherkennung eingesetzt wird, erfordert eine ganze Reihe von Qualifikationen und Genehmigungen, und das nicht nur für Radiologen, sondern auch für Hausärzte, die eine Fortbildung nachweisen müssen, um die Indikation stellen zu dürfen.
Ein Lichtblick am Ende des Tunnels?
Andreas Sternberg erwartet, dass das Screening ab dem 3. Quartal 2023, also ab 1. Juli, flächendeckend angeboten werden kann. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung, doch die Abläufe sind noch nicht deutschlandweit definiert. Ewa hat die Hoffnung, dass irgendwann auch andere Betroffene die Möglichkeit haben werden, sich ohne weitere Schwierigkeiten untersuchen zu lassen. Die ersten Berichte deuten darauf hin, dass eine signifikante Senkung der Lungenkrebssterblichkeit durch das Screening möglich ist. Aber die Frage bleibt: Werden die Menschen, die es am dringendsten benötigen, auch tatsächlich Zugang dazu haben?
Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Ab dem 1. April 2026 sollen neue Gebührenordnungspositionen für das Screening in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab aufgenommen werden. Das könnte eine Wende bringen. Ewa bleibt optimistisch, auch wenn der Weg dorthin steinig ist. Die Lungenkrebs-Früherkennung könnte das Leben vieler Menschen verändern, aber nur, wenn sie tatsächlich umgesetzt und für alle zugänglich ist.