Im Herzen von Leipzig, genauer gesagt im Freibad, findet ein ganz besonderes Event statt: Die audiovisuelle Performance „Nach der Bahn die Wende“, konzipiert vom Studio Urbanistan. Hier wird nicht nur geschwommen – es wird auch über die Vielfalt menschlicher Erfahrungen nachgedacht. Die Regisseurin Clara Minckwitz hat etwas Einzigartiges geschaffen, das die Grenzen zwischen Ost und West thematisiert und uns zum Nachdenken anregt.
Die Performance ist wie ein Sprung ins kühle Nass – aber in diesem Fall bleibt das Wasser unberührt. Die Besucher tragen Kopfhörer und tauchen ein in eine Klangwelt voller Interviews, die in Freibädern von Erfurt bis Bremen, von Leipzig bis Stuttgart geführt wurden. Es ist ein Erlebnis, das die Gesellschaft und die Sozialisation in all ihren Facetten widerspiegelt. Und während man dort steht, umgeben von der typischen Freibad-Atmosphäre – Chlor, Pommes und Sonnencreme – wird einem klar, dass Schwimmbäder mehr sind als nur Orte zum Abkühlen; sie sind soziale Mikrokosmen.
Gemeinschaftserlebnis im Freibad
Was macht das gemeinsame Schwimmen eigentlich aus? Diese Frage wird in der Performance auf eine sehr persönliche Weise behandelt. Christine Koschmieder, eine der Performerinnen, hat zwölf Jahre direkt neben dem Leipziger Schreberbad gelebt und beschreibt diesen Ort als einen Raum ohne Spielregeln – eine Metapher für die Gesellschaft. Hier treffen unterschiedliche Menschen aufeinander, und die individuellen Geschichten, die sie mitbringen, werden hörbar. Es geht um Identität, um Unterschiede und um die ungeschriebenen Grenzen, die wir in unseren Köpfen tragen.
Die Veranstaltung, die etwa 1,5 Stunden dauert, lädt die Zuschauer ein, sich frei zu bewegen und die Performance auf ihre eigene Weise zu erleben. Dabei sind die Sprachen Deutsch und Englisch vertreten, was das Ganze noch interessanter macht. Während man durch die Szenerie schlendert, werden persönliche Geschichten lebendig und laden zur Reflexion über die eigene Herkunft ein.
Ein barrierefreies Erlebnis
Das Stadionbad, in dem die Performance stattfindet, ist barrierefrei zugänglich. Ein alternativer Zugang führt über ein Tor mit 138 cm Breite, nur zwei Meter vom Haupteingang entfernt. Außerdem sind barrierefreie Toiletten vorhanden, was für ein inklusives Erlebnis sorgt. Die Preise sind im solidarischen Preissystem gestaffelt – von 8 bis 18 Euro kann man selbst entscheiden, was man bezahlt. Für den Bremen Pass gibt’s das Ganze sogar für nur 3 Euro, und Kinder sowie Jugendliche zahlen 5 Euro. Ein Kultursemesterticket? Das ist kostenlos!
Kunst im öffentlichen Raum
Kunstprojekte wie diese sind mehr als nur eine Bühne für kreative Köpfe; sie schaffen einen Zugang zu kultureller Teilhabe. Seit den 1960er Jahren haben Formate wie Public Art den öffentlichen Raum erobert und laden die Bevölkerung zum Dialog ein. Die Performance „Nach der Bahn die Wende“ ist ein Beispiel dafür, wie Kunst auch in nicht traditionellen Räumen stattfinden kann. Durch das gemeinsame Erlebnis wird nicht nur Kunst erlebbar, sondern auch der Austausch über gesellschaftliche Themen gefördert.
Die Auseinandersetzung mit Fragen wie „Was bedeutet es, Gesellschaft zu lernen?“ und wie persönliche Herkunft das Schwimmen beeinflusst, ist nur ein Teil des tiefgründigen Konzeptes, das hinter dieser Performance steht. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Kunst zur Reflexion über persönliche und gesellschaftliche Themen anregen kann – und das in einem entspannenden Freibad-Setting. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, lachen und sich austauschen können, während sie gleichzeitig über die eigene Identität und deren Einfluss auf das Gemeinschaftserlebnis nachdenken.